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Havelland Kunst aus Licht und Linsen
Lokales Havelland Kunst aus Licht und Linsen
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02:16 29.06.2015
Bei der Montage war Fingerspitzengefühl gefragt. Quelle: M. Kniebeler
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Rathenow

Ein Baum ohne Krone ist eigentlich kein Baum. Sondern einfach nur ein Stamm. Das ist in der Natur so – und in der Kunst ist es nicht anders. Die sechs stählernen Baumstämme, die vor zwei Wochen auf dem Dunckerplatz aufgestellt wurden, wirkten daher unvollständig. Verloren standen sie in der Landschaft herum.

Seit Freitag ist das anders. Es wurde zusammengefügt, was zusammengehört: Stamm und Krone. Zu diesem Zweck war die Bildhauerin Eleonore Straub schon in aller Herrgottsfrühe aus Berlin nach Rathenow gekommen. Mit tatkräftiger Unterstützung motivierter Helfer wurde eine Krone nach der anderen auf den zugehörigen Stamm montiert.

Gegen Mittag war das aus sechs Einzelskulpturen bestehende Gesamtkunstwerk komplett. „Poplar Opticus“ so der Titel, ist eine Hommage an den berühmtesten Sohn der Stadt Rathenow – Johann Heinrich August Duncker. Um dessen Büste sind die sechs Stelen halbkreisförmig herumgruppiert.

Mit diesem räumlichen Bezug des Kunstwerks zum Begründer der optischen Industrie ist es nicht getan. Auch die Skulptur selbst stellt spielerisch eine Verbindung her zum Wirken Dunckers. Zum einen hat Eleonore Straub die Kronen der Pappeln in eine Linsenform gebracht – und verweist damit auf Dunckers Vielschleifmaschine, mit der erstmals die Produktion von Brillengläsern/Linsen in großer Stückzahl gelang.

Optische Pappeln

Das aus sechs Einzelskulpturen bestehende Kunstwerk, jede rund 8,50 Meter hoch, der Berliner Bildhauerin Eleonore Straub besteht aus Edelstahl, Glas (Linsen) und einem lichtdurchlässigen Spezialharz. Es trägt den Titel „Poplar opticus“ (optische Pappel). Es handelt sich um eine temporäre Installation. Die Genehmigung ist auf zwei Jahre befristet. Was danach mit dem Werk passiert, ist noch ungewiss.

Zum anderen bestehen die linsenförmigen Baumkronen selbst aus einer Vielzahl echter farbiger Linsen, die der Künstlerin von den Rathenower Optischen Werken zur Verfügung gestellt wurden.

Diese Linsen hat Straub in ein Spezialharz gebettet, das, weil es lichtdurchlässig ist, je nach Lichteinfall äußerst effektvoll schimmert. Und weil jede Stele für eine Farbe steht, kann man als Betrachter das Gefühl bekommen, auf dem Dunckerplatz der Aufspaltung des weißen Lichts in seine farbigen Bestandteile beizuwohnen.

Die Künstlerin war glücklich, das Ende eines langen Schaffensprozesses erreicht zu haben. Und sie war dankbar für die Hilfe, die ihr bei der Aktion zuteil wurde. Mehr als 30 Unterstützer aus der Region hatten ihren unentgeltlichen Beitrag geleistet, damit die Arbeit realisiert werden konnte. „Der Rathenower redet nicht viel, der Rathenower macht“, schwärmte Straub. „Und was er anfasst, das wird perfekt.“ Von einer solchen Unterstützung könne man als Künstler nur träumen.

Von Markus Kniebeler

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