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Havelland Leben in einem alten Fachwerkhaus
Lokales Havelland Leben in einem alten Fachwerkhaus
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02:15 15.09.2017
Fühlen sich in dem alten Fachwerkhaus mit seinen Lehmwänden sehr wohl: Eckart Johlige mit seiner Frau Marion und Sohn Max. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Nauen

„Das Haus hat ein eigenes Flair. Es knarrt, es ist schief und krumm, das ist das Schöne. Das Gebäude hat eine Ausstrahlung.“ Eckart Johlige mag sein Zuhause – die Nr. 40 in der Goethestraße. Dort wohnt und arbeitet er, unweit der Sankt-Jacobi-Kirche und mitten in der Nauener Altstadt, die sich immer mehr zum Positiven entwickelt. Wenn der Rechtsanwalt am 24. September Bürgermeister von Nauen werden sollte, will er sich dafür einsetzen, dass es mit der Altstadtsanierung noch mehr voran geht.

Für Geschichte hat sich der 50-Jährige schon immer sehr interessiert und so natürlich auch für die Historie des Gebäudes. Er weist auf die sichtbaren Hölzer des Fachwerks. „Ein dendrochronologisches Gutachten hat ergeben, dass sie von 1696 sind. Also kurz nach dem großen Stadtbrand“, sagt Johlige. Bis ins 19. Jahrhundert war es ein Bauernhof, danach Wohnhaus.

„Als ich 2010 das Haus mit meiner damaligen Frau im Zuge einer Zwangsversteigerung erworben hatte, sah es außen recht gut aus, aber innen herrschte Chaos.“ Heute indes ist alles schön eingerichtet. Das Wohnzimmer ist so ausgestattet, wie es auch vor 200 Jahren gewesen sein könnte, wenn auch jetzt etwas größer. An einer Wand ein Biedermeier-Sekretär, an einer anderen ein flämisches Buffet. „Mitte des 19. Jahrhundert“, erklärt Johlige und fügt hinzu: „Die Möbel habe ich fast alle mit der Zeit auf dem Flohmarkt erworben. Sie erzählen Geschichte“, sagt er. Schon als er früher in Berlin in einem Altbau gewohnt hatte, war ein Teil mit dabei.

Als Johliges heutige Frau Marion 2014 ins Haus eingezogen ist, hatte sie kein Problem mit der besonderen Möbelvorliebe ihres Mannes. „Ich musste mich nicht daran gewöhnen, weil sie zum Haus passen.“ Modern hingegen sind nicht nur die übrigen Möbel im Haus, sondern war auch die Art und Weise, wie sich das Paar kennengelernt hat – nämlich über Facebook. Das war 2013. „Ich laufe Marathon und meine Frau Halbmarathon. Wir waren in Facebook-Gruppen, die sich über das Thema ausgetauscht haben“, sagt Johlige.

Gesehen hat er sie das erste Mal bei einem Fußballspiel. Sein Klub Hertha BSC, dem er seit 20 Jahren als Mitglied die Treue hält, spielte in Falkensee gegen Falkensee-Finkenkrug. „Und dann ging alles recht schnell“, sagt Johlige schmunzelnd. 2014 wurde geheiratet, Sohn Max ist nun zwei Jahre alt und weiß die Verstecke in dem großen Haus schon ganz gut zu nutzen. Gesellschaft leistet ihm oft Johliges erster Sohn Lennart (10).

Regelmäßig wird gekocht, wobei die Eltern abwechselnd den Kochlöffel schwingen – je nachdem, wer gerade Zeit hat. Festgelegt wird gemeinsam, was auf den Tisch kommt. „Kartoffel schälen kann meine Frau viel besser. Ich schneide immer zu viel Schale ab“, gesteht er. Geteilt wird auch die Hausarbeit, und wenn es im lauschigen Hof etwas zu tun gibt, packen sie ebenfalls gemeinsam an. Im Herbst sorgt dort der Walnussbaum erneut für Arbeit, wie auch jetzt langsam wieder. Die ersten Blätter fallen schon. 21 große Säcke Laub werden zusammengefegt, zwischendrin die beiden Katzen Ken und Barby. „In Dallgow-Döberitz hatten wir damals einen großen Garten, die kleine Hoffläche hier ist dagegen schnell gemacht“, winkt Eckart Johlige ab.

Auch wenn er gern in Nauen lebt, so steckt doch eine gehörige Portion Fernweh in ihm. Das lassen nicht zuletzt die Bilder des Dänen Steen Bille erahnen, die im Wohnzimmer hängen. Alle sind recht alt, stammen auch vom Flohmarkt. Alle zeigen Schiffe.Dabei hat Eckart Johlige mit Wassersport nicht viel gemein, „aber ich habe seit der Jugend ein Faible für Segelschiffe, fürs Maritime“. Schon als Kind bastelte er Modelle. „Ich weiß nicht warum, aber es hat mich interessiert.“ Zumindest im Urlaub, auf Kreuzfahrtschiffen, schnuppert er gelegentlich Seeluft. Zudem zog es ihn in der Vergangenheit etwa in die USA, nach Südafrika oder Namibia. „Ich verreise schon ganz gern.“ Sein Lieblings-Urlaubsland ist allerdings Kroatien.

Von Andreas Kaatz

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