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Landiner Fotokunst in der Hauptstadt

Berlin/Landin Landiner Fotokunst in der Hauptstadt

Dirk Friese aus Landin war einer von über 100 Künstlern, die am Sonntag bei der Open-Air-Gallery auf der Berliner Oberbaumbrücke ihre Werke präsentierten. Seine experimentellen Fotoarbeiten stießen beim Hauptstadtpublikum auf Neugier.

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Kontakte knüpfen, Gespräche führen, neugierig machen: Dirk Friese am Sonntag an seinem Stand auf der Oberbaumbrücke im Austausch mit einem Besucher.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Wer in Berlin vom S-Bahnhof Warschauer Straße in Richtung Kreuzberg geht, der darf eines nicht sein: menschenscheu. Tagsüber wie nachts herrscht auf einer der angesagtesten Partymeilen der Stadt Gedränge. Am Sonntag war es vielleicht noch ein bisschen voller als sonst. Die Open-Air-Gallery auf der Berliner Oberbaumbrücke ist das, was man neudeutsch ein Event nennt. Über 100 Künstler präsentierten in der größten Freiluftausstellung der Hauptstadt ihre Werke. Und mitten drin im Gewusel ein Künstler aus Landin. An dem Stand mit der Nummer 93 präsentierte Dirk Friese seine experimentelle Fotokunst. Die zog viele Neugierige an. Und einige waren so angetan von den ebenso farb- wie formreichen Arbeiten, dass sie sich gleich an Ort und Stelle zum Kauf entschieden. Dazu später mehr.

Zuerst einmal musste man den Weg finden zu dem Mann, der seit 2012 in Landin lebt und arbeitet. Und das war ein durchaus unterhaltsames Unterfangen. Denn auf der für den Verkehr gesperrten Brücke gab es ein Fest für alle Sinne. Da waren zu allererst die Kunststände, die auch die extremste Schaulust befriedigten – im besten Sinne des Wortes. Es gab Grafisches zu sehen, Fotokunst in vielen Variationen, realistische Malerei und abstrakte Motive, Kupferstiche, Steindrucke, Skulpturen aus Holz, Metall, Stein und jeder Menge anderer Materialien.

Damit nicht genug. Denn die Open-Air-Gallery ist viel mehr als eine Kunst-Ausstellung. Nämlich Straßenfest, Begegnungsort und Experimentierfeld für die Anbieter kulinarischer Genüsse. Ein Muntermacher vom Coffee-Bike, ein Pulled Pork Sandwich am betörend duftenden Stand gegenüber, und zum Abschluss etwas das sich „Spluffin“ nennt – dem Werbezettel nach eine Mischung aus Splitterbrötchen und Muffin. Man lernt nie aus.

Zwei Mal im Jahr verwandelt sich die Oberbaumbrücke in eine Freiluftgalerie

Zwei Mal im Jahr verwandelt sich die Oberbaumbrücke in eine Freiluftgalerie.

Quelle: Open-Air-Gallery

Dirk Friese selbst hatte nur bedingt Gelegenheit, das bunte Treiben um ihn herum zu genießen. Aber deshalb war er ja auch nicht nach Berlin gekommen. Sondern um für sich und seine künstlerische Arbeit zu werben. Das gelang ihm gut. „Es bleiben ständig Leute stehen, um sich die Bilder anzusehen“, sagte er. Am frühen Nachmittag hatte er sogar schon drei Werke verkauft. Und etliche Besucher hatten da bereits angekündigt, sich auf den Weg nach Landin zu machen, um sich im Atelier des Künstlers in Ruhe in dessen rätselhaften künstlerischen Welten zu vertiefen.

„Experimentelle Fotografien“ nennt der 48-Jährige seine Arbeiten, die am Computer entstehen. Am Bildschirm legt er zwei oder drei unterschiedliche Fotografien übereinander und bearbeitet diese so lange, bis nur noch Spuren darauf hindeuten, dass die ursprünglichen Aufnahmen Gegenstände der realen Welt zeigten.

Dass der Farbenrausch, in den sich viel der Besucher willig hineinziehen ließen, am Computer entstanden ist, wollte manch einer gar nicht glauben. Eingehend wurde der nicht vorhandene Farbauftrag untersucht. Wenn Dirk Friese dann erklärte, dass es sich um Abzüge von Fotos handele, staunten viele nicht schlecht.

„Ich mag den Austausch mit dem Betrachter“, so der Künstler. Vor allem schätzt er es, wenn die Menschen ihm die Assoziationen beschreiben, die die farbintensiven Bilder auslösen. Ein Mann mittleren Alters glaubte felsenfest, auf einem Bild eine Ecke des Brandenburger Tors erkannt zu haben. Eine Frau hatte ein Embryo entdeckt, der wenig später von jemand anderem als Walnusskern identifiziert wurde. Der Künstler vernahm diese Spekulationen mit Amüsement. Das Geheimnis, was denn nun tatsächlich auf den zum Kunstwerk verschmolzenen Ur-Aufnahmen zu sehen war, lüftetet er freilich nicht. Damit zerstöre man die Phantasie, so Friese. Und das sei wirklich nicht sein Ziel.

Als Dirk Friese am Abend seine Siebensachen zusammenpackte, um sich aus dem Trubel der Metropole zurück in die Stille des Havellandes zu begeben, da war er erschöpft und beglückt zugleich. Um fünf Uhr morgens hatte er sich in Landin auf den Weg gemacht, spät am Abend ging ein ereignisreicher der Tag zu Ende. „Viele Kontakte geknüpft, viele nette Gespräche geführt und vier Bilder verkauft“, so lautet die Bilanz. „Ich bin mit dem Tag sehr zufrieden“, sagt Dirk Friese. So zufrieden, dass er sich im kommenden Jahr wieder um einen Stand auf der Oberbaumbrücke bewerben will – für die 16. Auflage der Open-Air-Gallery.

Ausstellung unter freiem Himmel

Die Open-Air-Gallery findet zwei Mal jährlich auf der Berliner Oberbaumbrücke statt, die die Spree überspannt und die beiden Stadtteile Kreuzberg und Friedrichshain miteinander verbindet.

Über 100 Künstler finden auf der Brücke Platz, die am Ausstellungstag für den Verkehr gesperrt wird.

Die Auswahl, wer ausstellen darf, trifft eine Jury. Die Zahl der Bewerbungen übersteigt regelmäßig jene der verfügbaren Ausstellungsstände.

Die nächste Open-Air-Gallery findet im Sommer 2018 statt – voraussichtlich im Juni.

Von Markus Kniebeler

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