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Martin Keune ist ein „guter Deutscher“

Flüchtlingspaten Syrien Martin Keune ist ein „guter Deutscher“

Radio, Zeitung, Fernsehen – der Wahlhavelländer Martin Keune steht derzeit laufend vor der Kamera, um von den Flüchtlingspaten Syrien zu erzählen. Im März hatte Keune den Verein gegründet mit dem Ziel, Familienangehörige von syrischen Flüchtlingen sicher nach Deutschland zu holen und sie auch hier weiterhin zu unterstützen.

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Khaji (71, im Rollstuhl) und Baderkhan (86), werden von ihrem Sohn Cheredin (49) und Martin Keune in Berlin in Empfang genommen.

Quelle: Flüchtlingspaten

Berlin. Im Zuge der Griechenland-Krise und angesichts steigender Übergriffe auf Flüchtlingsheime macht der Begriff „Ugly German“ – der hässliche Deutsche – in ausländischen Medien die Runde. Natürlich weiß die deutsche Seele, auch hierzulande gibt es weiße wie schwarze Schafe. Das beweist unter anderem das Handelsblatt, das kürzlich über „Good Germans“ – gute Deutsche – berichtete. Zu ihnen gehört Martin Keune - Wochenend-Semliner, Inhaber einer Berliner Werbeagentur, Krimiautor und Herausgeber der Semliner Hefte. Er gründete Anfang des Jahres mit weiteren Mitstreitern den Verein Flüchtlingspaten Syrien mit dem Ziel, Angehörige syrischer Flüchtlinge die bereits in Deutschland sind, aus dem Kriegsgebiet zu holen.

Ab zehn Euro im Monat kann man als Pate Leben retten. Für Baderkhan (86) und Khaji (71) hat Martin Keune die Patenschaft übernommen. Ihr Sohn Cheredin lebt bereits in Deutschland, jetzt sind auch seine Eltern nach einer langen und gefährlichen Reise, die in Al-Qamishli im Nordosten Syriens begann und am 30. Juli in Berlin endete, endlich in Sicherheit. Martin Keune bürgt für Baderkhan und seine Frau Khaji, er hat sich verpflichtet für ihren Lebenunterhalt aufzukommen – und das für den Rest seines Lebens. So schreibt es das Berliner Landesaufnahmeprogramm vor.

Bürger springen für den Staat ein

„Der Staat schiebt seine humanitäre Pflicht anerkannten Kriegsflüchtlingen gegenüber ein Leben lang auf uns Bürger ab“, sagt Martin Keune. Dennoch ist er Pate geworden, denn wie seine Mitstreiter kann er die Augen vor dem offensichtlichen Leid nicht verschließen. Für Baderkhan und Khaji war dies der einzige Weg, legal nach Deutschland einzureisen. Keune wusste nicht viel über das Paar, aber ihm war bekannt, dass ihr Bett eine Matratze auf dem Boden sein sollte, so kennen sie es aus ihrer Heimat und so sieht auch der Schlafplatz in ihrer neuen Wohnung aus, die ihnen der Verein Dank Spenden komplett eingerichtet zur Verfügung stellt.

Die Bereitschaft etwas zu geben ist sehr groß, weiß Keune. Würde man alle gespendeten Handtücher hintereinander auslegen, die Linie würde von hier bis nach Syrien reichen, erzählt der „gute Deutsche“ dem Handelsblatt. Weit weniger Menschen sind bereit eine Verpflichtungserklärung zu unterzeichnen.

Bisher elf Menschenleben gerettet

Mit Baderkhan und Khaji haben die Flüchtlingspaten bisher elf Menschen aus Syrien herausholen können. Bis Jahresende sollen etwa 20 dazu kommen, hofft Keune. 11 000 Euro stehen dem Verein mittlerweile monatlich zur Verfügung, davon können derzeit fünf Wohnungen finanziert werden. 15 Sprachlehrer üben mit den Flüchtlingen Deutsch, insgesamt unterstützen etwa 50 ehrenamtliche Helfer die Arbeit. „Der Verein ist für die Flüchtlinge auch noch in fünf oder sechs Jahren da“, macht Martin Keune deutlich. Mit seinem Engagement, das inzwischen einen großen Teil seines Alltags bestimmt, hat er längst die Aufmerksamkeit der nationalen Medien auf sich gezogen. Die Tagesschau hat ebenso über ihn und den Verein berichtet wie diverse Radiosender, Zeitungen und TV-Magazine. Bleibt zu hoffen, dass Martin Keune noch viele Menschen motiviert zu helfen und dass seine Geschichte auch bald bei internationalen Medien Aufmerksamkeit erregt.

Aufnahme syrischer Flüchtlinge in Deutschland

Die Chancen, syrische Flüchtlinge legal nach Deutschland zu holen, sind aktuell eng begrenzt.

Die Bundesrepublik Deutschland hatte sich bislang mit drei Aufnahmeprogrammen bereit erklärt, insgesamt 20.000 Flüchtlinge aus Syrien in Deutschland aufzunehmen Wichtiges Auswahlkriterium dabei ist eine familiäre Bindung nach Deutschland.

Die Bundesaufnahme ist weitgehend abgeschlossen, ein neues Aufnahmeprogramm des Bundes ist derzeit nicht in Sicht

Basierend auf einem Bundestagsbeschluss vom Juni 2013 hatten alle Bundesländer - bis auf Bayern - zusätzlich Länderprogramme installiert, über die Syrer/innen zu ihren Verwandten nach Deutschland einreisen können, wenn diese für ihren Lebensunterhalt aufkommen.

Die Länderaufnahmeregelungen sind unterschiedlich befristet, in Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz wurden die Programme nicht verlängert, in Berlin läuft das Programm Endes des Jahres aus, in Brandenburg bereits Ende September. Eine Verlängerung ist noch nicht geklärt.

Eine Aufnahmeregelung für Irakflüchtlinge gibt es bislang nicht.

Mehr Infos auf: www.fluechtlingspaten-syrien.de

 

Von Christin Schmidt

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