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Kunst, die atmet

Perwenitz Kunst, die atmet

Nils Völker zeigt in Perwenitz Werke, in denen sich Technik und Poesie auf beeindruckende Weise begegnen. Aus Alltagsgegenständen schafft der Künstler bewegliche Objekte, die die Kulturmühle füllen.

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Fifteen – so schön kann Kunst aus 15 Säcken sein.

Quelle: Marlies Schnaibel

Perwenitz. Falls es das Wort „Kunstyoga“ noch nicht gibt, dann sei es hiermit erfunden. Erfunden in der neuen Ausstellung der Kulturmühle Perwenitz von einem Künstler, der aus der süddeutschen Provinz stammt, längst in Berlin lebt und von hier die Welt mit seinen Kunstwerken erobert.

Nils Völker in der Ausstellung

Nils Völker in der Ausstellung.

Quelle: Marlies Schnaibel

Taipeh, New York, Rotterdam - weltweit hat der 38-jährige Nils Völker schon ausgestellt. Nun Perwenitz. Dem Ort hat der Künstler mit seinen Werken ein eigenes Charisma geschenkt. Mit „2010 2017“ ist die Werkschau überschrieben. Es sind vor allem die neuen raumgreifenden Installationen, die den Besucher fesseln. Seit Jahren arbeitet Nils Völker an der Reihe von „choreographiertem Atem“. Eine Arbeit hat er nun speziell auf die hohen Räume des einstigen Silos der Mühle zugeschnitten. 40 weiß, rot und blau gestreifte Plastsäcke, wie sie im Hochwasserschutz eingesetzt werden, hat er zu einem langen Tropfen verbunden, in einem auf- und abschwellendem Rhythmus werden sie aufgeblasen und entleeren sich. Im Nebenraum die Installation „Fifteen“ – 15 knall-orange Müllsäcke sind auf dem Boden verteilt, auch sie folgen einem von Ferne gegebenen Befehl des Auf- und Abschwellens. Dazu schnurren Geräusche des Windes, des Atmens, des Knisterns, des Rauschens. Alles sanft, ohne Hektik, in einer meditativen Wiederholungsschleife. Wer sich zu diesen Kunstwerken gesellt, spürt, wie der eigene Atem ruhig wird, wie sich die Gedanken sammeln und zur Ruhe kommen. Kunstyoga eben.

Buntes Auf- und Abschwellen

Buntes Auf- und Abschwellen.

Quelle: Marlies Schnaibel

Bei der sehr gut besuchten Vernissage am Sonnabend konnte sich dieser Wirkung keiner entziehen. Gastgeberin Gudrun Venter freute sich, den renommierten Künstler in Perwenitz ausstellen zu können. „Die Arbeiten sind streng durchkonstruiert, aber sie faszinieren durch ihre große Kraft und Poesie“, sagte sie zur Eröffnung.

„Die Ausstellung macht glücklich“, schwärmte eine Besucherin. Mit ihrer heiteren und klaren Ästhetik umfängt die Werkschau die Betrachter. Nils Völker macht gewöhnliche Gegenstände zu Kunst. Und, so gesteht er, er tüftelt gern. Der Mann aus Aalen hatte in Weimar an der Bauhaus-Universität Grafikdesign studiert. Schon seine frühen Arbeiten – Langzeitfotografien – zeigen seine Vorliebe für serielles Arbeiten, immer mehr ging er jedoch zu dreidimensionalen Arbeiten über. Brachte Elektronik und Programmierung in seine Kunstsprache mit ein und ließ die Dinge zu beweglichen Kunstwerken werden. Installationen mag das am ehesten treffen, was Völker da mit den Dingen macht. Aus vielen schreiend-bunten Hoberman-Kugeln schuf er die Installation „Bits and Pieces“; die Kugeln öffnen und schließen sich wieder, ein wellenartiger Rhythmus zieht durch das Feld von Plastkugeln, die eigentlich Spielzeug für Kinder sind. Hier entfalten sie eine suggestive Wirkung.

„Die Farbe ist wichtig bei den Arbeiten, aber ich gehe eher von dem Material der Dinge aus“, beschreibt Völker sein Herangehen. Die Dinge geben den Impuls, im Kopf wird konstruiert, ehe aus Folien, Lüfter und Aluminium die Gebilde erschaffen werden. In den Werken von Nils Völker scheinen sich natürliche und unnatürliche Phänomene zu begegnen. Sie sind minimalistisch und tiefgründig zugleich. Und so wirken die Installationen weit über den ersten, fast fröhlichen Eindruck hinaus. Sie stoßen beim Betrachter eine Reise ins eigene Innere an. Das geht am besten ohne den Trubel, den eine menschenreiche Ausstellungseröffnung mit sich bringt.

Die Perwenitzer Ausstellung „2010 2017“ ist die erste Werkausstellung von Nils Völker. „Ich bin extrem zufrieden mit der Raumwirkung“, sagte er zur Präsentation seiner Arbeiten in den Galerieräumen der Kulturmühle. Bis zum 20. Oktober sind die Besucher eingeladen zu kommen - zum Schauen und zum Atmen.

Von Marlies Schnaibel

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