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Leserast im Grafenstall steht vor dem Aus

Antiquarische Büchersammlung in Görne Leserast im Grafenstall steht vor dem Aus

Im Sommer 2009 wurde die Leserast im Görner Grafenstall eröffnet. Nach dem Tod von Werner Bader, dem Initiator der antiquarischen Bibliothek, ist die Zukunft der Einrichtung mit mehr als 12000 Büchern ungewiss. Inzwischen steht die Einrichtung wohl vor dem Aus.

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Ingrid Bargel sorgt sich um die Zukunft der Leserast.

Quelle: M. Kniebeler

Görne. Da sitzt sie, umgeben von rund 12000 Büchern, und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Dabei hat Ingrid Bargel die Leserast im Görner Grafenstall damals mit aufgebaut in der Hoffnung, etwas zu schaffen für nachfolgende Generationen. Bildung für alle, kultureller Austausch, Erweiterung des Horizonts – ehrenwerte Ziele, aus denen wohl nichts wird. Seit dem Tod von Werner Bader, dem Vorsitzenden des Kulturfördervereins Mark Brandenburg und Spiritus Rector aller Görner Kulturprojekte, ist die Zukunft der Leserast ungewisser denn je. Der Grafenstall, in dem die antiquarischen Bücher untergebracht sind, wird dem Förderverein wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse nicht mehr ewig zur Verfügung stehen. Und einen Ort für eine Bibliothek mit mindestens 12000 Bänden und hunderten anderen Medien zu finden, ist für einen Verein mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten ein Ding der Unmöglichkeit.

Noch stemmt sich Ingrid Bargel mit aller Kraft gegen die Beerdigung eines Lebenswerks. Öffnet den Stall hin und wieder, um Bücher zu einem Freundschaftspreis an Interessierte zu verkaufen, damit aus dem geplatzten Traum wenigstens ein paar Euro für die Kulturarbeit des Vereins herausspringen. Aber am Ende wird man die Sammlung wohl einer gemeinnützigen Organisation überlassen. Geld wird es dann keines geben, aber wenigstens der Abtransport wäre gesichert.

Weil Regale fehlen, befindet sich ein Teil der Sammlung immer noch in Kartons

Weil Regale fehlen, befindet sich ein Teil der Sammlung immer noch in Kartons.

Quelle: M. Kniebeler

Bargels Wunsch wäre es, wenn der Bestand komplett übernommen und an einem anderen Ort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würde. So, wie es ihr, so wie es Werner Baders Wunsch war, als die Leserast vor sechs Jahren eröffnet wurde. Damals war die Euphorie riesengroß. Bader hatte seine eigene umfangreichen Bibliothek in das Leserast-Projekt eingebracht und um private Sammlungen und unzählige Bücherspenden ergänzt. Zusammen mit Ingrid Bargel wollte er den Grafenstall zu einem Hort der Bildung und des intellektuellen Austauschs machen. Und das ließ sich gut an. Zwar waren es nicht die Massen, die zu Lesungen und Ausstellungseröffnungen strömten und durch die Regale stöberten. Aber immerhin fanden Menschen überhaupt den weiten Weg hinaus nach Görne.

Wer sich heute die Zeit nimmt, sich in der Scheune umzusehen, die seit dem Tod Baders geschlossen ist, der kommt aus dem Staunen über das Ausmaß der Sammlung nicht heraus. Mehrbändige Enzyklopädien, seltenen Kunstbände, historische Nachschlagewerke – alles vorhanden. Neben Trivialromanen von Danella und Konsalik steht eine kritische Ausgabe der Werke von Marx und Engels; es gibt Kochbücher, Reisebücher, Gartenbücher; man findet Biographien und Religiöses; zwei Regale stehen voller Kinderbücher, auch Briefmarkensammler, Eisenbahnfreunde oder Aquarianer finden etwas zu ihrem Hobby; wer wühlt, dem kann es passieren, dass er plötzlich „Mann und Frau intim“ in der einen und „Heute wolln wir lustig sein“ in der anderen Hand hält. Komplette Jahrgänge der Zeitschriften „Spiegel“, „Merian“ und „Geo“ liegen in Kartons verpackt unter den Büchertischen. Wie überhaupt ein Großteil der Sammlung den Weg von der Kiste ins Regal noch gar nicht geschafft hat. Die Leserast war bis zu ihrem Ende ein Projekt in Arbeit.

Marx und Engels haben es ins Regal geschafft

Marx und Engels haben es ins Regal geschafft.

Quelle: M. Kniebeler

Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass diese Vielfalt in Gänze erhalten bleibt, auch wenn es Ingrid Bargel einen Herzensstich versetzt, sich von dem Leserast-Traum verabschieden zu müssen, völlig düster ist es um das geistige Erbe Baders nicht bestellt. Der von ihm ins Leben gerufene Kulturförderverein Mark Brandenburg wird fortbestehen und – in abgespeckter Form – Lesungen, Ausstellungen, Literaturgespräche veranstalten. Und auch die Frage des Vereinssitzes ist geklärt: Im Kulturhaus in der Pemnitzer Fabrikenstraße hat der Verein seit einiger Zeit einen Raum gemietet, von dem er seine Aktivitäten steuern will. „Wir sind auf einem guten Weg, zumindest einige Dinge, die Werner Bader angestoßen hat, weiterzuführen“, sagt Michael Schönberg, Vorsitzender des Vereins. So werde es immerhin gelingen, die 800 Bände starke Bibliothek märkischer Dichter mit nach Premnitz zu nehmen und in den Vereinsräumen zu präsentieren. Auch Ingrid Bargel will sich weiter in die Vereinsarbeit einbringen. „Die Leserast war ein tolles Projekt“, sagt sie. „Aber es hat auch viel Kraft gekostet“. Diese Kraft stehe ihr nun für die Verwirklichung anderer Pläne zur Verfügung.

Leserast im Grafenstall

Die Leserast im Grafenstall wurde im Sommer 2009 auf Initiative des Journalisten und Buchautors Werner Bader eröffnet. Den großen Stall hinter seinem Wohnhaus stellte Bader für das Projekt zur Verfügung.

Den Kern der antiquarischen Bibliothek mit weit über 12000 Bänden stammt von Bader selbst. Hinzu kamen private Sammlungen und viele Spenden. Neben Büchern gibt es Schallplatten, Zeitschriften, Kunstkataloge, Wanderkarten und etliches mehr.

Nach dem Tod Baders im vergangenen Jahr musste die Bibliothelk wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse schließen. Hin und wieder öffnet Ingrid Bargel die Leserast, um Interessenten zum Bücherkauf zu animieren. Der Erlös kommt dem Kulturförderverein Mark Brandenburg zugute.

Wer Interesse hat oder mehr erfahren will über den Verein oder den Grafenstall, der wende sich per Mail an vorstand@kulturfoerderverein-mark-brandenburg.de.

Von Markus Kniebeler

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