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Letzter Fischladen im Ort macht dicht

Ketzin/Havel Letzter Fischladen im Ort macht dicht

„Gittis Fischstube“ ist geschlossen. 25 Jahre hatte Brigitte Behrend den Laden geführt, jetzt geht sie in Rente. Damit verliert die Havelstadt Ketzin das letzte Fischgeschäft.

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Brigitte Behrend vor ihrer „Fischstube“, die sie seit 1992 geführt und jetzt für immer geschlossen hat.
 

Quelle: Jens Wegener

Ketzin/Havel.  Ein Meer von Blumen und Dankeskarten musste Brigitte Behrend an ihrem letzten Arbeitstag mit nach Hause nehmen. „Es war ein einziges Geheule. Fast jeder Kunde hatte Tränen in den Augen“, erzählt die 60-Jährige, die alle nur als „Gitti“ kennen. „Gitti war eine Institution in Ketzin, es war nicht nur ein Laden, das war ein Treffpunkt“, sagt Wolfgang Piaschelik. Mit seiner Frau Bärbel gehörte der Ketziner zu den Stammgästen in „Gittis Fischstube“ in der Albrechtstraße. Jetzt ist Schluss, Brigitte Behrend geht nach 25 Jahren hinter dem Fischtresen und der Kasse aus gesundheitlichen Gründen in Rente.

Die Havelstadt Ketzin verliert damit den letzten Fischladen. „Das ist sehr schade“, meint Bürgermeister Bernd Lück, der bei Gitti nicht nur Fisch sondern sehr oft frisches Gemüse und Obst gekauft hat: „Besonders der selbst gezogene Dill war für das Einlegen von Gewürzgurken unvergleichbar“, so Lück. Er bedauert, wie Brigitte Behrend selbst, dass sich kein Nachfolger für den Fischladen gefunden hat. Die etwa 50 Quadratmeter werden umgebaut und künftig als Büroräume von einer Firma genutzt.

Wenn Brigitte Behrend heute auf ihre Anfangszeit als Verkäuferin und Ladeninhaberin zurückblickt, gesteht sie: „Ich musste mich daran gewöhnen, auf die Kunden zuzugehen, auf ihre Wünsche einzugehen. Nach dieser Gewöhnungsphase aber hat es prima funktioniert.“

Zu dem Fischgeschäft in der Albrechtstraße sei sie gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde. Als gelernte Kfz-Schlosserin bei der Bahn kümmerte sich Brigitte Behrend früher um Fahrzeuge und Technik. Nach dem beruflich bedingten Umzug von Ketzin nach Potsdam zog sie relativ zeitig auf Anraten der Ärzte den Schlussstrich: „Die Arbeit war körperlich zu anstrengend. Meine Knochen waren angegriffen. Also musste ich mir etwas Neues suchen.“ Per Zufall entdeckte sie die Anzeige, dass Fischladeninhaber Gerhard Beuchler aufhören wollte und schlug zu.

„Gittis Fischstube“ ging 1992 an den Start, damals bekam sie Hilfe nicht nur von ihrem Mann Hartmut sondern täglich auch von ihrer Schwester Edeltraud Haupt. Später war sie Alleinkämpferin. Schnell wurde entschieden, in dem Laden auch Obst und Gemüse anzubieten, was sich später als richtig erwies. Die Ware kam von Werderfrucht oder aus dem eigenen Garten, während die Fische zum größten Teil aus Peitz angeliefert wurden. Die Räucherware bezog sie von der Firma Barlu aus dem Raum Berlin. „Es gab in all den Jahren nie Beschwerden von Kunden“, sagt Gitti. „Alles war immer frisch und wurde von einem auf den anderen Tag geliefert.“

Lebendfische, ob Hecht, Karpfen, Zander oder Aal, schwammen bis zu ihrem Kauf in zwei großen Becken im Laden. „Die Forellen sind oft rausgesprungen, wenn ich die Abdeckung nicht drauf gelegt hatte“, erinnert sich Brigitte Behrend.

Nach und nach nahm sie einige Lebensmittel wie Milch, andere Getränke und Süßigkeiten ins Sortiment mit auf – sie führte quasi einen Tante-Emma-Laden mit Fisch. An kleinen Stehtischen konnten die Kunden Fischbrötchen essen, dazu etwas Trinken und einen Plausch abhalten.

Jetzt wollen Brigitte Behrend und ihr Mann Hartmut das Rentnerleben genießen, wollen einiges nachholen, was ihnen in den letzten 25 Jahren verwehrt blieb, wie das Reisen: „Wir haben einmal für zwei Wochen Urlaub gemacht, weil wir unsere Silberhochzeit gefeiert haben. Ansonsten ging immer der Laden vor. Das wird sich ändern“, verspricht Gitti.

Die Ketziner werden sich auf der Suche nach frischem Fisch jetzt mit dem lediglich mittwochs kommenden Wagen von Fischer Schröder aus Plaue abfinden müssen.

Von Jens Wegener

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