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MAZ-Sommerserie "Rekorde im Havelland" Der älteste Familienbetrieb
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15:44 19.08.2014
Stehen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Familienbetriebes (v.r.): Axel, Anita und Felix Niedermeyer. Quelle: Andreas Kaatz
Friesack

Ein Schmiedefeuer und eine von Riemen angetriebene alte Standbohrmaschine. Das ist die ungewöhnliche Dekoration, die das Büro von Axel Niedermeyer nach Ende der Umbauarbeiten in der einstigen Werkstatt haben wird. „Beides gehört zu unserer Firmengeschichte“, begründet der 48-Jährige.

Diese Geschichte ist mittlerweile sehr lang – 2014 genau 200 Jahre. Niedermeyer führt das Unternehmen mittlerweile in sechster Generation. Momentan verkauft und vermietet er Trikes – motorisierte Dreiräder – auf jenem Gelände in der Nauener Straße von Friesack, auf dem schon sein Ur-, Ur-, Ur-Großvater tätig war.

Der hatte damals freilich andere Betätigungsfelder. Christian Niedermeyer sorgte ab dem 23. Oktober 1814 als Hufschmied dafür, dass die Pferde von Bauern und Fuhrunternehmen gut beschlagen waren. Die Schmiede gab es sogar schon länger. Niedermeyer heiratete damals ein – in einer Zeit, als sich das Schmiedefeuer noch im Wohnhaus befand.

Viel weiß Axel Niedermeyer nicht mehr von damals. Überliefert ist nur, dass auf Christian Niedermeyer Ferdinand folgte, dann zweimal Franz und schließlich sein Vater. „Bis zu Horst Niedermeyer war das Unternehmen immer ein Schmiedebetrieb“, erzählt der heutige Firmenchef. Mutter Anita kann es bestätigen. „Ich weiß noch, wie es damals mit dem Hufbeschlag war“, sagt die 74-Jährige, die anfangs die Büroarbeiten erledigte. Sie kann sich noch gut an den Gestank von verbranntem Horn erinnern, wenn den Pferden die Hufeisen angepasst wurden. Weil man von Hufeisen zuletzt nicht mehr leben konnte, wurden bis in die 60er-Jahre hinein Landmaschinen repariert oder Eisenreifen auf Holzräder von Ackerwagen aufgezogen.

Axel Niedermeyers Großvater Franz (l.) vor der Friesacker Werkstatt. Quelle: Repro

Auch diese Aufträge gingen dann aber immer mehr zurück, die LPGen richteten ihre Dinge selbst. Deshalb begannen die Niedermeyers Lkw-Anhänger instandzusetzen. Dazu wurde 1963 ein Vertrag mit dem Fahrzeugwerk Lübtheen abgeschlossen. Achsen und Zuggabeln wurden über dem Schmiedefeuer gerichtet, Bordwände neu gebaut und lackiert, Bremsen repariert.

Als Horst Niedermeyer 1972 starb, übernahm seine Witwe Anita den Betrieb. Sie, die bisher am Schreibtisch saß, musste sich nicht nur um Aufträge und Ersatzteile kümmern, sondern packte auch hin und wieder selbst in der Werkstatt mit an. „Da saß ich auch mal unterm Hänger und hielt Teile fest oder fegte die Werkstatt aus“, sagt sie. „Ich habe mich verpflichtet gefühlt, mit Hand anzulegen. Es war eine schwere, aber auch eine schöne Zeit.“ Dass sie keinen Meisterbrief hatte, sah man beim Rat des Kreises anfangs nicht so gern, drückte aber beide Augen zu. „Ohne dich geht es doch sowieso nicht“, bekam sie zu hören.

Für Sohn Axel war der berufliche Weg damals schon vorbestimmt. Er lernte Kraftfahrzeugmechaniker und stieg mit 19 Jahren in den Familienbetrieb ein. Dabei erlebte er auch, wie zur Wende die Aufträge einbrachen, die Mitarbeiter wegliefen. 1991 machte er seinen Meister, übernahm ein Jahr darauf die Firma und traf durch Zufall auf einen Peugeot-Händler. Der zeigte ihm, wie Gewerbe im Westen funktioniert. Über Umwege kam Axel Niedermeyer ebenfalls an einen Händlervertrag, verkaufte in Friesack Neuwagen des französischen Herstellers und reparierte sie.

Altes Gewerbe

Die MAZ stellt in ihrer Sommerserie Rekorde im Havelland vor. Zu lesen waren unter anderem schon „Das tiefste Loch“, „Die älteste Feuerwehr“, Das höchste Gebäude“, „Die älteste Kirche“, „Der dickste Baum“ und „Der höchste Berg“.
Zu den ältesten Familienbetrieben im Havelland gehören zudem die Nauener Bäckerei Nickel, gegründet am 5. Februar 1852, die Falkenseer Schlosserei Ziesecke – gegründet am 1. April 1902 –, und die 101-jährige Bäckerei Schulze in Falkenrehde.

Als die Franzosen dann ihr Händlernetz bereinigten, bekam Axel Niedermeyer Ende 2001 die Kündigung auf den Tisch. Der Betrieb war zu klein. Niedermeyer versuchte es mit dem Verkauf von Motorrollern, aber auch das lief nicht besonders. Seine neue Aufgabe fand Axel Niedermeyer dann schließlich in der Vermietung von Trikes.

Heute hat er drei Maschinen, die in der Saison nur selten auf dem Hof stehen. „Die Kunden fahren von hier aus zur Ostsee oder an die Müritz“, sagt er über das Geschäft, von dem allein er aber nicht leben könnte. Er verkauft zudem gewerbliche Telefonbuch einträge. Und für „gute alte Bestandskunden“ repariert er auch noch mal das Auto.

Letztlich sieht sich Axel Niedermeyer immer noch in der Tradition seiner Vorfahren. „Ob Hufbeschlag oder Trike-Vermietung. Das Geschäft hat sich zwar über die Jahre verändert, aber wir sind immer noch für die Mobilität da“, sagt er. Und mit Sohn Felix wird die Geschichte des Familienbetriebes wohl fortgeschrieben. Er ist zwar gerade erst 15, möchte aber später das Trikegeschäft weiterführen.

Von Andreas Kaatz

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