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Kurzer Draht zum Facharzt

Kritik im Osthavelland an gesetzlich verordneter Terminvergabestelle Kurzer Draht zum Facharzt

Ebenso wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) sehen auch Fachärzte und Allgemeinmediziner im Osthavelland die gesetzlich geschaffene Terminvergabestelle kritisch, mit denen Patienten schneller an Facharzttermine kommen sollen. Sie halten sie schlicht für überflüssig.

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Hautärztin Anja Knöll (r.) sieht auf jeden Fall in Falkensee eine gute Vernetzung der Ärzte.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Havelland. In manchen Gegenden kann es durchaus vorkommen, das Patienten auf eine Fachuntersuchung wochen-, wenn nicht gar monatelang warten müssen. Das soll seit 25. Januar behoben sein. Denn seit diesem Tag gilt das vom Bundestag beschlossene Versorgungsstärkungsgesetz in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder mussten zentrale Telefonservicestellen schaffen. Diese haben den Auftrag, Termine beim Facharzt innerhalb von vier Wochen zu vermitteln. Bedingung: Die Patienten benötigen eine „dringliche Überweisung“ von ihrem Arzt. Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen sind ausgenommen. Zudem hat der Patient keine freie Arztwahl. In Berlin-Brandenburg kann sich der Facharzt im Umkreis von 30 bis 60 Kilometer vom Wohnort befinden.

Das sagt Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin-Brandenburg. So legt die KV jedenfalls das Gesetz aus. Wehry erklärt: „Das Gesetz geht an der Versorgungsrealität vorbei. Denn darin ist die Rede davon, dass der Facharzt in 30 bis 60 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein soll.“ In 60 Minuten komme man auf dem flachen Land nicht weit, so Wehry weiter. Wie der Sprecher informiert, gab es in den ersten zwei Wochen seit Inkrafttreten des Gesetzes 186 Anrufe bei der Servicestelle, die mit drei Mitarbeitern besetzt ist. 100 Anrufer hätten nicht die dringliche Überweisung und häufig allgemeine Fragen gehabt. 84 Patienten wurden an Fachärzte vermittelt, zwei waren selbst erfolgreich gewesen.

Wehry hinterfragt den Nutzen der Terminvergabestelle. Denn die KV habe selbst eine Patientenhotline und helfe bei der Arztsuche. Auch die Krankenkassen böten ihren Versicherten solche Hotlines an. Das bestätigt Martina Hallmann, Service-Center-Leiterin der DAK in Nauen: „Seit mehreren Jahren haben wir die Medizin-Hotline, die Facharzttermine zeitnah vermittelt.“

Der Nauener Urologe Christian-Peter Wachs meint zur der Vergabestelle: „Die ist überflüssig und wird bestimmt wieder abgeschafft.“ Er selbst habe noch keinen Patienten auf diesem Weg bekommen. Und Notfälle würden ohnehin dazwischengeschoben, kämen schnell ran. Letztlich würden die Kapazitäten bei den Fachärzten dadurch auch nicht größer.

Auswirkungen der neuen Regelung hat auch der Falkenseer Allgemeinarzt Knut Krüger noch nicht feststellen können. Für ihn ist die Vergabestelle eine Form von neuer Bürokratie, die nur Arbeit und Geld kostet. „Wenn ich dringend eine Diagnose benötige, nehme ich Kontakt auf mit meinen Kollegen und wir klären das untereinander“, sagt er. Das gehe dann auch kurzfristig.

Die Falkenseer Hautärztin Anja Knöll sieht das Thema Facharzttermine für die Speckgürtelregion als nicht so relevant an. „In Falkensee gibt es eine gute Arztvernetzung.“ An der Peripherie des Landes könne es hingegen schon anders sein. Da würden oft Fachärzte fehlen. Allerdings könne man dieses Problem mit der Vergabestelle auch nicht lösen. Außerdem: „Der Patient will seinen festen Ansprechpartner haben“, sagt sie.

Einer, der im ländlichen Raum arbeitet, ist der Allgemeinmediziner Robby Jörg Zschoyan aus Friesack. Aber auch er hat mit Facharztterminen derzeit keine Probleme. „Ich habe einen kurzen Draht. Wenn es dringend ist, bekomme ich kurzfristig einen Termin deutlich unter vier Wochen“, sagt er.

Von Andreas Kaatz

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