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Die Milch macht’s längst nicht mehr

Landwirtschaft Die Milch macht’s längst nicht mehr

Die Preise sind mittlerweile leicht gestiegen, die Brandenburgs Landwirte für Milch bekommen, die sie produzieren. Dennoch sind die Bauern pessimistisch. Die Politiker interessieren sich nicht für das Thema, klagen sie, und machen eine düstere Zukunftsprognose auf.

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Dirk Neumann (links) und Detlef Ebert diskutieren über den Milchpreis und gutes Futter für die Tiere.

Quelle: Norbert Stein

Stölln. Die Milchbauern im Havelland können leicht durchatmen. Rund 34 Cent zahlen die Molkereien in diesem Monat für ein Kilogramm Milch. Damit machen sie zwar noch immer keinen Gewinn, aber der Preis deckt zumindest seit langer Zeit erstmals wieder die Kosten für die Milchproduktion. Positiv beeinflusst wurde die Entwicklung in den letzten Monaten wesentlich von international gestiegenen Erlösen für Milchfett.

Der Absturz

Der Wegfall der europäischen Milchquote, das Russland-Embargo, die internationale Marktsituation und niedrige Einzelhandelspreise für Milcherzeugnisse führten 2014 zu einer Milchkrise, die bis zum Frühjahr diesen Jahres anhielt. Im Jahr 2016 stürzte der Milchpreis regelrecht ab. Die Landwirte bekamen lediglich 20 Cent pro Kilo Milch.

Betriebe mussten aufgeben

Die Krise zwang auch im Havelland Betriebe zur Aufgabe der Milchproduktion. Nun erholt sich der Preis langsam. „Entspannt hat sich die Situation damit aber noch längst nicht“, meint Dirk Neumann, der mit seiner Frau und drei Mitarbeitern in Bamme einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit Milchproduktion betreibt. „Die Zukunft ist weiter unsicher“, sagt auch Detlef Ebert, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft (AG) Stölln am Dienstag in einem Gespräch zum Thema.
Neumann und Ebert sehen die Politiker in die Pflicht genommen. „Umwelt und Landwirtschaft würden wie kein anderer Entwicklungszweig von Auflagen der EU bestimmt“, meinen sie. Wenn es so gewollt ist, müssen die Regierungen auch Regularien treffen, damit die Landwirte für die Milch einen gesicherten Grundpreis erhalten. Doch die Entwicklung sei anders. „Die Landwirtschaft wird von der Politik immer weniger beachtet“, klagen Neumann und Ebert.

Milchkühe auf dem Hof der Agrargenossenschaft Stölln

Milchkühe auf dem Hof der Agrargenossenschaft Stölln.

Quelle: Norbert Stein

Die Bundesregierung habe zwar mit zwei Förderprogrammen versucht zu helfen, die Landwirte in der Milchkrise aber dennoch weitgehend im Stich gelassen. Die niedrigen Preise für Milch hatten für die Erzeugerbetriebe drastische Auswirkungen. Die gewährten Prämien für die Flächenbewirtschaftung mussten sie einsetzen um die Auswirkungen der Milchkrise halbwegs in Grenzen zu halten.

Riesige Verluste

Dirk Neumann und seine Frau bewirtschaften mit ihren Mitarbeitern in Bamme 415 Hektar Land und dazu eine Milchproduktion mit 200 Kühen, die von Robotern gemolken werden. Rund 1,9 Millionen Kilogramm Milch produziert der Familienbetrieb jährlich. „2,5 Cent weniger Einnahme pro Kilogramm bedeutet einen jährlichen finanziellen Verlust von 45 000 Euro“, erklärt Dirk Neumann die Auswirkungen der Milchkrise für seinen Familienbetrieb.

Weniger Mitarbeiter in Stölln

Die Agrargenossenschaft Stölln hat vor elf Jahren 1,5 Millionen Euro in Ställe, Anlagen und ein neues Melkkarussell für 1050 Kühe investiert. Heute sind es noch 750 Milchkühe. Der Preisverfall für die Milch hat die AG zur Reduzierung des Tierbestandes gezwungen. Damit liefert die AG nun täglich 19 000 Kilogramm Milch an die Molkerei, vorher waren es 24 000 Kilogramm. Die Auswirkungen der Milchkrise auf das Betriebsergebnis für 2016 beziffert Detlef Ebert mit einem Minus von einer Millionen Euro. 50 Prozent des Verlustes hat die AG durch Kosteneinsparungen ausgeglichen. Der Melkbetrieb wurde teilweise umgestellt, mehr Futter aus Eigenproduktion eingesetzt und die Anzahl der Mitarbeiter von 49 auf 33 reduziert. Einher ging dieser Prozess mit der gesetzlich vorgegebenen Erhöhung der Mindestlöhne.

Keine weiteren Investitionen

Von weiteren Investitionen in die Tierproduktion hat sich die Agrargenossenschaft Stölln mit der Milchkrise verabschiedet. „Ich halte es aus heutiger Sicht nicht für vertretbar, in die Milch zu investieren“, sagt Detlef Ebert. „Ich werde den Gesellschaftern einen solchen Vorschlag auch nicht unterbreiten, zumal die Genossenschaft für die nächsten Jahre mit Melktechnik noch gut aufgestellt ist.“

Molkereiwechsel ab 2018

Die Agrargenossenschaft Stölln und der Familienbetrieb Neumann aus Bamme gehören der Erzeugergemeinschaft Milch Havelland-Prignitz an. Die 13 Mitgliedsbetriebe wechseln aus Gründen der Wirtschaftlichkeit im nächsten Jahr die Molkerei.

Von Norbert Stein

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