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Kreuzfahrtschiff macht Station in Rathenow

Luxusliner im Revier Kreuzfahrtschiff macht Station in Rathenow

In diesen Tagen war auf der Unteren Havel ein Spektakel zu beobachten: Wenn das Flusskreuzfahrtschiff Johannes Brahms um die Ecke biegt, dann halten Passanten schon mal den Atem an. Der Luxusliner ist mit über 80 Metern Länge ein Hingucker. Und wird von seinem Kapitän auf den Millimeter genau durch Fluss und Schleusen manövriert.

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Kapitän J.W. Visser auf seinem Schiff, das am Donnerstag am Rathenower Havelweg vor Anker lag.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Stellen Sie sich vor, Sie müssten ihr Auto vorwärts in eine Parklücke fahren, mit nur zwei Zentimetern Luft an jeder Seite. Wahrscheinlich würden Sie es gar nicht erst versuchen. Jolle Wietse Visser ist da aus anderem Holz geschnitzt. 82 Meter lang ist das Flusskreuzfahrtschiff Johannes Brahms, das derzeit auf der Havel unterwegs ist. Und Visser ist der Kapitän. Interessanter als die Länge ist die Breite des Schiffes: 9,50 Meter. Interessant, weil die Rathenower Hauptschleuse 9,54 Meter breit ist. Das heißt, Visser muss den Pott auf den Millimeter genau in die Lücke bugsieren. Das hat er am Donnerstagmittag bravourös gemacht. Ohne einmal anzukratzen. „Alle Achtung“, sagt der MAZ-Reporter. Visser winkt ab. „Das ist mein Job.“

Am Dienstag ist die „Johannes Brahms“ in Magdeburg gestartet. Mit 65 Passagieren an Bord, um die sich die 20-köpfige Besatzung kümmert. Tangermünde und Havelberg waren Stationen auf dem Weg havelaufwärts. Am Freitag ging es von Premnitz, wo das Schiff über Nacht vor Anker lag, weiter nach Werder. Endziel der siebentägigen Reise ist Berlin.

Die „Johannes Brahms“ unmittelbar nach Passage der Rathenower Hauptschleuse

Die „Johannes Brahms“ unmittelbar nach Passage der Rathenower Hauptschleuse.

Quelle: Markus Kniebeler

Für Visser ist es die erste Bekanntschaft mit der Havel. Normalerweise ist er auf der Elbe unterwegs, aber wegen Niedrigwasser ist dort momentan die Schifffahrt eingestellt. Als Alternative nahm die Reederei Dutch Cruise Line die Haveltour ins Programm. „Wunderschöne Strecke“, sagt der erst 28 Jahre alte Kapitän. „Viel Natur, wenig Verkehr, eine sehr entspannte Reise.“ Aber ist es nicht schwierig, eine so großes Schiff durch einen engen, kurvenreichen Fluss zu manövrieren? „Ach, das geht schon“, sagt Visser. „Einfach ab durch die Mitte, dann kann nichts passieren.“

Tatsächlich sind Flusskreuzfahrtschiffe so konstruiert, dass sie derartige Strecken ohne große Probleme meistern können. Der geringe Tiefgang von nur 1,30 Metern und die extrem große Manövrierfähigkeit – das Schiff wird mit einer Art Joystick gesteuert – sorgen dafür, dass die Havel in den Tourenplan aufgenommen werden kann.

Havelfahrt nur mit Sondergenehmigung

Einer Sondergenehmigung bedarf es dennoch. Denn offiziell ist die Untere Havel zwischen Havelberg und Pritzerbe den Sportbootfahrern vorbehalten – sowie kleinen Passagierschiffen bis zu 41 Metern Länge wie dem „MS Sonnenschein“. Wenn Kreuzfahrtschiffe dieser Größenordnung durch wollen, muss das beantragt werden. In der Regel erteilt das Wasser- und Schifffahrtsamt die Genehmigung – weil der Tourismus belebt wird und die Passage aus den oben genannten Gründen unproblematisch ist.

Kapitän Visser, für den als nächstes die Tour von Berlin nach Amsterdam auf dem Programm steht, ist übrigens in diesem Jahr zum ersten Mal als Kreuzfahrer unterwegs. Kapitän ist er zwar, seit er 21 ist. Aber bislang hat er Frachtschiffe auf Rhein und Mosel gesteuert. Von der Technik her sei die Umstellung nicht so groß, sagt der 2-Meter-Schlaks, der in der Nähe von Utrecht lebt. Aber man habe viel mehr mit Menschen zu tun.

Es ist ein bisschen wie im Fernsehen. Der Kapitän ist der Star, vor allem die älteren Damen an Bord – und davon gibt es nicht wenige – sind von dem feschen Mann in der schicken Uniform ganz angetan. Gesellschaftlicher Höhepunkt der Reise ist folglich das „Captain’s Dinner“, bei dem es Visser obliegt, die Gäste, die aus allen möglichen europäischen Ländern kommen, persönlich zu begrüßen. Und so souverän er den Pott durch die Hauptschleuse bugsiert hat, so charmant bewältigt der Holländer diese nicht weniger anspruchsvolle Aufgabe.

Kreuzfahrtschiff mit 4 Sternen

Die Johannes Brahms ist ein 4-Sterne-Fluss-Kreuzfahrtschiff. Das Schiff ist voll klimatisiert und verfügt auf zwei Passagierdecks über 40 jeweils mit Dusche/WC, Fön, Telefon, TV, Minibar, Safe, Klimaanlage und zwei zusammenstellbaren Einzelbetten ausgestatteten Außenkabinen mit großen Panoramafenstern. Auf dem Hauptdeck befindet sich ein Restaurant, auf dem Oberdeck ein Panoramasalon mit Bar. Das Sonnendeck bietet Sonnenschutz und Liegestühle.

Das Schiff wurde 1998 im Auftrag von Hapag-Lloyd Flusskreuzfahrten auf der Peters Werft in Kampen/Niederlande gebaut. Seit 2015 fährt das Schiff für die niederländische Dutch Cruise Linie.

Das Schiff ist 82 Meter lang und 9,50 Meter breit. Um bis zu 84 Passagiere kümmern sich 21 Mitarbeiter an Bord.

 

 

Von Markus Kniebeler

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