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Lebensader für den Osten

Haus der Flüsse in Havelberg Lebensader für den Osten

Im Haus der Flüsse in Havelberg lernen Buga-Besucher alles über die Renaturierung der Havel, bedrohte Tierarten oder die Schaffung von Überflutungsflächen. Gewässermodelle veranschaulichen, Froschkonzerte lassen den Besucher in die Welt der Tiere eintauchen. Die Ausstellung ist ein bunter Ort, um die Natur kennenzulernen und besser zu verstehen.

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Gabriela Lenz präsentiert ein Gewässermodell.

Quelle: Melanie Höhn

Havelberg. Die mehr als 1.100 bedrohten Tierarten der Havel haben dank des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) wieder eine Chance: 2005 wurde der Startschuss für das größte europäische Renaturierungsprojekt eines Flusses gegeben. Unter anderem darüber informiert das Haus der Flüsse am Buga-Standort Havelberg, eine Dauerausstellung zum Biosphärenreservat Mittelelbe, das Flächen der Länder Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein einschließt. Die Elbe, einer der letzten naturnahen Ströme Deutschlands, steht dabei zusammen mit der Havel und ihren Nebenflüssen im Vordergrund.

Renaturierung der Havel

Die Untere Havel ist das ökologisch bedeutsamste und größte zusammenhängende Feuchtgebiet im Binnenland des westlichen Mitteleuropas, heißt es vom Nabu. Einst war die Havel ein ursprünglicher Fluss: Sie floss durch große Niederungs- und Moorgebiete und bildete im Unterlauf ein großflächiges Binnendelta. Doch der über lange Strecken verzweigte Flussverlauf wurde Ende des 19. Jahrhunderts reguliert. Durch den Ausbau des Flusses zur Wasserstraße und durch große Entwässerungen in den Auen hat die Untere Havelniederung, deren Fläche den Naturpark Westhavelland und das Biosphärenreservat Mittelelbe in Teilen einschließt, erheblich gelitten.

Renaturierung der Havel

Die Untere Havel ist das ökologisch bedeutsamste und größte zusammenhängende Feuchtgebiet im Binnenland des westlichen Mitteleuropas, heißt es vom Nabu. Einst war die Havel ein ursprünglicher Fluss: Sie floss durch große Niederungs- und Moorgebiete und bildete im Unterlauf ein großflächiges Binnendelta. Doch der über lange Strecken verzweigte Flussverlauf wurde Ende des 19. Jahrhunderts reguliert. Durch den Ausbau des Flusses zur Wasserstraße und durch große Entwässerungen in den Auen hat die Untere Havelniederung, deren Fläche den Naturpark Westhavelland und das Biosphärenreservat Mittelelbe in Teilen einschließt, erheblich gelitten. Der Flusslauf wurde begradigt, Deiche und Staustufen gebaut, Kanäle und Entwässerungsgräben angelegt. So verlor der Fluss einige seiner natürlichen Elemente, so dass viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Um die Havel zu renaturieren, werden nun alte Flussarme und Flutrinnen wieder angeschlossen, Uferbefestigungen zurückgebaut, Fischaufstiegshilfen angelegt und Sandufer von Steinen befreit. Mit artenreichen Uferwäldern, Schilfdickichten, Mooren, weitläufigen Wiesen und klarem Wasser soll der Fluss mit der Zeit wieder naturnäher aussehen und so die Lebensbedingungen für die bedrohten Tierarten verbessert werden.

Der Flusslauf wurde begradigt, Deiche und Staustufen gebaut, Kanäle und Entwässerungsgräben angelegt. So verlor der Fluss einige seiner natürlichen Elemente, so dass viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Um die Havel zu renaturieren, werden nun alte Flussarme und Flutrinnen wieder angeschlossen, Uferbefestigungen zurückgebaut, Fischaufstiegshilfen angelegt und Sandufer von Steinen befreit. Mit artenreichen Uferwäldern, Schilfdickichten, Mooren, weitläufigen Wiesen und klarem Wasser soll der Fluss mit der Zeit wieder naturnäher aussehen und so die Lebensbedingungen für die bedrohten Tierarten verbessert werden.

