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Der dienstälteste Landrat

Burkhard Schröder regiert seit 25 Jahren im Havelland Der dienstälteste Landrat

Er hatte nie die Absicht, Landrat zu werden. Sich politisch engagieren ja, aber Verwaltungschef – nein. Das waren die Gedanken des Burkhard Schröderin der Wendezeit. Tatsächlich gehört er heute zu den zwei dienstältesten Landräten in Brandenburg. Am Montag feiert er seinen 65. Geburtstag.

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Landrat Burkhard Schröder in Aktion.

Quelle: Foto: Peter-Paul Weiler

Havelland .
Er hatte nie die Absicht, Landrat zu werden. Sich politisch engagieren ja, aber Verwaltungschef – nein. Das waren die Gedanken des Burkhard Schröder, der am Montag 65 Jahre alt wird, in der Wendezeit. Tatsächlich gehört er zu den zwei dienstältesten Landräten in Brandenburg – der andere ist Bodo Ihrke im Landkreises Barnim. Ein altes SPD-Mitglied äußerte mal, dass man 1990 ja nicht habe ahnen können, dass der Landrat sich zu einem kleinen König entwickeln würde – im positiven wie im negativen Sinne. Eine treffende Bewertung.

25 Jahre Verwaltungschef

Wer wie Burkhard Schröder 25  Jahre Verwaltungschef ist, zunächst seit 1990 im Altkreis Nauen ab 1994 im Landkreis Havelland, der kann so viel nicht falsch gemacht haben. Befragt nach seinem größten Erfolg, sagt er: „Das Havelland ist ein leistungsfähiger, lebenswerter Landkreis geworden, mit dem sich seine Menschen zunehmend identifizieren – das ist mir summarisch das Wichtigste.“

Dabei hieß die erste große Hürde, die es zu nehmen galt – Kreisgebietsreform 1993. Aus den Kreisen Nauen und Rathenow einen zu formen, mit allen Befindlichkeiten der Bürger, mit allen Schwierigkeiten der Verwaltung und der Entscheidung, Rathenow zur Kreisstadt zu machen, gehörte zu den schwierigsten Aufgaben des Landrates. Zumal er unumwunden einräumt, damals auf Nauen gesetzt zu haben. Nicht nur, weil Burkhard Schröder Landrat in Nauen war und in Falkensee wohnt. Sondern weil er nicht an die in den Raum gestellten Effekte glaubte, sich das Land davon versprach, die Kreisstädte im äußeren Bereich eines Kreises zu legen, um eine Belebung der Region zu erreichen. Aber Burkhard Schröder ging pragmatisch mit der Situation um. Bis heute ist ein Teil der Kreisverwaltung in Nauen, einige Bereiche sogar auch in Falkensee, „weil es die Sozialräume so erfordern“, so der Landrat.

Infrastruktur schaffen

In zweifacher Hinsicht spielt die Gemeinde Wustermark eine prägende Rolle in der Amtszeit Burkhard Schröders sowohl als Verwaltungschef als auch als langjähriger SPD-Unterbezirksvorsitzender. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises voran bringen, sah er als Grundvoraussetzung dafür, langfristig nicht mehr von Zuschüssen oder gar Almosen anderer abhängig zu sein, war ihm wichtig. Infrastrukturen zu schaffen, wie das Güterverkehrszentrum Wustermark, wo heute mehr als 3000 Menschen arbeiten, erforderte vor allem in der eigenen Kreisverwaltung einiges Durchsetzungsvermögen, sagt er. Vor allem gegenüber dem Bereich Naturschutz. „Ich blicke auf ein Vierteljahrhundert spannender Regionalentwicklung zurück, die ich mitgestalten durfte. Es lief nicht immer alles planmäßig, aber große Niederlagen blieben mir bislang erspart“, so Schröder.

Vielleicht keine Niederlage, aber eine leidige Geschichte war aus Sicht des SPD-Politikers Burkhard Schröder der Streit unter den Wustermarker Sozialdemokraten. Im Ortsverband hatten sich zwei Fronten gebildet, die einen unterstützten den damaligen Bürgermeister Bernd Drees, die anderen waren gegen ihn. Mitten drin – zwischen den Fronten – der Unterbezirksvorsitzende. Der bedauert , dass die Sozialdemokraten in Wustermark sich zwar zusammengerauft haben aber bis heute nicht wieder ein Herz und eine Seele geworden seien.

Spagat zwischen Aktenmensch und Kontaktmann

Burkhard Schröder hat als Landrat immer einen Spagat zwischen dem Aktenmensch, der sich „auch mal einen halben Tag lang in eine Sache reinkniet“ und dem Kontaktmann zum Bürger versucht. Er hat kaum Gesprächsrunden, auch zu brenzlichen Themen gescheut, war zuletzt auch in Nauen dabei, als es um die geplante Asylbewerberunterkunft ging und es dort heftige Proteste gab. Und er bezeichnet den Flüchtlingsstrom ganz offen als eine „absolute Herausforderung für den Landkreis Havelland“ sowohl in finanzieller Hinsicht als auch aus Sicht der Bürgerschaft, die Ängste hat. Das müsse die Politik beachten.

Ob Burkhard Schröder das havelländische Landratsamt noch zum Ende seit Amtszeit 2017 führt, ob er gar bis 2019 weitermacht, lässt der Falkenseer bisher offen. Fest steht nur, dass er keinen Ministeriumsposten mehr übernehmen wird. Vieles hängt davon ab, wann die nächste Kreisgebietsreform kommt, denn Burkhard Schröder räumt ein, dass es schon reizvoll wäre, später einmal sagen zu können, der einzige Landrat gewesen zu sein, denn das Havelland je hatte.

Zur Person

Burkhard Schröder wurde am 20. Juli 1950 in Neustadt/Dosse geboren

Er wohnt in Falkensee, ist verheiratet, hat eine Tochter und ein Enkelkind

Erlernter Beruf ist Werkzeugmacher. Anschließend studierte er Verfahrenstechnik und Mathematik in Halle/Saale und legte die Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin ab

Von 1979 bis 1990 war Schröder Leiter des Rechenzentrums der Fachhochschule für Gesundheitswesen Potsdam

Im November 1989 trat er der Ost-SPD bei

Im September 1990 wurde er zum Landrat des Kreises Nauen und dem Vorsitzenden der SPD-Unterbezirks gewählt

Seit der Kreisgebietsreform 1993 ist er Landrat des Landkreises Havelland

Die jetzige Wahlperiode endet 2017

Seine persönliche Interessen sind Garten und Skat

Seinen SPD-Unterbezirksvorsitz hat er bereits abgegeben, was ihm nicht schwer gefallen sei. Er werde in den nächsten Wochen mal Familienrat abhalten uns schauen, was seine Frau zu gemeinsamen Zukunftsplänen sagt.

Darüber, dass am Montag in Schloss Ribbeck das Dienstjubiläum und der 65. Geburtstag von Burkhard Schröder gefeiert werden, sind die Kreis-Linken verärgert. Privates und Dienstliches zusammenzulegen sei nicht richtig, sagen sie. Burkhard Schröder betont, dass die Feier nicht von ihm sondern vom Kreistag organisiert wurde.

Von Jens Wegener

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