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"Hier hat niemand überlebt"

MAZ-Interview mit dem Havelländer Denny Stübling, der im Nepaler Erdbebengebiet hilft "Hier hat niemand überlebt"

Das Erdbeben in Nepal hat viele Menschen erschüttert. Einige von ihnen haben sich aufgemacht in die Erdbebenregion um zu helfen. Einer von ihnen ist Denny Stübling. Er gehört gemeinsam mit seinem Hund Loki zu einer DLRG-Rettungsstaffel. Im MAZ-Interview erzählt er von seinem Einsatz im Erdbebengebiet.

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Denny Stübling (auf dem Foto rechts kniend mit Hund Loki) der in Nepal nach dem Erdbeben half.

Quelle: Privat

Nepal/Havelland. MAZ: Wie kamen Sie zu dem Einsatz in Nepal?

Denny Stübling: Ich bin Mitglied der Hilfsorganisation @fire, die zwei Rettungshunde und sechs Personen nicht einmal 24 Stunden nach dem Beben nach Nepal schickte. Das Land hat über den UN-Mechanismus Insarag recht schnell Hilfe bekommen. Ohne meinen Hund hatte ich auch schon mehrere Auslandseinsätze mit @fire, unter anderem beim Hochwasser in Bosnien.

Wie kann man sich Ihre Arbeit dort vorstellen?

Stübling: Erst einmal war unsere Anreise problematisch, denn das letzte Nachbeben geschah während unseres Landeanflugs. Wir wohnten nicht weit vom Flughafen entfernt und komplett autark. Zelte, Nahrung und Wasser brachten wir selbst mit, denn dem Land darf man während einer solchen Katastrophe natürlich nicht zur Last fallen. Im Basislager, das etwa so groß war wie ein Fußballfeld und etwa 200 Meter von der Start- und Landebahn in Kathmandu entfernt, warteten etwa 400 internationale Kräfte. Jedem Schadensgebiet wurde ein Rettungsteam zugewiesen. Wir als deutsches Team haben die Gebiete außerhalb von Kathmandu nicht erreicht, uns wurde durch das OSOCC ‒ One Site Operation an Coordination Centre der Vereinten Nationen ein Sektor im Nord-Osten von Kathmandu zugewiesen. Ich war drei Tage lang in einem Erkundungsteam: Wir sind mit zwei Bussen zwölf bis 14 Stunden am Tag durch die Straßen gefahren und haben geschaut, wo genau Hilfe benötigt wird. Zwei Mal am Tag gab es morgens und abends ein Briefing, wo dann eine Tagesaufgabe festgelegt wurde. Wir hatten auch Übersetzer, die sind immer notwendig.

Was haben Sie in Nepal vorgefunden?

Stübling: Es gab strukturelle Schäden, aber große Teile waren intakt. Wir befürchteten gleich: Hier hat niemand überlebt, hier ist niemand mehr in den Trümmern. Einzelne Gebäude waren zwischendurch wie eine Zahnlücke nicht mehr vorhanden. In der Stadt selbst hätte ich mir die Situation aber schlimmer vorgestellt. Die Bevölkerung in Kathmandu war recht gefasst, das normale Leben ging weiter. Es war nicht so chaotisch, dass die Menschen nicht mehr wussten, wohin. Wenn ein Gebäude zusammenstürzte, fingen ganz viele Leute an zu graben und sich zu vergewissern, ob es noch Überlebende gibt. Die Nepalesen hatten großes Verständnis für unsere Arbeit und waren sehr interessiert an den Hunden. Manchmal gab es einen Pulk von 50 oder 60Leuten rund um die Suchmannschaft herum, doch das hat den Einsatz nicht gestört.

Was genau hat Ihr Hund Loki gemacht?

Stübling: Mit Loki konnten wir gleich verschiedene Suchen in den eingestürzten Gebäuden durchführen. Insgesamt schätze ich die Zahl der Rettungshunde dort auf zirka 50. Leider hatten viele Gebäude eine Ziegelbau-Bauweise, die die Überlebenschancen minimiert hat, denn es gab keine Hohlräume. Unsere Ergebnisse, die wir mit Hilfe der Hunde bekamen, meldeten wir dann an die lokale Katastrophenschutzbehörde Lema. Doch damit ist eine solche Katastrophe nicht beendet: Anschließend beginnt der Wiederaufbau und die Suche nach Unterkünften, das sind natürlich längere Prozesse. Diese Aufgabe haben wir an unsere Partnerorganisation Help übergeben.

Wie war der Einsatz für den Hund?

Stübling: Für den Hund war die Situation nicht neu, denn er wurde speziell für solche Einsätze ausgebildet. Loki ist durch den deutschen Feuerwehrverband und die internationale Rettungshundeorganisation (IRO) als Auslandstrümmerhund zertifiziert. Auf dem Hinflug mussten die Hunde im Frachtraum mitfliegen, leider durften wir auch am Flughafen in Neu Delhi nicht zu ihnen. Die 24 Stunden in der Box hat Loki gut überstanden und war danach sofort einsatzbereit. Der Hund begreift den Ernst der Lage nicht, es war für ihn wie eine Trainingssituation.

Wie haben Sie Ihren Hund Loki eigentlich bekommen?

Stübling: Loki war acht Wochen alt, als ich ihn bekam. Ich kannte seine größere Schwester aus Jena. Vorher hatte ich aber auch schon andere Hunde. So ein belgischer Schäferhund bringt viel Potenzial mit, inzwischen ist er sieben Jahre alt. Seitdem er zwei Jahre alt ist, ist Loki ein geprüfter Trümmerhund. Ich trainiere zwei Mal in der Woche mit ihm, aber er braucht natürlich auch Freiräume.

Interview: Melanie Höhn

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