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Nach Bluttat: Ein Dorf hüllt sich in Schweigen

Todesschütze aus Klein Behnitz vor Gericht Nach Bluttat: Ein Dorf hüllt sich in Schweigen

Ein halbes Jahr nach den Schüssen auf einen Veterinär steht der 72-jährige Landwirt Wilfried Z. aus Klein Behnitz vor Gericht. Das schwere Unglück, das sich Ende Januar im Dorf ereignete, sorgt heute noch für Fassungslosigkeit unter den Bewohnern. Reden möchte jedoch niemand über die Ereignisse, die einem Menschen das Leben gekostet haben.

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Der Hof von Wilfried Z. wird von der Natur zurückerobert.

Quelle: Laura Sander

Klein Behnitz. Die Straßen in Klein Behnitz sind wie leer gefegt. Das Hoftor von Wilfried Z. ist mit dicken Eisenketten verschlossen, auf dem Grundstück wuchert das Unkraut. Der Hof des 72-jährigen Landwirts liegt seit etwa einem halben Jahr brach. Das schwere Unglück, dass sich Ende Januar in Klein Behnitz ereignet hat, sorgt auch heute noch für Fassungslosigkeit im Dorf. Reden möchte niemand über die Ereignisse, die einen Menschen das Leben gekostet haben.

An einem trüben Wintertag schoss der 72-jährige Landwirt Wilfried Z. mit einer Schrotflinte auf den damaligen Vietznitzer Ortsvorsteher Frank Matschke. Er erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen. Matschke war in seiner Funktion als Veterinär gemeinsam mit zwei Kolleginnen auf das Grundstück in der Riewender Straße gekommen, um einen Großteil der Rinder des Landwirtes zu beschlagnahmen. Z. war mit ihrer Pflege schon lange überfordert gewesen, ein Teil der Tiere soll krank gewesen sein. „Es war nicht das erste Mal, dass das Veterinäramt vor der Tür stand“, sagte gestern ein direkter Nachbar gegenüber der MAZ. „Ständig sind die Tiere ausgebüchst und liefen im Dorf rum. Also mich hat das nicht gestört, aber richtig ist es nicht, wenn man nur mal an die Autofahrer denkt.“

Wilfried Z. sitzt seit dem Vorfall in Untersuchungshaft. Ab Dienstag wird ihm vor dem Potsdamer Landgericht der Prozess gemacht. Neun Verhandlungstage wurden angesetzt.

In Klein Behnitz wird zwar noch über den Vorfall diskutiert, „so richtig kommt man aber nicht zusammen. Die Meisten sind tagsüber arbeiten und eine Kneipe in der man sich abends zusammensetzen könnte, gibt es auch nicht“, so der Nachbar weiter. Gegenüber der MAZ hüllt sich das Dorf jedenfalls in Schweigen. Selbst Ortsvorsteherin Verena Müller möchte sich zur Stimmung in Klein Behnitz und dem tragischen Unglück nicht äußern. Die Meinungen im Dorf sind geteilt. „Natürlich war er überfordert und viele im Dorf haben ihm immer wieder Hilfe angeboten. Er wollte sie jedoch nicht annehmen, denn er war schon immer sehr stur“, so der Nachbar, der seinen Namen nicht nennen will. „Er hat sein ganzes Leben lang geschuftet, war schwer krank und seine Rinder waren alles, was er noch hatte. Das rechtfertigt natürlich nicht die Tat.“

Mitten aus dem Leben gerissen

Frank Matschke wurde am 20. Januar von Landwirt Wilfried Z. mit einer Schrotflinte angeschossen. Seine Verletzungen waren so schwer, dass er ihnen noch am Tatort erlag. Seine beiden Kolleginnen, die ebenfalls vor Ort waren, kamen mit dem Schrecken davon und mussten anschließend psychologisch betreut werden.

Der 61-jährige Mitarbeiter des Veterinäramtes hinterließ eine Frau, drei Kinder und zwei Enkelkinder.

Sein Vorgesetzter Hennig Kellner, Dezernent des Landkreises Havelland, beschrieb Frank Matschke kurz nach dem Unglück als sehr angenehmen Menschen, der mit Kompetenz und Augenmaß agierte.

In Vietznitz , einem großen Ortsteil von Wiesenaue mit rund 300 Einwohnern, war Matschke lange Jahre Ortsvorsteher. Von Vietznitzern wird er als sehr gesellig und als ein großer Familienmensch beschrieben.

Über 100 Menschen erwiesen dem 61-jährigen Vietznitzer bei seiner Beisetzung am 31. Januar die letzte Ehre.

Dirk Massow übernahm Ende April den Posten des Ortsvorstehers. Er hatte sich als Einziger für das Amt zur Wahl gestellt und wurde von den Gemeindevertretern einstimmig gewählt. Der 47-Jährige war mit Frank Matschke befreundet und will die Arbeit in seinem Andenken fortsetzen, wie er gegenüber der MAZ sagte.

Der Grund für die Tat - die rund 30 Rinder und ihre Kälber, die man zusätzlich in einer der beiden Scheunen fand – wurden einige Tage nach der Tat abtransportiert. „Seine beiden Schäferhunde sind zwei Häuser weiter untergekommen. Um den Hof kümmert sich ab und zu jemand aus dem Dorf“, so der Nachbar. Doch viel gebe es eigentlich nicht, um das sich gekümmert werden müsste. Der Hof ist verwahrlost und das soll er auch schon gewesen sein, bevor Wilfried Z. festgenommen wurde. „Das war schon immer ein Problem und der Hof ganz bestimmt kein schöner Anblick. Es gab viele Diskussionen um den Zustand und die Verwilderung des Anwesens, vor allem auch wegen der Pension genau gegenüber“, erinnert sich der Nachbar des Landwirts. Er ist, wie auch der Rest des 200-Einwohner-Dorfes auf den Ausgang des Prozesses gespannt.

Von Laura Sander

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