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Marco Tschirpke bringt Rathenow zum Lachen

Lyriklesung Marco Tschirpke bringt Rathenow zum Lachen

Er schreibt an Gauck und über Rowohlt, verbessert Goethe und spielt dazu Gitarre oder Klavier. Der Musikkabarettist, Bestsellerautor und sympathische Schlaumeier Marco Tschirpke gab sich in Rathenow die Ehre. Zu seiner Lesung kamen die Gäste in Scharen und das nicht nur, weil der Abend genialen Wortwitz versprach.

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Marco Tschirpke

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. Dieser Typ ist frech, rotzfrech und sieht dabei total unschuldig aus. Brave Frisur, schlichte Brille, der zierliche Körper in gedeckte Farben verpackt, die Kleidung mehr funktional als modisch, das Lächeln erst nett, dann gewieft und schelmisch. Marco Tschirpke, Musikkabarettist, Bestsellerautor und gebürtiger Rathenow – ja, das sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt – sitzt am Mittwochabend in der Buchhandlung Tieke, liest seine Gedichte vor und erklärt nebenbei mit lässiger Selbstverständlichkeit, er habe da mal ein Gedicht von Goethe verbessert.

Es ist voll in dem Laden in der Berliner Straße, so voll, dass Autor und Zuhörern beinahe auf Tuchfühlung gehen könnten. „So dicht waren sie noch nie an ihrem Publikum dran“, scherzt Gastgeberin Susan Schwarzlose. Wer hätte das gedacht? Die erste Lyrik-Lesung überhaupt und rund 70 Rathenower wollen dabei sein. Damen und Herren, Jung und Alt, Sakkos neben Kapuzenpullis, Blusen neben Strickjacken. Sogar die Mutter des talentierten Sprösslings ist dabei.

Mit Wortwitz wickelt Tschirpke sein Publikum um den Finger

Für den Abend in seiner Geburtsstadt wählte der Anfangvierziger Werke aus seinem Buch „Die komischen Gedichte des Marco Tschirpke. Frühling Sommer, Herbst und Günther“ aus, das im Oktober 2015 erschien. Und noch vor dem ersten Reim hat er seine Zuhörer mit Wortwitz um den Finger gewickelt. Insbesondere einige Damen kichern vergnügt und werden sich für den Rest des Abends nicht mehr beruhigen.

Mit einem noch recht frischen Geisteserguss, der bisher nur auf Tschirpkes Facebook-Seite zu lesen ist, eröffnet der Autor das Lyrik-Konzert:„Was tut man, wenn das Kind einen Radiergummi verschluckt?“ Fragende Gesichter. Dann die Erklärung. Beim ersten Mal: Notfallambulanz, der zweite Gummi wird im Töpfchen gesucht. Und der Dritte? „Beim dritten sagt man: So, mein Held, den zieh ich ab vom Taschengeld.“

Marco Tschirpke plaudert mit Gastgeberin Susan Schwarzlose in der Buchhandlung Tieke in Rathenow

Marco Tschirpke plaudert mit Gastgeberin Susan Schwarzlose in der Buchhandlung Tieke in Rathenow.

Quelle: Ch. Schmidt

Jetzt muss auch der letzte, etwas humorresistente Gast lachen und Tschirkpe kann ansetzen zu einem flotten Lauf durch die Kunstgeschichte, denn die soll den roten Faden für diesen Abend weben. Von den alten Griechen, zu den alten Meistern, von den Preußenkönigen zu Harry Rowohlt – Tschirpke liest, das Publikum amüsiert sich. Es wird gekichert, geschmunzelt, geprustet und manchmal nach etwas Grübeln, wenn der berühmte Groschen fast hörbar fällt, lauthals losgelacht. Bleibt es doch mal verhalten ruhig nach einem Reim, setzt Tschirpke selbstbewusst nach: „Mir hat es gefallen.“, „Ich spüre, Sie haben noch auf eine Pointe gehofft.“ Oder er entlockt den Damen und Herren mit einem kecken „Sie nehmen sich die Zeit, die Sie brauchen“ einen Lacher.

„Beeindruckt von so viel überschäumender Fantasie“

Meist fließen die Worte bedeutungsschwer aus seinem Mund, so dass sie sich auf der Zunge des Publikums ganz langsam entfalten können. Um so näher Tschirpke der Pointe kommt, steigert er das Sprechtempo. Und dann, das Publikum kann das schwarzhumorige Finale bereits erahnen, schießt er das Ende heraus und herzhaftes Lachen schwappt gegen die Schaufenster der Buchhandlung.

Egal, ob dieser jungenhafte Satiriker über alte Meister oder banale Tätigkeiten wie Staubwischen spricht, ob er gesellschaftskritisch den lyrischen Zeigefinger hebt oder auf einer geliehenen Akustikgitarre klimpert, das Rathenower Publikum ist begeistert. Was dieser sympathische Schlaumeier darbietet gefällt. „Ich bin beeindruckt von so viel überschäumender Fantasie“, bedankt sich eine begeisterte Susan Schwarzlose nach einer Stunde. Nicht wenige Gäste lassen sich noch ihr Tschirpke-Buch signieren und sind insgeheim ein bisschen Stolz auf diesen Sohn der Stadt.

Von Christin Schmidt

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