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Havelland MAZ-Reporter testet Odeg-Zugsimulator
Lokales Havelland MAZ-Reporter testet Odeg-Zugsimulator
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14:06 25.06.2015
Der Lehrer und die angehenden Lokführer verfolgen im Kontrollraum die Fahrt eines Kollegen. Quelle: M. Kniebeler
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Havelland/Erkner

4075 PS unter der Haube, und trotzdem wird es nichts mit dem Kavalierstart. Dabei hab ich den Geschwindigkeitshebel bis zum Anschlag durchgedrückt. Stattdessen beginnt die Landschaft ganz langsam an mir vorbeizugleiten. Ist auch besser so. Denn ich sitze nicht am Steuer eines Pkw, sondern im Führerstand eines Odeg-Triebwagens. Weit über 500 Personen finden Platz in dem 110 Meter langen und über 200 Tonnen schweren Zug. Und die wollen nicht mit quietschenden Reifen, sondern sicher ans Ziel gelangen.

Zehnmonatige Ausbildung

Natürlich sitze ich nicht in einem echten Zug, sondern in einem Simulator der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft. Der unscheinbare Container strotzt innen nur so vor modernster Technik. Hier, auf einem weitläufigen S-Bahn-Gelände in Erkner, lernen angehende Triebfahrzeugführer der Odeg, wie es sich anfühlt, einen Zug zu bewegen. Immer wieder kommen sie im Laufe ihrer zehnmonatigen Ausbildung her, um das Fahren zu trainieren. Erst am Ende werden sie dann in einem echten Führerstand auf realen Strecken den letzten Schliff erhalten.

Chef-Ausbilder am Simulator ist Wolfgang Powelz. Ein idealer Fahrlehrer – gelassen, humorvoll, ein ausgeglichener Typ. „Nehmen Sie einfach mal Platz und fahren Sie los“, sagt er mir. Zwar sitze ich jeden Tag, wie rund 3000 Rathenow-Berlin-Pendler, in einem Kiss-Doppelzug. Aber den Führerstand habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen.

Sieht einfach aus, erfordert aber höchste Konzentration. Der MAZ-Reporter im Führerstand des Simulators. Quelle: MAZ

Also rauf auf den gefederten Sitz und den Hebel mutig nach vorne. Um die Armaturen und Bildschirme, die mich umgeben, soll ich mich erst mal nicht kümmern. Sondern einfach nur fahren. „Nur eines nicht vergessen“, sagt Powelz. „Fuß alle 30 Sekunden kurz von der Sifa heben.“

Sifa ist die Abkürzung für Sicherheitsfahrschaltung und ähnelt einem breiten Fußpedal. Auf das stellt man den Fuß und hebt ihn alle 30 Sekunden, ein Blinklicht gibt den Takt vor, kurz hoch. „Totmannknopf“, hieß das früher, erklärt Powelz. Sobald der Rhythmus nicht eingehalten werde, stoppe der Zug automatisch. So soll verhindert werden, dass es bei Problemen im Führerstand zu einer Geisterfahrt kommt.

Wie werde ich Lokführer?

Die Ausbildung zum Triebfahrzeugführer bei der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) dauert zehn Monate. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. Außerdem müssen alle Interessenten mindestens 20 Jahre alt sein.
In einem Eignungstest werden technisches Verständnis und Konzentrationsstärke untersucht. Außerdem werden die Bewerber einem Gesundheits check unterzogen, in dessen Rahmen auch die psychische Eignung untersucht wird.
Untergliedert ist die Ausbildung in Theorie und Praxis. Der theoretische Teil macht rund 70 Prozent der Ausbildung aus. Die angehenden Lokführer werden mit den Verkehrsregeln vertraut gemacht, lernen die unterschiedlichen Signale kennen, bekommen Schulungen zur Fahrzeugtechnik und vieles mehr. Die Theorie wird mit einer Führerscheinprüfung abgeschlossen. Die praktische Ausbildung erfolgt am Simulator und in Odeg Zügen.
Weitere Infos unter www.odeg.de

„Alles klar“, sag ich. Und los geht’s. Auf dem Bildschirm vor mir zieht eine realistische Landschaft vorbei. „Achten Sie auf die Signale, beobachten Sie die Strecke, halten Sie sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit“, sagt Powelz. Ganz schön viel auf einmal. Und dann, ganz plötzlich, stoppt der Zug. Vollbremsung auf freier Strecke. Ich bin ratlos. „Sifa vergessen“ murmelt es hinter mir. „Die Auszubildenden müssen lernen, das komplexe System Bahn zu verstehen“, sagt Powelz. Der Straßenverkehr sei den meisten vertraut, aber der Verkehrsweg Schiene sei eine andere Welt, mit eigenen Gesetzen.

Alles andere als ein Kinderspiel

Der Simulator ist das ideale Trainingsgerät, um diese komplexe Welt kennen zu lernen. Wer hier ein Signal übersieht, bekommt zwar einen mächtigen Schreck. Aber Schaden anrichten kann er nicht. Und weil die unterschiedlichsten Szenarien durchgespielt werden können – zur Demonstration zaubert Powelz dem Azubi, der gerade im Führerstand steht, einen Lkw aufs Gleis, Vollbremsung, „alles richtig gemacht“ – bekommen die angehenden Odeg-Piloten allmählich ein Gefühl für die Abläufe auf der Schiene. Zu viel Routine ist allerdings auch nicht gut. Deshalb werden auch erfahrene Lokführer einmal im Jahr in den Simulator gebeten. „Leute, die meinen, alles zu beherrschen, holen wir hier schnell auf den Boden der Tatsachen zurück“, sagt Powelz.

Auch ich mache diese Erfahrung. Irgendwann läuft es ganz rund, der Zug reagiert auf meine Befehle, da dürfte die Einfahrt in den Bahnhof ein Kinderspiel sein. Und schon stehe ich am fiktiven Bahnsteig. „Alle aussteigen“, will ich scherzhaft rufen, da macht mich Powelz darauf aufmerksam, dass die beiden letzten Wagen im Niemandsland stehen. Die Leute würden glatt ins Gleisbett stürzen, sagt er. „Oh“, sage ich kleinlaut. Und bin dankbar, dass den Lokführern, denen ich mich jeden Tag anvertraue, so etwas nicht passiert.

Von Markus Kniebeler

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