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Leben mit dem Paradies

Gedanken zum Juni im Havelland Leben mit dem Paradies

Mit der bald beginnenden Urlaubszeit beginnt für viele Menschen auch wieder die Sehnsucht nach Orten, die als Paradies empfunden werden. Aber was ist das Paradies? Das lässt sich nicht so einfach sagen. Fest steht nur: der Mensch macht das Paradies nicht selbst.

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Im kleinen Gartenparadies: Joachim Hoffmann, Superintendent i.R. aus Schönwalde-Glien .

Quelle: Tanja M. Marotzke

Schönwalde-Glien. „Das Paradies ist nicht weit. Wer weniger vom Urlaub erwartet, braucht gar nicht erst anzurufen“ – so die Annonce eines Hotels. „Nur zwei Stunden bis zum Paradies“, werben die Kanarischen Inseln. Wenn die Urlaubszeit beginnt, haben Ferienparadiese Hochsaison; auch wenn sie Eintritt kosten. Wärme, Wasser, weg von allem Müssen. Zurück in die Geborgenheit des Mutterleibes, könnte man denken. Paradiese sind Sehnsuchtsorte; auch die Einkaufsparadiese. Sie stehen für Schönheit, Luxus, Genuss.

Im Altpersischen bedeutete Paradies Garten, Park. Die Bibel nennt in ihrer griechischen Übersetzung den Garten Eden, in dem Adam und Eva in ungestörter Harmonie lebten, Paradies und später auch den für die Toten erhofften Ort im Himmel. In der mittelalterlichen Malerei, aber auch im Koran, ist daraus eine Art Schlaraffenland geworden. Um dorthin zukommen (und nicht in die Hölle), müssen die Lebenden das Paradies erst verdienen.

Von solchen Vorstellungen haben sich moderne Menschen gelöst. Aber der Sehnsuchtsort Paradies lebt weiter. Ein junger Marokkaner begründet seine gefährliche Fahrt übers Mittelmeer: „Das Paradies, für das wir unser Leben lassen, heißt Schengen.“ Aus seiner Sicht ist Europa das Paradies. Für manche Europäer sind gerade die Länder Afrikas oder des Orients, aus denen Menschen in unsere Region fliehen, solche Sehnsuchtsorte.

Was ein Paradies ist, lässt sich also nicht einfach festlegen. Weil es mit der Lebensrealität zusammenhängt, kann es für jede, jeden etwas Anderes sein; auch ein schöner Garten im Havelland oder ein Konzert.

Eines verbindet alle Sehnsuchtsorte: Man macht sie nicht selbst. Man erhofft sie, man strebt sie an, aber man produziert sie nicht. Ein Paradies will „geliefert“ werden wie einst der Garten Eden oder das erhoffte himmlische Paradies. Will man es herstellen, kann das grauenvoll werden. Das kommunistische Paradies scheiterte unter schrecklichen Opfern, und der islamistische Gottesstaat, der dem Paradies nahe kommen möchte, ist eine menschliche Katastrophe. Der Sehnsuchtsort stellt sich gegen die Ideologie, alles sei machbar oder man könne es verdienen. Er ist nur zu ersehnen.

Wenige Jahrzehnte nach Mohameds Tod lief eine Muslimin namens Rabia durch die Straßen von Basra (im heutigen Irak) mit einem Eimer in der einen Hand und einer Fackel in der anderen. Gefragt, was das bedeute, antwortete sie: „Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer ans Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in Hoffnung aufs Paradies anbete, sondern einzig und allein aus Liebe zu ihm.“

Das Paradies will nicht erkauft werden. Es existiert in uns. Es öffnet den Blick in Weiten und auf Möglichkeiten, die sonst verschwinden, auch den Blick auf Menschlichkeit, Wärme und Liebe. Vielleicht haben Sehnsucht und Liebe die gleiche Quelle. Sie machen uns reicher, wenn wir uns an ihnen orientieren, und damit leben wir schon ein wenig mit dem Paradies.

Eine schöne Ferienzeit!

Joachim Hoffmann, Schönwalde

Von Joachim Hoffmann, Superintendent i. R. aus Schönwalde-Glien

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