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MAZ-Sommerserie "Rekorde im Havelland" Die längste Straße im Havelland
Lokales Havelland MAZ-Sommerserie "Rekorde im Havelland" Die längste Straße im Havelland
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12:52 18.08.2014
Quelle: Jana Einecke
Havelland

Irgendwo hinter Pessin ist es dann da, das Gefühl, schon ewig keine Kurve mehr gesehen zu haben. Die Bundesstraße 5, des Havellands längste Straße, ist dort schnurgerade wie eine Wasserwaage. Es ist die Lieblingsstrecke der Raser. Nirgends im Landkreis fahren die Leute so schnell wie dort, wo die Fahrbahn scheinbar in den Baumkronen endet. Zuletzt wurde einer mit 166 Stundenkilometern geblitzt. Vielleicht lag das an der kurvenfreien Sicht. Vielleicht wollte der Fahrer aber auch einfach nur ankommen. Wer auf der B 5 von Falkensee nach Friesack fährt, der ist an dieser Stelle schon locker eine Dreiviertel Stunde unterwegs.

Rund 55 Kilometer erstreckt sich die Straße durchs Havelland, ab Staaken vorbei an Dallgow, Elstal und Nauen, durch Dörfer wie Ribbeck und Selbelang bis nach Friesack und zur Kreisgrenze Höhe Wutzetz. Auf der Raserstrecke Richtung Nordwesten fahren täglich um die 5000 Fahrzeuge. Zwischen Berlin und dem Autobahnring sind es rund 32.000, bis Nauen noch 17.000.

Die B 5 ist für das Havelland nicht irgendeine Straße. Sie ist auch nicht nur der längste Verkehrsweg, sie ist seine Hauptader nach Berlin. Sie ist sein Standortvorteil. Wer ein Unternehmen direkt an der B 5 angesiedelt hat, wirbt oftmals damit. Wer den berühmtesten Birnbaum der Welt sehen, das Olympische Dorf oder das Outlet-Center besuchen, zu Sielmanns Naturlandschaft oder Karls Erlebnisdorf will, fährt über die Bundesstraße. Gegenden fern des Wegs gelten im Havelland als vergleichsweise abgelegen.

Früher, zu DDR-Zeiten, da hatte man auf der Strecke noch größere Ziele: den Westen. Die Fernverkehrsstraße 5, wie sie damals hieß, war die einzige Transitstrecke der Republik, die keine Autobahn war. Mit dem Ergebnis, dass dort zwischen den Autos eben auch zahlreiche Kutschen, Trecker und Fahrradfahrer umherzuckelten.

Ganz in Ruhe konnten sich die Westler so von den Segnungen des real existierenden Sozialismus’ überzeugen. Am Grenzübergang Staaken wurde für 20 Pfennig ein Faltblatt verkauft, in dem die Sehenswürdigkeiten entlang der F 5 beschrieben waren. Auch das Fontane-Gedicht vom Ribbeck’schen Birnbaum war darin zu lesen. Damit den Durchreisenden klar wurde, worum es in der DDR eigentlich ging, hatte man an den Straßenrändern Schilder mit Losungen aufgestellt. Die Worte Sozialismus, Gemeinschaft und Solidarität waren rot hervorgehoben. In Lietzow etwa soll man die Passanten so schriftlich unter anderem zum Kampf für den Frieden und gegen den US-Imperialismus aufgefordert haben.

„Die sozialistische Gesellschaft ist die Quelle unserer Kraft“: Propaganda entlang der Fernverkehrsstraße 5, der Strecke nach Hamburg. Quelle: Harald Schmitt, ausgestellt im Wegemuseum, Wusterhausen/Dosse

Der erste Stopp nach der Grenze war für viele die Tankstelle in Dallgow-Döberitz an der Ecke Wilmsstraße. Dort wie auch entlang der restlichen Strecke waren zahlreiche Stasi-Mitarbeiter und Volkspolizisten damit beschäftigt, den laufenden Betrieb zu beobachten – und Bußgelder unter anderem wegen unerlaubten Haltens oder Gesprächen mit Anwohnern zu verhängen. Denn Kontakte zwischen Ost und West waren streng verboten, nicht zuletzt, weil die Straße eine beliebte Schleuserroute war und die Polizisten öfter mal Flüchtlinge in den Kofferräumen von Westautos entdeckten.
Trotz aller Einnahmen in Devisen: Den DDR-Oberen wäre eine abgeschottete Autobahn wohl lieber gewesen als die vergleichsweise gemütliche F 5. „Alle Überwachungsmaßnahmen konnten nicht verhindern, dass massenhaft Schokolade und Bonbons westdeutscher Produktion bei den an der Straße wartenden Kindern landeten“, zitiert Andrea Perlt, Leiterin des Wegemuseums in Wusterhausen/Dosse einen der Ausstellungstexte in ihrem Haus.

Mit der Schokolade war es dann Anfang der Achtzigerjahre endgültig vorbei. Die vielen Unfälle an den Alleebäumen – auch heute noch ein Problem an der Strecke – die lange Fahrzeit und der zunehmende Verkehr und Schikanen hatte die Bundesrepublik bewogen, zwischen Hamburg und Berlin dann doch eine Autobahn zu bauen. Die DDR-Regierung war nicht abgeneigt, und so wurde im November 1982 der erste Abschnitt der heutigen A 24 eröffnet. Zwei Jahre später war der Transitverkehr auf der F 5 Geschichte.

Seitdem hat die Straße nicht nur Abermillionen von Fahrzeugen über sich rollen lassen, sondern auch einige Operationen ertragen müssen. Aus der altehrwürdigen staubigen Chaussee nach Hamburg, Baujahr um 1830, ist nach Transitepisode und Wende längst eine glattasphaltierte Magistrale geworden. Sie wurde sukzessive ausgebaut, umfährt heute ganze Orte, und ist bis Nauen sogar mittlerweile vierstreifig. Damit ähnelt sie dort einer Autobahn – und macht daher nun als längste Brandenburger Mautstrecke Ärger. Noch so ein Rekord.

55 KILOMETER STRASSE

  • Die B 5 ist 555 Kilometer lang. Sie ist damit die fünftlängste Bundesstraße in Deutschland. Im Havelland liegt rund ein Zehntel der Strecke.
  • Das Wegemuseum in Wusterhausen/ Dosse widmet einen Schwerpunkt seiner Ausstellung den Transitstrecken, unter anderem der B 5.
  • » Alle Havel-Rekorde gibt es unter www.maz-online.de/Rekorde-im-Havelland

Von Jana Einecke

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