Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Kunstgenuss und viele Gespräche

200 Besucher am Sonnabend bei der Galmer Hofkultur Kunstgenuss und viele Gespräche

29 Menschen nennen den Galm bei Zollchow ihren Heimatort. Ein beschauliches Idyll am Rande des Milower Landes. Wer am Samstagnachmittag die Dorfstraße entlang fuhr, wird sich gefragt haben, wie viele Menschen das Örtchen tatsächlich fassen kann.

Voriger Artikel
Stadtveraltung plant massive Einschnitte
Nächster Artikel
Bahnhofstraße als Gute-Laune-Meile
Quelle: Christin Schmidt

Galm. Rund 200 Menschen tummelten sich bei herrlichstem Sonnenschein. An der schmalen Dorfstraße reihten sich zu beiden Seiten Autos dicht an dicht. Was die Menschen in das winzige Dorf zog, war kein Volksfest. Zu einem solchen hätte sich auch kaum so viel Politprominenz angekündigt. Der Galm quoll über, weil nach zwei Jahren endlich wieder eine Hofkultur stattfand.

Die Kunst- und Kultur-Veranstaltung hatten Annette und Gerhard Göschel vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen. Damals hatten sie den Hof gerade gekauft und das Anwesen war mehr Baustelle als Ausstellungsort. Nun lockte die Galmer Hofkultur bereits zum neunten Mal Kunst- und Kulturinteressierte aus dem gesamten Landkreis, aus Berlin und Hamburg und von noch weiter her an. "Wir haben hier Menschen aus Polen, China und Amerika begrüßt", erzählte Annette Göschel. Gemeinsam mit ihrem Mann begrüßte sie am frühen Samstagnachmittag die Gäste auf dem Hof, der sich längst von einer Baustelle in eine Kunstoase verwandelt hat. Auf dem grünen Rasen waren wieder Bänke aufgestellt und eine kleine Bühne, Kaffee- und Kuchenduft lag in der Luft und vermischte sich mit einer locker leichten Atmosphäre.

Das Sehen und Gesehen werden trat in den Hintergrund, wenngleich so kurz vor der Bundestagswahl der Besuch von MdB Diana Golze (Linke) und dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, einen Hauch Wahlkampfstimmung mit sich brachte. Zu den Gästen gehörten unter anderem auch Kulturstaatssekretär Martin Gorholt und Landrat Burkhard Schröder sowie der Bürgermeister der Gemeinde Milower Land, Felix Menzel, Sängerin Nina Omilian und der Rathenower Maler Michael Student.

Seit jeher ist auch Bettina Götze Gast der Galmer Hofkultur. Die Geschäftsführerin des Rathenower Kulturzentrums lebt selbst im Milower Land und ist mit dem Ehepaar Göschel mittlerweile freundschaftlich verbunden. Dass die Galmer Hofkultur auch noch in den kommenden Jahren stattfindet, daran ist Götze sehr interessiert und deshalb war sie am Samstag auch erstmals nicht als Gast auf dem Galm, sondern als Veranstalterin. Das Kulturzentrum hat die Hofkultur in seine Veranstaltungsreihe "Kultur auf Tour" aufgenommen und sich um die Organisation gekümmert. Eine große Erleichterung für die Gastgeber, denn ohne das Engagement und die Unterstützung des Kulturzentrums sowie weiterer zahlreicher Förderer hätte es wohl kein Treffen der havelländischen Kulturszene auf dem Galm gegeben, wie Annette Göschel in ihrer Begrüßungsrede erzählte. Neben dem Kulturzentrum unterstützten auch das Land Brandenburg, der Landkreis Havelland, die Gemeinde Milower Land, der Ortsteil Galm und auch die Galmer Feuerwehr die Hofkultur.

"Von diesem Ort geht ein Zauber aus", bewunderte Martin Gorholt die besondere Atmosphäre. Dieser Hof stehe für Ruhe, Konzentriertheit und Innovation, so Gorholt in Erwartung der neuen Ausstellung, die im ausgebauten Dachstuhl eines alten Stallgebäudes eröffnet wurde. Neben Gerhard Göschel stellte dieses Mal die Künstlerin Ulrike Hogrebe ihr Schaffen einem breiten Publikum vor. "In Hogrebes Bildern ist Reduktion das künstlerische Prinzip. (...) Ein Farbenschema, das bewusst zweidimensional flach sein will." So beschrieb Laudatorin Simone Tippach-Schneider die Bilder der Wahlhavelländerin Hogrebe. Ein einsamer Ruderer auf einem See, ein Fisch, ein Reh ‒ Hogrebes Motive strahlen Einsamkeit aus, aber keine die bedrückt, sondern vielmehr eine die Ruhe und Faszination verkörpert.

Ergänzend dazu hatte Gerhard Göschel Installationen, Skulpturen aus Edelstahl, eine Abfolge von Reliefs und hölzerne Wandobjekte ausgestellt. An einigen Werken hatte er in der vergangenen Woche noch bis spät nach Mitternacht gearbeitet. Neben den bildenden Künstlern Ulrike Hogrebe und Gerhard Göschel steuerten nach der Ausstellungseröffnung die Komponisten Jörg Arnecke und Helmut Zapf ihren Beitrag zur Galmer Hofkultur bei. Arnecke, der seit Beginn der Veranstaltungsreihe das musikalische Programm beisteuert, hatte sich dieses Mal Helmut Zapf dazu geholt. Gemeinsam gaben die beiden in einem lockeren Gespräch eine Einführung in ihr Werk, bevor das Streichquartett der Kammerakademie Potsdam vier Bagatellen von Zapf und Arneckes "Wasserkreisel-Streichquartett Nr. 3" spielte, beides zeitgenössische Werke. Letzteres hatte den Künstler Gerhard Göschel zu seiner Installation Wasserkreisel inspiriert. Das großformatige Werk, das den Steinwurf in einen Teich künstlerisch nachahmt, war hinter den Musikern aufgebaut. Im Zusammenklang mit den Noten der Streicher wirkten die Kreisel, die nun auf Göschels blauem Farbenteich leuchteten, noch intensiver. Plötzlich musste man Jörg Arnecke zustimmen. Der hatte nämlich kurz vorher über Gerhard Göschel gesagt: "Es blitzt bei ihm ein gewisser Schalk im Nacken." Wer sich die Zeit nimmt und die Ausstellung intensiv auf sich wirken lässt, wird diesen Schalk deutlich vor sich sehen.

Von Christin Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg