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Lehrer begeben sich auf LSD-Trip

Drogenprävention in der Schule Lehrer begeben sich auf LSD-Trip

Drogen sind längst kein Problem mehr, dass man getrost den großen Städten zu ordnen kann. Auch in Rathenow haben zahlreiche Jugendliche Erfahrungen mit LSD, Ecstasy, Haschisch und Co, weiß Notfallsanitäter Rayk Sommer. Wie die verschiedenen Rauschmittel wirken und woran man erkennt, ob jemand high ist, erklärte er jüngst Rathenower Lehrern.

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Rayk Sommer erklärt Lehrern der Bürgelschule die Auswirkung verschiedener Drogen.

Quelle: Christin Schmidt

Rathenow. „Ich möchte mit Ihnen einen kleinen Drogentrip unternehmen.“ Mit diesen Worte begrüßte Rayk Sommer zu Beginn des neuen Schuljahres Lehrer der Rathenower Bürgelschule zur einer Weiterbildung der besonderen Art. Sommer ist Ausbildungsleiter für den Rettungsdienst im Landkreis Havelland und Experte in Sachen Drogenkonsum und dessen Folgen. Seit mehr als zehn Jahren reist er als Sanitäter zu verschiedenen Festivals. Er hat Menschen gesehen, für die der Rausch zum Horrortrip wurde, der Körper von Krämpfen geschüttelt, die Augen verdreht, bewusstlos und völlig hilflos; junge Frauen, die im Drogenrausch Opfer sexueller Gewalt wurden, Jugendliche, die sich zugedröhnt hemmungslos Gefahren für Leib und Leben aussetzten und das Abenteuer mit dem Tod bezahlten.

Sommer erzählt all das ohne erhobenen Zeigefinger. Er will nicht belehren, sondern aufklären. Das macht er an der Bürgelschule seit mehreren Jahren. Auch die Schüler kennen den Familienvater, der mit seiner jugendlichen und unterhaltsamen Art schnell die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer gewinnt. Einmal im Jahr kommt er am Tag der Naturwissenschaften, um mit den Jungen und Mädchen über LSD-Trips, Speed und Kokain, Liquid-Ecstasy und Modedrogen und zu sprechen. Nicht von oben herab sondern auf einer Ebene mit den Schülern, um ihnen klar zu machen, was mit ihnen passiert, wenn sie die kleine bunte Pille schlucken oder das weiße Pulver durch die Nase ziehen. „Es geht nicht darum, Sachen zu verteufeln oder sie zu verbieten. Man muss zeigen, dass nicht der Moment entscheidend ist, sondern das, was danach kommt.“

Bis zu zwölf Stunden dauert ein Trip

Immer häufiger habe er in seiner Arbeit mit Drogenmissbrauch zu tun. Warum das so ist? Zum einen sind Drogen schon für wenig Geld zu haben – für ein alkoholisches Getränk zahlt man in der Disco sechs bis sieben Euro, ein Gramm Amphetamine bekommt man für zehn Euro. Damit kommen zwei Personen einen ganzen Abend aus, so Sommer. Hinzu kommt, Drogen sind sehr leicht zu beschaffen. Das alte Bild vom Dealer am Bahnhof Zoo ist längst überholt. „Heute wird vor der Haustür gehandelt, jeder kennt jemanden, der jemanden kennt“, sagt Sommer. Und: Zutaten und sogar Rezepte gibt es zuhauf im Internet. Nicht zuletzt spiele auch die geringe Polizeipräsenz eine Rolle.

Sommer konfrontierte seine Zuhörer mit Fakten, reellen Bildern und Videos, die eindrucksvoll illustrierten, wie der menschliche Körper auf Rauschmittel reagiert. Wie sieht jemand aus, der auf einem LSD-Trip ist, wie verhalten sich die typischen „Kiffer“ und bei welchen äußeren Anzeichen sollte man genauer Hinsehen. Große Pupillen, schneller Herzschlag, Appetitlosigkeit, Selbstüberschätzung, schnelles Schwitzen und Aggressivität sprechen für den Konsum von aufputschenden Mitteln. Zwanghaftes Verhalten und Spastiken wie merkwürdiges Spielen mit der Zunge sind häufig die Folge von Ecstasy.

Der Rausch gehört für viele auf Festivals und auch in der Disco dazu

Der Rausch gehört für viele auf Festivals und auch in der Disco dazu.

Quelle: Christin Schmidt

Wie sich ein Trip anfühlt, das durften die Pädagogen beispielhaft nachempfinden. Zu rhythmischem Bassgewummer starrten sie etwa eine Minute auf ein bewegtes psychedelisches Bild, um dann auf Sommers Kommando einen Punkt im Raum zu fixieren. Plötzlich verformten sich Gesichter, mal in die Länge, mal in die Breite verzerrt, ein visuelles Abenteuer. So ähnlich sieht die Welt aus, wenn man im LSD-Rausch ist, und der kann bis zu zwölf Stunden dauern. Besonders heftig wird es, wenn verschiedene Substanzen eingenommen werden. Vor allem Jugendliche, die ihre ersten Erfahrungen mit Rauschmitteln machen, neigen dazu, vieles auf einmal auszuprobieren. Mischen sich im Körper die Substanzen wird es für Notfallsanitäter wie Sommer besonders schwer zu helfen. „Viele denken, wir geben ihnen eine Spritze und alles ist gut, aber das ist nicht möglich“, betont Sommer. Ginge es nach ihm, würde er auch in anderen Schulen Aufklärungsarbeit leisten.

Drogen und ihre Folgen

Seit 2013 steigt die Zahl der Drogentoten in Deutschland wieder an. 2014 starben laut Sommer 3471 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums.

Zugenommen hat unter anderem die Verbreitung von Crystal Meth, eine Droge die stark abhängig macht mit fatalen Folgen für die Gesundheit. Auch im Havelland wird Crystal Meth konsumiert.

Auch der Konsum von Amphetaminen und neuen psychoaktiven Substanzen stieg zuletzt an.

 

Von Christin Schmidt

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