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Mammut-Projekt Viskose vor dem Abschluss

Premnitz Mammut-Projekt Viskose vor dem Abschluss

Mit einem Festakt wird am 2. November die Neuerschließung der alten Viskose-Brache im Industriepark Premnitz gefeiert. Über 100 Gäste sind geladen, Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wird die Festrede halten. Die Viskose war ein Mammut-Projekt über drei Jahre. Am Ende sind die Kosten von geplanten zehn Millionen Euro auf fast 13 Millionen Euro gestiegen.

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Im Frühjahr 2016 war von allen Gebäuden nur noch die große alte Produktionshalle übrig geblieben.

Quelle: Bernd Geske

Premnitz. Angesichts der gewaltigen Größe des Vorhabens mag man es kaum glauben, trotzdem ist es so, dass die Neuerschließung der alten Viskose-Brache im Industriepark Premnitz nun zu Ende geht. Gefeiert wird dieses freudige Ereignis am Donnerstag, dem 2. November, mit einem großen Festakt am Rande der Fläche. Eingeladen sind über 100 Teilnehmer, als Ehrengast erwartet wird Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

Eingeladen worden ist auch Frank-Walter Steinmeier (SPD), der im September 2015 damals noch als Bundesaußenminister beim feierlichen Baubeginn (Foto unten) dabei war. Weil er nun aber Bundespräsident ist, hat er wegen anderer Verpflichtungen abgesagt. Eine Einladung bekommen hat auch der frühere Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD). Es ist aber noch nicht sicher, ob sein Gesundheitszustand die Teilnahme erlaubt.

Ab 10 Uhr werden an jenem Tag Bürgermeister Ralf Tebling (SPD) und Klaus Piefke als Vertreter der Unternehmergemeinschaft des Industrieparks zur Begrüßung sprechen. Die große Festrede hält Ministerpräsident Dietmar Woidke, danach folgen ein paar Ehrungen von Personen, die sich bei der Entwicklung des Industrieparks verdient gemacht haben.

Im Beisein des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier (SPD, links) wurde im September 2015 offiziell der Baubeginn gefeiert

Im Beisein des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier (SPD, links) wurde im September 2015 offiziell der Baubeginn gefeiert.

Quelle: Bernd Geske

Es ist ein wahrhaft dickes Brett, das da im Industriepark jetzt zu Ende gebohrt worden ist. Mit der alten Viskose-Anlage dämmerte bzw. gammelte die letzte große Industriebrache jahrelang vor sich hin. Den Premnitzer Stadtvätern war völlig klar: Wenn deren Abriss und Neuerschließung nicht spätestens 2014 in Sack und Tüten sein würde, stünde es grundsätzlich in Frage, ob das Vorhaben überhaupt noch jemals zu finanzieren wäre.

Im Gegensatz zu früheren Tagen hatten sich die Förderbedingungen bereits in der Art geändert, dass statt der Landesentwicklungsgesellschaft i.L. (in Liquidation) nun die Stadt Premnitz selbst als Bauherr auftreten musste. Als Bausumme für die Viskose waren zehn Millionen Euro geschätzt worden, fast so viel wie der ganze Premnitzer Haushalt in einem Jahr.

Erschwinglich blieb das Projekt für die Stadt, weil sie „nur“ einen Eigenanteil von zehn Prozent schultern sollte. Rein mathematisch rechnete man damals mit einer Million Euro – was komplett über neue Kredite finanziert werden sollte. Aufzubringen in drei Jahresscheiben 2015, 2016 und 2017. Das Land übernahm 80 Prozent mit Fördermitteln, die LEG trat für die verbleibenden zehn Prozent ein. Zu regeln war aber außerdem noch die Frage der Altlastenfreistellung.

Den neuen Investoren, von denen es drei an der Zahl geben soll, musste vor dem Verkauf der revitalisierten Fläche vertraglich zugesichert werden, dass diese altlastenfrei ist.

