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Luftig, bunt und vollgestellt

Falkensees Bahnhöfe Luftig, bunt und vollgestellt

Auf der Suche nach einem geeigneten Stellplatz für seinen Drahtesel ist manch Falkenseer Radler am „Hauptbahnhof“ der Gartenstadt oftmals der Verzweiflung ganz nah. Die MAZ hat sich im Rahmen der Serie „Zuhause in...“ an den Falkenseer Bahnhöfen umgeschaut.

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Am Bahnhof Falkensee einen Stellplatz für seinen Drahtesel zu bekommen, ist reine Glückssache.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Gerade noch hallt ein helles Klingeln durch den langen Fußgängertunnel am Bahnhof Falkensee und schon biegt einer der vielen Radler um die Ecke, die die Unterführung täglich durchfahren. Sogleich nimmt er die überdachten Stellplätze in Augenschein, doch die Suche nach einem geeigneten Plätzchen für seinen Drahtesel gestaltet sich schwierig – Alltag am größten der drei Falkenseer Bahnhöfe.

Die Falkenseer stellen ihre Drahtesel ab, wo es nur geht

Die Falkenseer stellen ihre Drahtesel ab, wo es nur geht.

Quelle: Laura Sander

„Ganz früh oder ganz spät geht es, dazwischen habe ich regelmäßig Probleme mein Fahrrad irgendwo anzuschließen“, sagt Pendler Michael Werner. Der Falkenseer fährt täglich mit der Bahn zur Arbeit nach Berlin oder zum Studieren nach Brandenburg an der Havel. „Es ist teilweise wirklich ein Kampf. Mehr Unterstellmöglichkeiten wären schon toll, aber wohin nur damit“, fragt sich der 26-Jährige.

Und auch den Autofahrern geht es nicht anders. „Wenn ich mal mit der Bahn fahre, stelle ich mein Auto in der Nähe des Bahnhofs ab, da es keine direkte Verbindung zu mir nach Hause gibt“, so Gabriele Schilling, die auf einem der Kurzzeitparkplätze hält. „Heute hole ich nur eine Freundin ab und kurz hier stehen, ist kein Problem. Auf dem Park&Ride-Parkplatz an der Scharenbergstraße kurve ich allerdings regelmäßig herum“, sagt die 66-Jährige. Diese Probleme kennt der ehemalige Berufspendler Michael Hauke nicht. „Ich wohne in unmittelbarer Nähe und gehe ganz einfach zu Fuß. Früher bin ich täglich mit der Bahn nach Berlin gefahren, heute noch etwa zwei Mal die Woche“, so der Falkenseer. „Mit dem letzten Winterfahrplan haben sich die Abfahrtzeiten jedoch so verändert, dass alle Züge kurz hintereinander kommen und eine halbe Stunde lang gar keine Bahn in Richtung Spandau abfährt. Zu Terminen kommt man also entweder zu früh oder zu spät“, so Michael Hauke.

Als einziger Haltepunkt zwischen Berlin und Nauen wurde der Falkenseer „Hauptbahnhof“, damals noch Bahnhof Seegefeld, 1846 ans Netz genommen. Rund zwei Jahre hatte der Bahnbau gedauert. Besonders Ausflügler aus Berlin nutzen fortan die Verbindung, um dem städtischen Alltag zu entfliehen. Und auch am heutigen Bahnhof Finkenkrug hielten ab 1850 bereits erste Züge – zumindest am Wochenende und in der Anfangszeit noch mitten im Wald. Ab 1890 gab es bereits einen Halbstundentakt an beiden Haltepunkten.

Luftig geht es am Finkenkruger Bahnhof zu, nachdem die pompösen Wartehäuschen 1994 abgerissen wurden

Luftig geht es am Finkenkruger Bahnhof zu, nachdem die pompösen Wartehäuschen 1994 abgerissen wurden.

Quelle: Laura Sander

Am Finkenkruger Bahnhof sei man heute wieder auf diesem Stand, bemängelt Andrea Ledin. „Mein Mann ist Pendler und ich nutze die Verbindung nach Berlin ebenfalls häufig. Als wir hergezogen sind, fuhr die Bahn vier Mal in der Stunde – jetzt sind es noch genau zwei Verbindungen“, so die Finkenkrugerin, die aufgrund der unzureichenden Anbindung ihres Stadtteils häufig den weiteren Weg zum Bahnhof Falkensee in Kauf nimmt. „Ich wünsche mir auf jeden Fall eine S-Bahn für Falkensee. Lieber eine S-Bahn in einem vernünftigen Takt, als ein Regionalzug, der nicht kommt“, so Andrea Ledin. Probleme, ihr Auto oder ihr Fahrrad abzustellen, hätte sie, ganz im Gegensatz zum zentralen Bahnhof Falkensee, in Finkenkrug noch nie gehabt, wo es ohne Überdachung allerdings sehr luftig zugeht. Der Abriss der pompösen Wartehäuschen nach der Wende zog den Unmut vieler Bahnfahrer auf sich. Die neue Technik erforderte eine kreuzungsfreie Streckenführung, Tunnelbauten für Autofahrer und Fußgänger wurden errichtet, die überdachten Bahnhöfe abgerissen. Und auch der jüngste der drei Falkenseer Haltepunkte, der Bahnhof Seegefeld, wurde mit dem Bau des Herlitz-Werkes Anfang der 1990er-Jahre völlig neu gestaltet.

S-Bahn für Falkensee

1951 wurde der S-Bahnverkehr zwischen Falkensee und Spandau hergestellt, um ihn zehn Jahre später mit dem Mauerbau wieder einzustellen.

Auch heute wünschen sich einige Falkenseer die S-Bahn zurück und können hoffen. Vor einigen Monaten stellte S-Bahn-Chef Peter Buchner das Konzept für eine neue Express-S-Bahn vor.

Die Bahn soll mit Halt in Nauen, Brieselang, Finkenkrug, Falkensee und Albrechtshof alle 20 Minuten bis Spandau fahren und ab da einige Stationen auslassen.

Heute ist der letzte Halt vor der Berliner Stadtgrenze der wohl bunteste aller Falkenseer Bahnhöfe. Schriftzüge in jeder erdenklichen Farbe, großflächige Buchstabenkombinationen, Liebeserklärungen und einige Comic-Figuren zieren Wände und Treppen.

Kunst oder Schmiererei – Graffiti am Bahnhof Seegefeld

Kunst oder Schmiererei – Graffiti am Bahnhof Seegefeld.

Quelle: Laura Sander

„Mir persönlich gefällt das nicht so gut“, sagt der 18-jährige Andreas Winkler aus Leipzig, der auf einer der nicht ganz rostfreien Bänke geduldig auf seine Verbindung nach Spandau wartet. Cornelia Schulz beendet derweil ihre Reise am Bahnhof Seegefeld. „Ich komme vom Ostbahnhof. Jedes Wochenende fahre ich mit dem Zug nach Falkensee zu meinem Wochenendgrundstück“, so die Berlinerin. „Ich kann durchfahren – die Verbindung ist toll. Froh bin ich darüber, dass der Fahrstuhl endlich wieder funktioniert, der ist immer wieder kaputt ist - zuletzt war er eine ganze Weile außer Betrieb“, so die 63-Jährige, die ihren Weg zu Fuß fortsetzt. „Die Bushaltestelle ist ein ganz schönes Stück entfernt und eh der Bus überhaupt kommt, bin ich schon längst gelaufen.“

Von Laura Sander

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