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Havelland Landungsfest an der Lady
Lokales Havelland Landungsfest an der Lady
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00:18 01.11.2017
Peter Bley, Horst Schwenzer, Rodolf Döger und Ulrich Müller (v.r.) vor der Lady Agnes. Quelle: Norbert Stein,
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Stölln

Das Flugzeug kam dicht über den Bäumen herangeflogen, setzte auf dem Rasen auf und verschwand in einer großen Staubwolke. So war es am 23. Oktober 1989 um 13.03 Uhr, als Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach, Co- Pilot Peter Bley, Bordingenieur Ulrich Müller und Navigator Rudolf Döger mit der IL 62 auf dem Gollenberg landeten und damit eine einmalige Leistung vollbracht hatten, die sogar mit einer Eintragung in das Guinnessbuch gewürdigt wurde.

Auf dem Gollenberg stockte damals den Helfern und vielen Schaulustigen der Atem. Beifall brandete auf, als die Crew unversehrt aus dem Flugzeug stieg. Die damalige DDR-Fluggesellschaft Interflug hatte der Gemeinde Stölln die aus dem aktiven Flugdienst ausgemusterte IL 62 geschenkt, um auf besondere Weise die Leistungen des Flugpioniers Otto Lilienthal würdigen zu können. Otto Lilienthals Frau Agnes zu ehren tauften die Stöllner das Flugzeug auf den Namen „Lady Agnes“. Auch in diesem Jahr kamen wieder rund 25 000 Besucher auf den Gollenberg und besichtigten das Flugzeug.

Auf die Minute 28 Jahre nach der spektakulären Meisterleistung an jenem 23. Oktober 1989 eröffnete der Vorsitzende des Otto Lilienthal Vereins, Horst Schwenzer, am Samstag das 28. Landungsfest auf dem Gollenberg. Die mittels einer CD eingespielten Motorengeräusche des Flugzeugs, als es vor 28 Jahren auf dem Gollenberg aufsetzte, weckten bei den Besuchern Emotionen. „So ein Ereignis vergisst man nicht“, sagte Horst Schwenzer. Er war damals Hauptbuchhalter in der Milchviehanlage Stölln und am Landungstag auf dem Gollenberg.

Sybille Heling war auch dabei. Sie war damals Bürgermeistern der Gemeinde Stölln und erinnerte am Samstag an die Vorgeschichte zum Unternehmen Flugzeuglandung auf einer lediglich 900 Meter langen Rasenbahn auf dem Gollenberg. Sybille Heling nannte den 8. August 1988 als ein ebenfalls denkwürdiges Datum. An diesem Tag erhielt sie nach bereits vorher geführten Gesprächen mit der Interflug den entscheidenden Telefonanruf aus Schönefeld mit der Nachricht „ Stölln bekommt von uns ein Flugzeug“.

Die Nachricht löste in der Gemeinde eine Welle von notwendigen Vorbereitungen aus, bei denen viele Einwohner und Betriebe mithalfen. Das Flugzeug für die Landung auf dem Gollenberg vorzubereiten oblag in Schönefeld Heinz- Dieter Kallbach, dem Leiter der Il 62-Staffel der Interflug. Seither verbindet den Piloten und seine Crew eine enge Freundschaft mit Stölln. Und so war die Crew sie auch am Samstag wieder Gast beim Landungsfest.

Uwe Schmidt (l.) aus Blankenfelde hat einen Flugzeug-Zweisitzer ersteigert. Quelle: Norbert Stein

Allerdings fehlte der Pilot. Heinz-Dieter Kallbach war zum ersten Mal nicht bei Landefest dabei. Er ist krank und konnte deshalb nicht nach Stölln kommen. Co-Pilot Peter Bley sprang ein und schilderte seine Erinnerungen und die der gesamten Crew an die denkwürdige Landung, von der niemand vorhersagen konnte, ob sie auch wirklich gelingen würde.

„Wenn das ganze Unternehmen auch recht abenteuerlich wirkte, waren die im Cockpit sitzenden Männer keine Abenteurer“, sagte Peter Bley, „Wir waren alle gestandene Flieger im Alter von 40 bis 50 Jahren.“ Die Crew habe gewusst, worauf sie sich eingelassen hatte. Nur der kurzfristig für einen Kollegen eingesprungene Navigator nicht. Rudolf Döger war zuvor nie auf dem Gollenberg gewesen und bestätigte am Samstag, damals im unmittelbaren Anflug im Cockpit gerufen zu haben „Oh Gott, wo landen wir denn hier“.

Peter Bley lobte den Lilienthalverein für sein Engagement zur Wahrung der Fliegertradition auf dem Gollenberg und der touristischen Entwicklung der Region. Und er bat um Unterstützung, damit der Verein die Lady Agnes fit machen kann für die Zukunft. 100 000 Euro muss der Verein aufbringen für notwendige Ausbesserungen und Unterhaltungsmaßnahmen am Flugzeug. Dafür bekommt er Fördermittel, muss aber 25 000 Euro als Eigenanteil bereitstellen. Ohne Unterstützung wird er es nicht schaffen. 15 000 Euro aus Lotto-Mitteln wurden dem Verein bereits zugesagt. Den Rest will er mit Spenden bestreiten.

Am Samstag stand auch eine Spendenbox im Besucherzentrum, und zugunsten der notwendigen Sanierungsarbeiten wurde ein Flugzeug-Zweisitzer versteigert. Eine Flugzeugwerft aus Dresden, die Passierflugzeuge zu Frachtflugzeugen umrüstet, hat dem Verein den Zweisitzer für diesen Zweck geschenkt.

Ersteigert hat ihn Uwe Schmidt aus Blankenfelde für 105 Euro. Wo er den Zweisitzer aufstellen wird, ob im Büro oder in seinem Haus, dazu wollte der Bauingenieur sich am Samstag noch nicht festlegen. Die Ersteigerung sei für ihn eine spontane Entscheidung gewesen, sagte Uwe Schmidt. Mit der Fliegerei verbinde ihn lediglich ein allgemeines Interesse und sein Wohnort, der in der Einflugschneise zum BER liegt. Die Beziehungen zum Ländchen Rhinow sind enger: Uwe Schmidt ist Vorstandsmitglied des Heimatvereins Großderschau.

Von Norbert Stein

Die 59-Jährige steht seit 2010 an der Spitze der Ortsgruppe der Volkssolidarität Wachow. Mittagstisch, Kegelnachmittage, Ausflüge und das Kinderfest – Liane Döring organisiert alles.

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