Besondere Einzelmaßnahme

Besondere Einzelmaßnahme: Im November 2015 wurden die großen Asbestdächer abgenommen.

Quelle: Bernd Geske

Die Premnitzer Verantwortlichen hatten das Projekt schon zweimal fast aufgegeben, da trat Finanzminister Christian Görke (Linke) im Sommer 2014 als Retter in letzter Minute auf. „Es ist nicht klar, welche Gefahren sich noch im Boden befinden“, hat er damals gesagt, „wir haben aber regeln können, dass das Land alle Lasten übernimmt.“ Er gehe davon aus, dass ein weiterer Millionenbetrag aufzubringen sei.

Im September 2014 überbrachte dann der damalige Justizminister Helmuth Markov (Linke) der Stadt endlich den ersehnten Förderbescheid über acht Millionen Euro. Die Revitalisierung konnte beginnen. Im September 2015 wurde der Baustart feierlich vollzogen.

Wie wichtig die Frage der unentdeckten Altlasten für die ganze Maßnahme noch werden sollte, muss irgendwann im Laufe des Jahres 2016 offenkundig geworden sein. Als von allen Gebäuden nur noch die große alte Produktionshalle Nr. 405 stehen geblieben war und deren Abriss begann, gab es beim Öffnen ihrer bis dahin aus Statikgründen zugemauert gelassenen Kellerräume die Überraschung-

Dort unten hatten die industriellen Vorväter riesige Mengen von altem Bauschutt „eingelagert“. Die zusätzlichen Mengen ergaben ungefähr ein Drittel Bauschutt mehr. Immerhin hatte die alte Halle eine Grundfläche von 170 mal 120 Metern gehabt.

Ende 2016 war der Abriss der Produktionshalle in vollem Gange

Ende 2016 war der Abriss der Produktionshalle in vollem Gange.

Quelle: Bernd Geske

Die zu Beginn lange Zeit gehandelte Bausumme von zehn Millionen Euro stieg nun hoch auf fast 13 Millionen Euro, genau 12,9 Millionen. Hinter den Kulissen muss es angesichts der beträchtlich steigenden Ausgaben zwischen manchen Beteiligten mächtig gekracht haben, aber nach außen ist davon nichts gedrungen. Das Land steht für seine 80 Prozent ein. Für die Stadt erhöht sich der Eigenanteil von einer auf 1,29 Millionen Euro und sie gleicht den Fehlbetrag durch eine entsprechende Erhöhung ihrer letzten Kreditscheibe im Jahr 2017 aus.

Als problematisch hat sich angesichts steigender Kosten zuletzt nur der Anteil der LEG heraus gestellt, weil sie angesichts ihres seit Jahren laufenden und nun zu Ende gehenden Liquidationsverfahrens am 31. Dezember 2017 ihre wirtschaftliche Tätigkeit einstellen wird. Aufgrund dieser Perspektive sah sich die LEG nur noch dazu in der Lage, von ihrem zehnprozentigen Eigenanteil von 1,29 Millionen Euro nur 1,2 Millionen zu begleichen.

Die fehlenden 90 000 Euro wären als zusätzliche Ausgabe bei der Stadt Premnitz hängen geblieben. Da gab es eine glückliche Fügung: Im September entschied die Arbeitsförderungsgesellschaft Premnitz (AFP), von der LEG eine Fläche im Industriepark zu kaufen. 1,5 Hektar groß, Kostenpunkt 100 000 Euro. So erzielt die LEG noch einmal eine unerwartete Einnahme, kann ihren Anteil für die Viskose doch komplett aufbringen und die Stadt ist aus dem Schneider. Klassisches Happy End.

Am Ende sind alle Gebäude von der Fläche verschwunden

Am Ende sind alle Gebäude von der Fläche verschwunden.

Quelle: Bernd Geske

Von Bernd Geske

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