Das Warten hat sich gelohnt

Eigentlich sollte die Ausstellung über das Biosphärenreservat Mittelelbe zusammen mit der Buga eröffnet werden, doch Probleme aufgrund von Altlasten im Boden verhinderten dies. Nun stehen die Türen seit dem 13. Juli offen, das Haus der Flüsse wird auch nach der Buga erhalten bleiben. Das Warten hat sich gelohnt: Neben den Informationen über die Renaturierung lernt der Besucher beispielsweise bei Froschkonzerten den Klang von Kreuzkröten und Rotbauchunken zu unterscheiden, auch hautnahe Begegnungen mit den Flusslandschaften im Multimediabereich sind möglich. Eindrucksvolle Bilder der Flusslandschaften runden das Erlebnis ab. Für Schulklassen ermöglicht die Ausstellung Naturkunde zum Anfassen, das Freigelände bietet auch Umweltbildungsstationen. Auf einem Touchscreen-Bildschirm können Daten über Biosphärenreservate weltweit eingesehen werden.

Das Haus der Flüsse ist bunter und pädagogischer Ort

Ein raumhoher Treibholzhaufen zeigt den Besuchern, was nach einem Hochwasser von Elbe und Havel in Blumentöpfen oder Büschen hängen bleibt. „Manchmal entstehen da kleine Kunstwerke,“ sagt Gabriela Ecke, Mitarbeiterin des Biosphärenreservats. Da finden sich von Bibern abgenagte Stöckchen, alte Reifen und Plastikflaschen oder das Tau eines Schiffes. Beim Blick nach oben erspäht man in dem ungewöhnlichen Ausstellungsgebäude lebensgroße Modelle des Seeadlers, Weißstorches oder der Krickente. Das Highlight der Natur- und Landschaftspflegerin Ecke: Der Nachtgang, bei dem anhand einer leuchtenden Uhr dargestellt wird, wann Tiere wie der Rotfuchs, der Wachtelkönig oder die Rauhautfledermaus nachtaktiv sind. Und man erfährt, wie unterschiedlich Mensch, Fledermaus und Fuchs die Welt sehen, wenn es dunkel ist.

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Im Haus der Flüsse lernen Buga-Besucher alles über die Renaturierung der Havel, bedrohte Tierarten oder die Schaffung von Überflutungsflächen. Gewässermodelle veranschaulichen Hoch- und Niedrigwasser, Froschkonzerte lassen den Besucher in die Welt der Tiere eintauchen. Die Ausstellung ist ein bunter Ort, um die Natur kennenzulernen und besser zu verstehen.

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Das Haus der Flüsse ein ist bunter und pädagogischer Ort, um die Natur kennenzulernen und besser zu verstehen, einige Schulklassen haben in der kurzen Zeit dort sogar schon Projekttage ausgetragen. Auf dem Programm stehen dann zum Beispiel Vorträge über die Lebensweise des Alphatieres Wolf oder das grüne Klassenzimmer.

Komplexe Gewässermodelle simulieren Hoch- und Niedrigwasser

Aber die multimediale Ausstellung ist nicht nur für Kinder spannend: Komplexe Gewässermodelle und Landkarten veranschaulichen, wo genau Hochwasser im Elbegebiet mit niedriger, mittlerer oder hoher Wahrscheinlichkeit entsteht. Dabei erfährt man zum Beispiel, dass bestimmte landwirtschaftliche Felder im Ernstfall geflutet werden können, um den Fluss auszubreiten. Die bis heute umfangreichste Deichrückverlegung Deutschlands ist im brandenburgischen Lenzen durchgeführt worden: Dort wurden über 400 Hektar neue Überflutungsfläche geschaffen und eine kritischen Deichstelle entschärft.

Andere Modelle der Ausstellung erklären, warum Flüsse nicht begradigt werden oder welche Stationen mit einem Schiff entlang der Elbe angesteuert werden können. Auch Wissenstests im Stile von Günther Jauch sind möglich. Einige Filme zeigen die Reise der Zugvögel, zum Beispiel des Seeadlers, in den Süden. Außergewöhnlich: Eine inszenierte Talkshow mit Hilfe von Puppen über den Sinn von Naturschutz lässt den Besucher tief in das Thema eintauchen.

Die Folgen des Klimawandels bewältigen

„Diese Ausstellung ist wirklich eine Bereicherung für Havelberg, Die Buga ist unser Zugpferd,“ sagt Gabriela Ecke. „Der Blick ist unbezahlbar“, bemerkt sie, als sie im oberen Stock des Hauses steht und auf die Havel blickt. Carlo Jaeger, Professor am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK), betont, wie wichtig es ist, Naturlebensräume zu erhalten: „Es muss Orte geben, an denen Trends gesetzt werden, nur so können wir die Folgen des Klimawandels bewältigen. Das weltweite Netz der Biosphärenreservate kann diese Orte schaffen.“

Von Melanie Höhn

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