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Männer, die auf Schafe starren

Schönwalde-Glien Männer, die auf Schafe starren

Wiesen voller Orchideen, 240 verschiedene Arten von Löwenzahn, ein Lebensraum unzähliger Tiere und Pflanzen: Das Teufelsbruch in Schönwalde-Dorf ist ein Naturparadies. Helmut Querhammer führt dort zusammen mit Olaf Kolecki eine Schäferei – nach ökologischen Gesichtspunkten.

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Helmut Querhammer (rechts) zeigt seine Schafe. Im weißen Hemd: Bundestagsabgeordneter Uwe Feiler (CDU).

Quelle: Foto: Philip Häfner

Schönwalde-Glien. Wiesen voller Orchideen, 240 verschiedene Arten von Löwenzahn, ein Lebensraum unzähliger Tiere und Pflanzen: Das Teufelsbruch in Schönwalde-Dorf ist ein Naturparadies. „Da möchte man eigentlich nur mit Stöckelschuhen durch, damit man nichts platt tritt“, meint Helmut Querhammer. Der Landwirt aus dem Potsdamer Stadtteil Fahrland hat die Fläche, rund 100 Hektar, seit diesem Jahr gepachtet und lässt dort Schafe weiden. Am Montag bekam er dort Besuch vom havelländischen Bundestagsabgeordneten Uwe Feiler (CDU), der zurzeit im Rahmen seiner Sommertour durch den Wahlkreis reist und sich in diesem Jahr vor allem bei land- und forstwirtschaftlichen Betrieben umgehört hat, unter anderem auch noch bei der Baumschule Lorberg in Tremmen und der Stutenmilchfarm in Bredow. „Das ist einer der schöneren Termine“, sagt Feiler.

Helmut Querhammer bewirtschaftet seit vielen Jahren Teile der Döberitzer Heide mit seinen Galloway-Rindern; im Spandauer Spektefeld und mehreren Berliner Bezirken hält er Wasserbüffel. Im Teufelsbruch sind diese jedoch verboten – dort erledigen Schafe die Mahd. Deshalb hat sich Querhammer dort den Falkenseer Schäfer Olaf Kolecki mit ins Boot geholt.

Beiden geht es nicht um den Fleischertrag, „das ist zweitrangig“, so Querhammer. Im Vordergrund stehe die Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen und der Landschaftsschutz. „Schafe mähen besser“ – so steht es groß auf dem Auto von Olaf Kolecki, der auch Mitglied in der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen ist. Das Rauwollige Pommersche Landschaf sei für die Wiesen des Teufelsbruch ideal, andere Wirtschaftsrassen hingegen weniger geeignet. „Sie können keine tolle Rasse, keinen Chevrolet, auf diese Wiese stellen“, sagt Helmut Querhammer. Schrittweise wollen er und Kolecki die bestehende Herde umbauen, doch ein paar Jahre werde das schon dauern, sagen sie.

„Aber rechnet sich das?“, fragt Uwe Feiler. Ja, meint Querhammer – aber nur dank der Ökoprämie. Zumal die Beweidung sehr arbeits- und kostenintensiv ist. Schafhalter sind die einzigen Landwirte, für deren Tiere elektronische Ohrmarken vorgeschrieben sind, 2,50 Euro das Stück. Bei mehreren hundert Tieren kommt da schnell eine stattliche Summe zusammen. „Wie viele Schafe stehen denn hier?“, will Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme (CDU) von Querhammer wissen. Seine Antwort: „320. Einfach die Beine zählen und durch vier teilen.“

Die schwierigen Rahmenbedingungen für Jungbauern, die einen neuen Betrieb eröffnen wollen, findet Querhammer dagegen weniger lustig. „Die Agrarförderung setzt erst nach einem Jahr ein. Wie soll jemand, der neu einsteigt, solange durchhalten? Das schafft keiner.“

Auch das Thema Wolf sorgt nach wie vor für Ärger. Im Teufelsbruch lebt zwar noch kein Tier, doch Wölfe durchstreifen das Gebiet immer wieder. „Der Wolf ist bei uns in der Gemeinde präsent“, sagt Bodo Oehme. Olaf Kolecki schimpft, dass „zig Millionen für den Wolfschutz ausgegeben werden, aber beim Herdenschutz passiert nichts.“ Helmut Querhammer meint zwar, man müsse sich mit Wolf arrangieren, denn er sei der ältere Nutzer. „Aber dann muss die Gesellschaft auch denen, die die Last tragen, entgegenkommen.“

Von Philip Häfner

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