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Mehr Sicherheit, wenn der Elbdeich bricht

Prognosen bei Hochwasser Mehr Sicherheit, wenn der Elbdeich bricht

Unter dem Eindruck des Deichbruchs bei Fischbeck 2013 hat der Landkreis Havelland jetzt ein Hochwasser-Vorhersagemodell in Betrieb genommen, um seine Kräfte bei künftigen Katastrophen besser einsetzen zu können. Durch Computersimulationen soll es in 30 Minuten Prognosen liefern, wo wann mit welchen Wassermengen zu rechnen ist.

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Die Brandschutzeinheit Havelland war im Juni 2013 auf dem Elbdeich bei Fischbeck eingesetzt, kurz bevor er brach.

Quelle: Feuerwehr

Rathenow. Wohl so gut wie niemand hatte beim Elbehochwasser 2013 erwartet, dass der Deich im Bereich des Westhavellandes nicht halten würde. Als dann die Elbe immer höher stieg, rief Landrat Burkhard Schröder (SPD) damals am 9. Juni für das westliche Havelland den Katastrophenfall aus. Er tat das sicherlich auch, weil niemand so ganz genau sagen konnte, was im Falle eines bereits denkbaren Deichbruchs wohl passieren würde. Kurz nach Mitternacht gab bei Fischbeck der Deich dann tatsächlich nach und gewaltige Wassermassen ergossen sich ins flache Land. Es habe Prognosen gegeben, hat der damalige Innenminister und heutige Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) einige Tage später berichtet, die für zwei Stunden nach dem Deichbruch das Eintreffen des Wassers bei Schmetzdorf und Zollchow vorhersagten. Er bekannte: „Das hat uns Sorgen bereitet.“

Fischbeck, Kabelitz, Schönhausen und Wust hat es schwer getroffen

Heute weiß man, dass das schlimmste anzunehmende Ereignis im Landkreis Havelland nicht eingetreten ist. Doch viele Nachbargemeinden wie Fischbeck, Kabelitz, Wust und Schönhausen hat die Flut 2013 schwer getroffen. Um für künftige Katastrophenfälle dieser Art besser gewappnet zu sein, hatte der Kreistag noch im Dezember jenes Jahres den Kauf eines Hochwasser-Vorhersagesystems beschlossen und dafür die nicht ganz unbeträchtliche Summe von 100 000 Euro bereit gestellt. Mittlerweile hat der Landkreis das in Auftrag gegebene Computerprogramm in Betrieb genommen und auch schon ein halbes Dutzend Szenarien durchspielen lassen, um die errechneten Ergebnisse auf ihre Plausibilität hin zu prüfen. Die erstellten Prognosen waren glaubhaft, sagt Henning Kellner, Dezernent für Landwirtschaft, Umwelt, Ordnung und Sicherheit des Kreises. Die Anschaffung habe sich also gelohnt.

Wie er erklärt, ist das System speziell für die Fälle ausgelegt worden, in denen der Elbdeich bei Hochwasser auf der dem Havelland zugewandten Seite bricht. „Wir sind künftig innerhalb von 30 Minuten in der Lage“, teilt er mit, „vorherzusagen, wo genau welche Wassermengen zu erwarten sind, und das über einen Zeitraum von drei, vier Tagen hinweg.“ Natürlich lassen sich schon allein durch das Höhenprofil einfache Vorhersagen gewinnen. Doch wirken manche Straßen und Bahnlinien wie Dämme und können dort vorhandene Durchlässe großen Einfluss haben. Recht genau lassen sich nun per Computer solche Fragen beantworten wie: Gibt es Gefährdungen für die Gemeinden Milower Land oder Premnitz? Wenn ja, wo ist am besten eine Verteidigungslinie aufzubauen? Und wie viel Zeit bleibt dafür noch?

Alte Elbeläufe führten über Rathenow und Milow zur Havel hin

Rocco Buchta, Projektbüroleiter für die Havelrenaturierung, kann auf alten Karten zeigen, dass noch Anfang des 18. Jahrhunderts das Elbehochwasser Wege über Rathenow und Havelberg nahm. Mehrere alte Elbeläufe sind eingezeichnet, die über Rathenow/Milow zur Havel hin führen. Er ist sicher: Wäre der Elbedeich im Juni 2013 ein Stück weiter südlich gebrochen, wäre es für Rathenow und einige Dörfer südlich davon nicht so ungefährlich ausgegangen. Wo immer künftig ein Elbedeich brechen sollte - mit dem Vorhersagemodell lassen sich schnell Handlungsanweisungen ableiten.

Von Bernd Geske

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