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Marianne Schulze verlässt Ortsbeirat

Zeestow: Abschied von der Politik Marianne Schulze verlässt Ortsbeirat

Jahrzehntelang leitete Marianne Schulze die Geschicke von Zeestow. So sorgte sie unter anderem in der turbulenten Nachwendezeit dafür, dass der Ort sich entwickelt und nicht den Anschluss verliert. Zuletzt war sie Vize-Ortsvorsteherin des heutigen Brieselanger Ortsteils. Nun hat sie ihren Abschied von der Kommunalpolitik gegeben.

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Marianne Schulze hat viel für den Ort getan, jetzt haben die Familie und der Garten Vorrang.

Quelle: Andreas Kaatz

Zeestow. Eine kleine Ära ist im Brieselanger Ortsteil Zeestow zu Ende gegangen. Vor ein paar Tagen hat Marianne Schulze den Ortsbeirat verlassen. Für viele Zeestower eine ungewohnte Situation, denn die Entwicklung des kleinen Ortes ist seit Jahrzehnten eng mit dem Namen Marianne Schulze verbunden. Vor allem die Pflege ihres Mannes hat die 64-Jährige letztlich zu diesem Schritt bewogen. „Aber ich kann mich jetzt auch mehr um meine zwei Enkelkinder kümmern und all das machen, was ich möchte“, sagt sie.

Denn allzu viel Freizeit hatte sie in der Vergangenheit nicht. Die Kommunalpolitik forderte ihren ganzen Einsatz. „Die Bürger dachten manchmal, ich müsste Tag und Nacht im Büro sitzen“, sagt sie schmunzelnd. Doch sie machte die Arbeit gern, nahm die Herausforderung an, kümmerte sich um die Entwicklung von Zeestow und um die Menschen, die dort leben.

Als Marianne Schulze 1988 als Bürgermeisterin dorthin kam, hatte sie bereits Erfahrungen in der Kommunalpolitik. Von 1984 an war sie Rathauschefin in Wustermark gewesen. Dann kam die Wende und damit wohl eine der spannendsten Zeiten in ihrem Berufsleben. „Damals dachte ich mir: Trete ich gleich ab? Doch ich hatte mir nichts zu schulden kommen lassen.“ Marianne Schulze blieb und wurde im Mai 1990 „mit ziemlich großer Mehrheit“ zur Bürgermeisterin gewählt. „Das hat mir Mut und Kraft gegeben.“

Fortan wollte sie das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen. Schriften der Adenauer- und Ebert-Stiftungen unter anderem zum Baurecht bildeten in jener Zeit ihre Nachtlektüre. Die Mühe lohnte sich. „Wir waren die Dritten im Landkreis, die Planungsrecht ausgeübt haben“, ist sie noch heute stolz. Das war wichtig, um das angestrebte Gewerbegebiet zu entwickeln, mit dem man die Arbeitslosenquote von 40 Prozent senken wollte.

Das Projekt Gewerbegebiet bescherte der Sozialdemokratin Marianne Schulze dann auch nachhaltige Erfahrungen in Vermögensauseinandersetzungen. Denn über die auserkorene Fläche hielt neben Privatleuten auch die BVVG ihre Hand. Die Bodenverwertungsgesellschaft des Bundes witterte Morgenluft, wollte 150 Euro für den Quadratmeter Acker. Doch die Bürgermeisterin pokerte und so bekam Zeestow die Fläche am Ende für ein Zehntel. 1995 kamen die ersten Firmen. Daneben gab es diverse andere Bau- sowie Vorhaben- und Erschließungspläne, darunter den für den Campingplatz. „Ob alle Entscheidungen damals richtig waren, möchte ich nicht behaupten. Aber wer nie etwas unterschrieben hat, der wird auch nie Fehler machen“, meint die Zeestowerin, die ab 1992 – mit der Ämterbildung – „nur“ noch ehrenamtliche Bürgermeisterin war. Zu ihren schönsten Erinnerungen gehört, dass die damalige Sozialministerin Regine Hildebrandt 1998 den Zeestowern die Urkunde als familienfreundliche Gemeinde überreichte.

Der nächste Einschnitt folgte 2003. Mit der Eingemeindung nach Brieselang gab es keine eigenständige Gemeinde Zeestow mehr, nur noch den Ortsteil. Der Ortsbeirat ersetzte die Gemeindevertretung und damit sank der Einfluss. „Die erste Zeit fühlten wir uns nicht ernst genommen. Wir konnten nur noch Stellungnahmen abgeben“, sagt sie. Manche Projekte wie der Umbau der Bushaltestelle oder der Spielplatz hätten sechs Jahre gedauert. „So lange haben wir vorher nicht benötigt, auch wenn das Geld nicht da war“, meint sie. „Wir haben damals gekämpft“, sagt Marianne Schulze, zuletzt stellvertretende Ortsvorsteherin. Eines aber hat sie in ihrer aktiven Zeit besonders gefreut: „Die Stimmung im Ort war immer gut – vor allem in der 90er-Jahren, aber auch danach.“

Von Andreas Kaatz

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