Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Landkreis Havelland verfehlt ehrgeizige Klimaschutzziele noch deutlich

Landkreis verfehlt seine Vorgaben Landkreis Havelland verfehlt ehrgeizige Klimaschutzziele noch deutlich

Vor einigen Jahren hat sich der Landkreis Havelland ein Klimaschutzkonzept gegeben. Jetzt gab es eine Überprüfung, deren Ergebnisse im Grunde gut sind. Dem Landkreis sind sie nicht gut genug.

Voriger Artikel
Gemeinde erneuert Denkmäler
Nächster Artikel
Zum Arbeiten nach Nauen

Alt-Landrat Burkhard Schröder (Mitte) bei einer Veranstaltung zum Klimaschutzkonzept des Kreises.

Quelle: Joachim Wilisch

Friesack. Mit guten Vorsätzen ist das so eine Sache. Silvester zum Beispiel. Schnell sind sie gemacht, beschwingt vielleicht vom Alkohol und dem Zauber, der in jedem Neuanfang steckt, selbst wenn es nur ein kalendarischer ist. Nach ein paar Tagen sieht das neue Jahr schon nicht mehr ganz so neu aus und auch die Vorsätze haben nicht selten etwas Staub angesetzt. Öfter mal Fahrrad statt Auto fahren? Aber doch bitte nicht, wenn Regen angekündigt ist!

Manchmal ist es nicht schlecht, wenn von Zeit zu Zeit jemand vorbeikommt, einen an die guten Vorsätze erinnert und schaut, was daraus geworden ist. Genau das hat jetzt der Landkreis getan, der selbstverständlich weit davon entfernt ist, irgendwelche Entscheidungen unter Alkoholeinfluss oder sonst wie benebelt zu treffen: 2013 hat das Havelland ein ehrgeiziges Klimaschutzkonzept verabschiedet, mit dem Ziel , den Energieverbrauch bis 2030 erheblich zurückzufahren. Im Umweltausschuss in Brieselang wurde jetzt ein erstes Zwischenergebnis vorgestellt, das zeigt, wie weit der Kreis mit seinen Bemühungen schon gekommen ist. Das Fazit fällt durchwachsen aus: Es gibt Hoffnung, es gibt vorzeigbare Erfolge – in der Gesamtbilanz aber wurde das anvisierte Ziel verfehlt.

Zu den positiven Punkten: Tatsächlich ist der Landkreisverwaltung gelungen, ihren eigenen Energieverbrauch ein bisschen zu drosseln: 2011 lag der Verbrauch noch bei 10203 Megawattstunden (MWh). 2014 ist er auf 8889 MWh zurückgegangen, was einen Rückgang von 12,9 Prozent entspricht. Besonders gravierend ist der Rückgang beim Verbrauch der Dienstfahrzeuge. Das hat allerdings auch damit zu tun, das wegen des Hochwassers 2011 der Fuhrpark besonders oft beansprucht wurde. Aber auch ohne dies Anomalie hat es der Landkreis geschafft, in seinen Gebäuden deutlich weniger Strom und Wärmeenergie zu verbrauchen. Mittlerweile wurde die kommunale Flotte auch mit drei Elektroautos nachgerüstet.

Die Nutzung erneuerbarer Energien im Landkreis hat weiter zugenommen. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 580 900 MWh Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt (72,6 Prozent Windkraft; 12,6 Prozent Photovoltaik; 12,6 Prozent Biogas; 2,2 Prozent Klärgas). Die erzeugte Gesamtstrommenge lag 2,6 Prozent unter dem Wert von 2011, was vermutlich damit zusammenhängt, dass das 2011 allgemein ein schwaches Windjahr war. Der Gesamtstromverbrauch des Landkreises lag 2014 bei 669 300 MWh, das heißt, bereits heute könnte das Havelland theoretisch knapp 87 Prozent seines Strombedarfs aus regionalen erneuerbaren Energien beziehen. Theoretisch, weil der hier produzierte Strom auch in anderen Bundesländern verbraucht wird.

Zu den negativen Punkten: Der Landkreis beabsichtigte von 2011 bis 20130 die CO2-Emissionen um ein Viertel zu senken. Außerdem soll es beim Energieverbrauch jährliche Einsparungen von 1,1 Prozent geben und der Anteil erneuerbare Energien soll sich bis 2030 von 24,3 Prozent am Energieverbrauch auf 50 Prozent erhöhen.

Läuft die Entwicklung weiter wie bisher, werden alle drei Ziele deutlich verfehlt: Die Einsparung bei den CO2-Emissionen liegt derzeit bei 13300 Tonnen im Jahr. Um das Ziel zu erreichen, müssten es aber 20000 Tonnen sein. Der Energieverbrauch (ohne Verkehr) hat sich zwischen 2011 und 2014 sogar leicht erhöht, statt wie geplant, zurückzugehen. Ein Grund dafür ist ein deutlich höherer Energieverbrauch in der Wirtschaft, was auf neue Betriebe und ein Plus an Arbeitsplätzen zurückzuführen ist. Auch bei der gewünschten Erhöhung der erneuerbarer Energien am Energieverbrauch hinkt der Landkreis bereits jetzt hinterher. Der jährliche Zuwachs müsste bei 11900 MWh liegen, liegt tatsächlich aber nur 2300 MWh.

In drei Jahren soll es eine neue Analyse des Ist-Zustands geben. Dann wird sich schon ein bisschen deutlicher zeigen, ob der Landkreis seine ehrgeizigen Ziele halten kann und will.

Von Ralf Stork

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg