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Kultkneipe „Schrääg ’rüber“ feiert zu laut – Kündigung

Falkensee Kultkneipe „Schrääg ’rüber“ feiert zu laut – Kündigung

Der ständige Krach habe das Fass nach 22 Jahren zum Überlaufen gebracht. Nachdem sie in der vergangenen Woche der Falkenseer Kultkneipe „Schrääg ’rüber“ den Mietvertrag gekündigt hatte, meldet sich jetzt Vermieterin Annette Kolecki zu Wort.

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Feiernde Stammgäste und Live-Konzerte brachten das Fass zum Überlaufen.

Quelle: Christina Helbig

Falkensee. Der ständige Krach habe das Fass nach 22 Jahren zum Überlaufen gebracht. Nachdem sie in der vergangenen Woche der Falkenseer Kultkneipe „Schrääg ’rüber“ den Mietvertrag gekündigt hatte, meldet sich jetzt Vermieterin Annette Kolecki zu Wort. „Vor 22 Jahren kamen Herr Richter und Herr Parpart zu mir und fragten, ob sie die Räume mieten können. Sie versicherten mir, dass es höchstens ein bis zwei Veranstaltungen im Jahr geben wird“, erinnert sich die Falkenseerin. „Die ersten Jahre waren relative ruhig. Seit etwa 15 Jahren wurde es jedoch immer lauter – und das nicht nur an den Wochenenden.“

Anhaltender Partylärm

Besonders am Sonnabend sei gefeiert worden, ohne sich an Lärmgrenzen zu halten, so die Vermieterin. Mehrmals habe Kolecki der Kneipe bereits kündigen wollen, hätte sich in der Vergangenheit jedoch immer wieder erweichen lassen. „Wir hatten immer ein gutes Verhältnis und saßen oft wegen des Lärms zusammen – letzmalig im vergangenen Jahr. Während Konzerten blieben seitdem die Fenster geschlossen und die kleinen Boxen im Biergarten haben wir mit einem Zeitschalter versehen, damit sie auch pünktlich ausgehen“, sagt Betreiber Heiko Richter, für den die Kündigung ganz unvermittelt kam. „Richtig laut wird es eigentlich nur, wenn eine Band spielt. Das ist dann um ein Uhr nachts vorbei“, versichert Richter.

Eingeschlagen wie eine Bombe

Ganz anders nahm es Vermieterin Kolecki wahr: „Wenn ich so gegen ein Uhr um Ruhe gebeten habe, ist nichts passiert. Noch lauter wurde es, wenn das Lokal an Privatpersonen untervermietet wurde, die ihre eigenen Musikanlagen mitbrachten“, sagt die Falkenseerin. „Den Angestellten wurden ebenfalls Privatpartys erlaubt, die dann schon mal bis vier Uhr morgens gingen und das Haus zum Beben brachten. Von Eichsicht der Angestellten keine Spur“, so die Vermieterin. Sie sei sogar angesprochen worden, warum sie denn überhaupt zu Hause sei, wenn sie doch wisse, dass es laut werden würde. „Das hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe – dieses Verhalten empfinde ich als übergriffig und distanzlos. Muss ich mich dafür entschuldigen, hier zu wohnen?“, fragt sich die Falkenseerin. Der einzige Lichtblick sei Richters Ehefrau Daniela gewesen, die sich einsichtig zeigte und oftmals vermittelte.

Techno-Party brachte das Fass zum Überlaufen

Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich eine Feier am ersten Weihnachtsfeiertag. „Er ließ am 25. Dezember eine Techno-Party steigen. Es war nicht mehr zu ertragen“, so Annette Kolecki, die jetzt hofft, dass ihr Mieter eine neue Party-Location in Falkensee findet, die seinen Wünschen entspricht und in der er sich verwirklichen kann. „In den jetzigen Räumen wird es keine Zukunft geben, sie stehen ab Januar 2018 für andere Firmen zur Verfügung“, so Kolecki.

Doch ganz so einfach wird es nicht, weiß Heiko Richter. „Der Laden hat eine ganz spezielle Atmosphäre – die kann man nicht einfach an einen anderen Ort verpflanzen. Wir erholen uns derzeit vom ersten Schock und müssen anfangen über andere Optionen nachzudenken“, so der Betreiber. Trotz der aussichtslosen Situation habe ihn das Engagement und die Anteilnahme vieler Falkenseer und Stammgäste des „Schräägs“ beeindruckt. „Es ist der Wahnsinn, was die Leute auf die Beine stellen – nimmt man nur mal die groß angelegte Unterschriftenaktion. Bislang hat es kein Gewerbetreibender abgelehnt eine Unterschriftenliste in seinem Laden auszulegen“, sagt Richter weiter. Vom Verhalten seiner Vermieterin ist der Kneipenbetreiber hingegen enttäuscht. „Dass sie jetzt nach 22 Jahren des guten Zusammenlebens so reagiert, hätte ich nicht erwartet. Wir hätten gemeinsam weitere Lösungen für das Lärmproblem finden können.“

Von Laura Sander

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