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Poetischer Realismus

Bilder von Gerd Guse In Falkensee Poetischer Realismus

Der einstige Stahlwerker Gerd Guse zeigt in der Finkenkruger Kirche von Falkensee seine Bilder. Kräftige Linolschnitte und feine Kreidezeichnungen sind zu sehen. Sie offenbaren einen Mann, der das Havelland auf poetische und realistische Weise entdeckt.

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Linolschnitt von Gerd Guse in der Finkenkruger Ausstellung.

Quelle: Marlies Schnaibel

Falkensee. Es ist schön, in den Bildern spazieren zu gehen. So beschreibt eine Besucherin im Gästebuch ihre Erfahrungen mit der aktuellen Ausstellung der Finkenkruger Kirche von Falkensee. Zu sehen sind Kreidebilder, Federzeichnungen und Linolschnitte von Gerd Guse, der seit 1959 in Falkensee wohnt und wohl jeden Weg, jeden Busch in der Umgebung in seinen Bildern festgehalten hat.

Geboren wurde Gerd Guse 1937 in Rehfelde bei Strausberg. Gezeichnet hat er schon als Junge gern, eine Neigung, die in der Nachkriegszeit erst einmal nicht allzu viel gefördert wurde. Der Junge musste einen Beruf lernen und es zog ihn in einen Großbetrieb der Region: ins Stahlwerk Hennigsdorf. Hier machte er eine Lehre zum Kernmacher, einem Facharbeiter im Stahlformguss. Dann zog er nach Falkensee, gehörte zu den Tausenden, die von hier täglich nach Hennigsdorf zur Arbeit fuhren. Bis zur Rente hat Gerd Guse im Stahlwerk gearbeitet. Dabei war für ihn der Stahl nicht alles; schon früh fand er zu Gleichgesinnten. 1962 kam er zum Mal- und Zeichenklub des Werkes. „Damals habe ich vor allem figürlich gemalt“, erinnert sich Gerd Guse und zeigt auf seinem Tablett frühe Bilder, eines ist ein Selbstbildnis und zeigt einen ernsten jungen Mann, gezeichnet mit kraftvollen Strichen, expressiven Linien und starken Farben. Als malender Arbeiter wurde sein Talent gefördert. Guse belegte Kurse, war in den Siebziger Jahren selbst Zirkelleiter in Falkensee. 1975 konnte er ein großes Wandbild für den Wasserwirtschaftsbetrieb Falkensee realisieren. „Naja, sozialistischer Realismus“, kommentiert Guse sein damaliges Werk. Wahrscheinlich mehr Realismus als Sozialismus, denn das große Mosaikbild schmückt noch heute das Treppenhaus des Verwaltungsgebäudes in der Potsdamer Straße.

Vielleicht lässt sich das, was Gerd Guse auszeichnet, als poetischen Realismus bezeichnen. In der Finkenkruger Ausstellung können sich die Besucher davon ein Bild machen. Neben den frühen Linolschnitten sind vor allem Landschaftsbilder der letzten Jahre zu sehen. Gerd Guse hatte vor 13 Jahren zum Schönwalder Kreativ-Verein gefunden und sich der Malgruppe um Uwe Beckmann angeschlossen. Hier entwickelte er seine leise, berührende Art, Landschaften festzuhalten. Ob „Feldweg im Herbst“, „Wiesen im Havelland“ oder „Am Tegeler See“: In seinen Bildern nimmt der Maler den Betrachter mit in die Natur. „Alles Gemalte, Gesehene, Empfundene kommt an“, heißt es im Gästebuch. „Die Bilder vermitteln Ruhe und Lebendigkeit in einem“, beschreibt Malerkollegin Silvia Lamprecht ihre Empfindung. „Es ist immer wieder fantastisch, die Ruhe, die Schönheit der Natur, das Spiel von Licht und Schatten in den Bildern zu erleben“, schreibt Christian Schlegel vom Kreativ-Verein.

Mit dem Verein war Gerd Guse oft unterwegs, hat in Schönwalde seine Bilder ausgestellt, aber auch in Falkensee, Hennigsdorf, Berlin, Potsdam und Pilsen. Die Finkenkruger Ausstellung ist vielleicht seine letzte, sagt der schwerkranke Gerd Guse und freut sich über das Echo, das seine Bilder hier wieder gefunden haben. „Jetzt geh ich ooch wandern...“ hat einer über die anregende Ausstellung salopp-freundlich ins Gästebuch geschrieben.

Die Ausstellung ist bis zum 27. September in der Kirche zu sehen. Die ist an den Wochenende von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Von Marlies Schnaibel

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