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Havelland Lesung über eine besondere Männerliebe
Lokales Havelland Lesung über eine besondere Männerliebe
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00:19 04.10.2017
Lutz van Dijk mit einem seiner Bücher. Quelle: Hans-Peter Theurich
Falkensee

„So wie Du nach Mädchen schaust, schaue ich nach Jungen“, damit bekannte sich Stefan K. zu seiner Homosexualität in einem Gespräch mit seinem Bruder. Über die Geschichte von Stefan K. und Willi G. hat Lutz van Dijk den Jugendroman „Verdammt starke Liebe“ geschrieben. Freitagabend las er daraus im Falkenseer Regenbogen-Café an der Bahnhofstraße 80. Die kleine Schar der Besucher begrüßte der Deutsch-Holländer einzeln.

Der promovierte Pädagoge und Autor hat eine ganze Reihe Bücher über Außenseiter geschrieben. Die wahre Geschichte des Polen Stefan K. geht unter die Haut. 1991 erschienen und 2005 überarbeitet, gehört sie mittlerweile zur Schullektüre in Deutschland. Wie gebannt hörte das Publikum zu. Der junge Pole Stefan K. arbeitet als Statist beim Theater, als er 16-jährig den deutschen Wehrmachtssoldaten Willi G. kennenlernt. Ihre Leidenschaft für einander ist gefährlich: Paragraf 175 bestraft schwule Liebe mit zehn Jahren Zuchthaus. Als nach einem halben Jahr des heimlichen Glücks Willi G. an die Ostfront abkommandiert wird, schreibt Stefan K. ihm einen Brief. Der gerät in die Hände der Gestapo. Stefan K. wird im September 1942 verhaftet. Damit beginnt der Leidensweg des jungen Polen. Das KZ Stutthoff mit Folter und Erniedrigungen überlebt er knapp. Kurz vor Kriegsende gelingt ihm die Flucht von der Gefängnisinsel Hahnöfersand bei Hamburg. Seinen Freund sah er nie wieder. Stefan K. verlor nicht nur seine große Liebe, sondern auch seine Gesundheit durch die Misshandlungen. Lange hatte er später kaum genug Geld, um die notwendigen medizinischen Behandlungen in Polen zu bezahlen.

Das änderte sich mit dem Buch von Lutz van Dijk. Stefan K. ging sogar auf Lesereise in die USA. Mit Lutz von Dijk verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Stefan K. starb am 4. November 2003, exakt 62 Jahre, nachdem er die Liebe seines Lebens getroffen hatte.

Das alles erzählte der Autor Lutz van Dijk sehr anschaulich. Ein paar Briefe von Stefan K. an ihn las er vor. So wirkte die tragische Geschichte farbig und lebendig. Immer wieder berichtete der Schriftsteller über den wahren Stefan K. Der wollte Zeit seines Lebens hinter dem Pseudonym verborgen bleiben. Schließlich ist Polen heute alles andere als ein liberales Land.

Das spürt auch Lutz van Dijk gerade. Nach 25 Jahren wurde die Geschichte jetzt ins Polnische übersetzt. Nächsten Dienstag soll das Buch im Goethe-Institut in Krakau vorgestellt werden. Die Rechten haben bereits angekündigt, dass sie diese Art der Literatur in Polen überflüssig finden.

Die bei Nauen lebende Ilona Bubeck arbeitet ehrenamtlich im Regenbogen-Café. Sie ist Verlegerin des Querverlags, in dem die zweite Fassung von „Verdammt starke Liebe“ erschienen ist. Sie hatte Lutz van Dijk nach Falkensee eingeladen.

Von Judith Meisner

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