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Machtergreifung der NSDAP zu wenig erforscht

Vortrag über NS-Zeit im Westhavelland Machtergreifung der NSDAP zu wenig erforscht

Zu den Gräueltaten der Nationalsozialisten in Brandenburg fehlt wissenschaftliche Forschung, so Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, bei einem Vortrag am Montag in Rathenow. Wie Einwohner die Jahre, in denen es eine Außenstelle des Konzentrationslagers Sachsenhausen in Rathenow gab, erlebt haben, davon berichtete eine Zeitzeugin.

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Eine Tafel im heutigen Gewerbegebiet Grünauer Fenn erinnert an das ehemalige Außenlager des KZ Sachsenhausen.

Quelle: fotos: Uwe Hoffmann

Rathenow. „Die Zeit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Brandenburg und Berlin ist wissenschaftlich kaum erforscht. Es fehlen Abschlussarbeiten zu diesem Thema“, sagte Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, bei einem Vortrag am Montagabend in Rathenow. „Eine systematische Aufarbeitung dieser Zeit gibt es nicht. Was wir wissen, sind Schlaglichter auf das Geschehen einzelner Orte und Personen“, sagte Morsch, der auch Professor für Politikgeschichte an der Freien Universität Berlin ist. Zu dem Vortrag lud der Kreisverband Die Linke in den Großen Clubraum des Kulturzentrums ein.

Chrisitan Görke initiierte den Vortragsabend mit  Günter Morsch (re), Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Chrisitan Görke initiierte den Vortragsabend mit Günter Morsch (re.), Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Quelle: Uwe Hoffmann

Günter Morsch ist seit 19 Jahren Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. „Professor Morsch hat sich seit der frühen Jugend, auch durch die mediale Präsenz des Eichmann-Prozesses beeinflusst, mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt“, stellte Finanzminister Christian Görke den Gast vor, den er während einer Führung als Leiter durch die Gedenkstätte Sachsenhausen schätzen lernte. Unter dem Thema „Terror in der Provinz Brandenburg. Frühe Konzentrationslager 1933/34“ gab Günter Morsch einen auf Rathenow und das Westhavelland regional bezogenen Einblick in die Ereignisse der Machtergreifung seit dem braunen Terror 1932, über die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bis zur Vereinigung mit dem Amt des Reichspräsidenten am 2. August 1934.

Die Erinnerungstafel in Rathenow

Die Erinnerungstafel in Rathenow.

Quelle: Uwe Hoffmann

„In diesen rund 18 Monaten wurden politische Gegner rücksichtslos bekämpft, verhaftet und in die frühen, durch die SA betriebenen Konzentrationslager, deportiert“, so Morsch. „Dies geschah nicht vor der Öffentlichkeit verborgen, sondern wurde, auch zur Einschüchterung politischer Gegner, propagandistisch genutzt.“ Auch in Rathenow und dem Westhavelland erfolgten schon früh Verhaftungen von Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschaftern. Als ein Beispiel nannte er die Verhaftung von insgesamt 52 „Schutzhaftgefangenen“ aus der Region, die in das frühe KZ Oranienburg eingeliefert wurden. „Ein Grund war sicher die frühe Ausschaltung politischer Gegner in der kriegswichtigen optischen Industrie in Rathenow“, beantwortete Morsch Görkes Frage nach dem Grund der sehr frühen und umfangreichen Verhaftungen in unserer Region.

„Ohne das Wissen der regionalen Chronisten wäre die Brandenburger Geschichte ärmer“, meinte Christian Görke nach dem halbstündigen Vortrag. Einer dieser regionalen Chronisten ist der Rathenower Dieter Seeger. Zwischen 2005 und 2012 veröffentlichte er über den Kreisverband Die Linke drei Broschüren zum Thema, die auch Günter Morsch schätzt.

Erika Krumrey erinnert sich noch an das KZ-Außenlager

„Ich kann mich noch als zirka 13-jähriges Mädchen sehr gut an das Außenlager in Rathenow erinnern, weil in der Nähe Verwandte wohnten“, sagte Erika Krumrey in der anschließenden Diskussion. „Damals wussten wir nicht, dass es sich um politische Häftlinge handelte. Wir meinten es seien Schwerverbrecher.“ Seit dem Jahr 2000 erinnert eine Gedenktafel an das Außenlager des KZ Sachsenhausen im heutigen Gewerbegebiet Grünauer Fenn, in dem 1943 bis 1945 Häftlinge aus sechs Staaten zur Rüstungsarbeit für die Arado-Flugzeugwerke gezwungen wurden.

Im Jahr 2014 gab Günter Morsch gemeinsam mit Agnes Ohm in der Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte den 46. Band „Terror in der Provinz Brandenburg. Frühe Konzentrationslager 1933/34“ im Metropol Verlag Berlin heraus.

Es fasst, illustriert mit vielen Fotos und Abbildungen von Dokumenten, die Zeit des frühen NS-Terrors 1932 bis 1934 zusammen und gibt Informationen zu sechs Biografien von NS-Machthabern sowie über die neun frühen KZ Brandenburgs.

Von Uwe Hoffmann

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