Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Marwa mag Kopftuch, Maram eher nicht

Brandenburgische Frauenwoche Marwa mag Kopftuch, Maram eher nicht

Schreibt es der islamische Glaube tatsächlich vor, dass Frauen ein Kopftuch tragen? Die beiden Kabbani-Schwestern aus Syrien, die mit ihrer Familie seit zwei Jahren in Rathenow leben, haben unterschiedliche Meinungen dazu. Marwa mag das Kopftuch und trägt es jeden Tag. Ihre Schwester Maram dagegen sagt: „Ich möchte nicht.“

Voriger Artikel
Wieder zwei Demos am Dienstag in Rathenow
Nächster Artikel
Rhinower Stadtverordnete beschließen Haushalt

Maram (links) und Marwa Kabbani aus Syrien leben seit zwei Jahren in Rathenow.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Kopftuch oder nicht? Das soll hier die Frage sein. Seitdem mehr und mehr Flüchtlinge im Westhavelland leben, kann man hier mehr und mehr Frauen mit der Kopfbedeckung sehen, die der islamische Glaube zu verlangen scheint. Aber ist das Tuch wirklich für alle Frauen Pflicht? Manche tragen es nämlich nicht. Die jetzt laufende 26. Brandenburgische Frauenwoche war Grund genug, um zwei noch ganz junge Frauen zu befragen, die es wissen müssen. Die aus Syrien stammenden Schwestern Marwa und Maram Kabbani sind vor zwei Jahren mit ihrer Familie nach Rathenow gekommen. Sie gehören mittlerweile zu den besten Schülern der Duncker-Oberschule. Die 17-jährige Marwa bekommt man nur mit Kopftuch zu sehen, ihre 15-jährige Schwester Maram dagegen nie.

Marwa wollte mit 15 das Kopftuch. Ihr Vater sagte, sie habe noch Zeit

Marwa erzählt, dass sie das Kopftuch seit zwei Jahren trägt. Warum? Damit die Männer ihre Haare nicht sehen und weil es Ausdruck ihres islamischen Glaubens ist, teilt sie mit. Ihr Vater habe damals gesagt, sie habe noch Zeit, mit 15 Jahren müsse sie das Kopftuch nicht tragen. „Nein“, habe Marwa da gesagt: „Ich möchte das jetzt.“ Und so tat sie es dann. Ihre Schwester Maram dagegen sagt: „Ich möchte nicht.“ Vom Alter her hätte sie dafür auch noch Zeit. Doch es klingt schon eher deutlich der ganzen Zukunft zugewandt, wenn sie sinniert: „Ich denke, ich nehme kein Kopftuch.“ Und der islamische Glaube? „Ja, ich bin eine Muslima“, bekräftigt Maram da. Den Fastenmonat Ramadan, den halte sie ein. Das tägliche Gebet, das sei für sie Pflicht. Allerdings, fünfmal am Tag, wie es die Vorschrift verlangt, das schaffe sie manchmal nicht.

Die beiden Kabbani-Schwestern haben Syrien zusammen mit Mutter, Vater und ihrer kleinen Schwester vor vier Jahren verlassen. Die Eltern gingen zunächst in den Libanon und kamen am 13. März 2014 in Deutschland an. Die Familie möchte hier bleiben, aus dem einfachen Grund, weil Frieden ist. Beide Schwestern wollen in Rathenow ihr Abi machen. Marwa weiß jetzt schon genau, dass sie so wie ihr Vater Chemie studieren will. Das zweite Fach sollte Englisch oder Spanisch sein und dann will sie Lehrerin werden. Maram möchte auch studieren und vielleicht Rechtsanwältin werden, aber das weiß sie jetzt noch nicht so genau.

Von Klasse 6 bis 12 gibt es für Mädchen und Jungen getrennte Schulen

Mal angenommen, es wäre nicht zum Krieg in Syrien gekommen: Wie anders würde das Leben der Kabbani-Schwestern dort sein? Sie erzählen, sie müssten Schuluniform tragen und dürften nicht anziehen, was sie wollen. Make-up in der Schule wäre verboten und ihr Haar dürften sie nicht offen tragen. Bis zur 5. Klasse gehen Mädchen und Jungen in gemeinsame Schulen. Von Klasse 6 bis 12 gibt es separate Schulen für Mädchen und Jungen. Universitäten können wieder gemeinsam besucht werden.

So etwa ein Viertel aller Frauen, erzählen Marwa und Maram, gingen damals in Syrien ohne Kopftuch aus. Einige wenige trugen Schleier. Frauen dürften dort auch ohne Begleitung auf die Straße gehen, selbst Auto fahren und alleine schoppen. Im Unterschied zu Deutschland könnten junge Mädchen dort schon mit 15 Jahren heiraten – aber nur, wenn sie es selber wollen. Für Maram und Marwa steht eine frühe Ehe aber derzeit gar nicht zur Debatte. Sie wollen erst mal studieren und danach weiter sehen.

Von Bernd Geske

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg