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Kurt Magritz' Werk wird neu entdeckt

Falkensee Kurt Magritz' Werk wird neu entdeckt

Die MAZ-Serie „Zu Hause in...“ führt diesmal in den Westen der Stadt Falkensee, nach Finkenherd. Hier verwaltet Maria Rüger das künstlerische Erbe des Malers Kurt Magritz. Als Formalist in eine politische Schublade gesteckt, wird nun sein künstlerisches Werk neu entdeckt.

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Leben mit Büchern und Bildern: Maria Rüger.
 

Quelle: Marlies Schnaibel

Falkensee.  In Finkenherd ist Falkensee zu Ende. Es ist eine grüne Idylle mit Tücken. Was hier „Dyrotzer Weg Ausbau“ heißt, ist der Wohnort für fünf Familien und einige Wochenend-Falkenseer. Maria Rüger ist eine von ihnen, seit Jahrzehnten gehört ein kleines Holzhaus der Familie. „Das Grün, die Ruhe“, schwärmt Maria Rüger von der Sonnenseite der Anlage. Aber sie kennt auch die Kehrseite, seit nämlich die Stadt die Straße zum Außenbereich erklärt hat und sich nicht mehr zuständig fühlt, wird es für die Bewohner schwer. Der Sandweg ist stark ausgefahren und ähnelt einer Panzerstrecke. Die Müllfahrzeuge fahren hier nicht mehr rein, die Bewohner müssen ihre Mülltonnen bis vor zur Straße zerren. 300 Meter sind für die 81-jährige Maria Rüger und ihren Mann kaum noch zu überwinden. „Die Papiertonne ist so schwer, das schaffen wir nicht“, sagt sie. Ohne die Hilfe des Nachbarn wären sie ganz abgeschnitten. Immerhin, der Postbote quält sich noch durch den märkischen Sand. Oder den Schlamm, je nach Wetterlage.

Politischer Hardliner

Aber Maria Rüger will nicht klagen, sie will die Zeit genießen, die sie noch in Finkenherd verbringen kann. Das Haus ist ihr sehr wichtig. Es ist über und über mit Bildern ihres Vaters Kurt Magritz gefüllt. Sie geben dem Haus eine ganz eigene Aura. Fast ist es, als wäre der Maler gerade erst aus dem Haus gegangen. „Das Haus am Rand – das hat er sehr gemocht“, erzählt seine Tochter, die nun seinen Nachlass verwaltet und regelt. Der Vater hatte das Haus 1970 gekauft und mehr als zehn Jahre hier gelebt, Maria Rüger zog mit ihrem Mann 1992 aus Berlin hierher. Sie selbst hatte an der Berliner Humboldt-Universität Gartenbau und Kunstgeschichte studiert und zum Zeichnungswerk von Ernst Barlach promoviert. Damit schloss sich ein familiärer Kreis , denn ihr Vater hatte Anfang der 1950er Jahre noch in scharfer Form das Werk von Ernst Barlach kritisiert und darin nihilistische und formalistische Tendenzen gesehen. Als politischer Hardliner in eine Schublade gesteckt, war der Blick auf das künstlerische Werk von Kurt Magritz lange verstellt.

Maria Rüger legt das Werk Stück für Stück frei, ohne den poltischen Kontext auszusparen. Sie ist froh, dass mit dem aus Karlsruhe stammenden Kunsthistoriker Eckhart Gillen ein versierter Mann daran geht, Leben und Werk von Kurt Magritz in einem Buch aufzuzeigen.

„Es ist gut, wenn ein Außenstehender unbefangen auf das Werk schaut“, sagt Maria Rüger. Als sie vor acht Jahren einen Teil der Bilder ins renommierte Museum der Bildenden Künste Leipzig gab, waren es die dortigen jungen Wissenschaftler die sahen, wie die frühen Arbeiten von Magritz im Werk von dessen einstigem Schüler Mattheuer nachwirkten. Der berühmte Jahrhundertschritt scheint in einer Federzeichnung von Kurt Magritz schon vorweggenommen.

Sensibler Dichter und Maler

Eckart Gillen, der Kurt Magritz noch persönlich kennengelernt hatte, hat hinter der Fassade des linientreuen Kulturfunktionärs einen höchst sensiblen Dichter, Maler und Grafiker sichtbar gemacht. as Buch wird in Dresden gedruckt, es ist – versehen mit vielen Abbildungen aus dem Archiv der Tochter – fast fertig. Wenn Eckart Gillen am 5. Oktober im Berliner Max-Lingner-Haus einen Vortrag über Kurt Magritz hält, wird er ein Vorabexemplar wohl schon in den Händen halten. Der Kunsthistoriker Eckhart Gillen hat den als Formalisten gescholtenen Kurt Magritz neu entdeckt. Maria Rüger freut sich über diese Wahrnehmung, um die sie seit Langem kämpft. Mit der Personalausstellung 2008 im Falkenseer Museum war dazu ein Anstoß gegeben worden.

Vortrag Eckart Gillen über Kurt Magritz, 5. Oktober, 19 Uhr, Max-Lingner-Haus in Berlin-Pankow.

Von Marlies Schnaibel

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