Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Marwa mag Kopftuch, Maram eher nicht
Lokales Havelland Marwa mag Kopftuch, Maram eher nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:38 11.03.2016
Maram (links) und Marwa Kabbani aus Syrien leben seit zwei Jahren in Rathenow. Quelle: Bernd Geske
Anzeige
Rathenow

Kopftuch oder nicht? Das soll hier die Frage sein. Seitdem mehr und mehr Flüchtlinge im Westhavelland leben, kann man hier mehr und mehr Frauen mit der Kopfbedeckung sehen, die der islamische Glaube zu verlangen scheint. Aber ist das Tuch wirklich für alle Frauen Pflicht? Manche tragen es nämlich nicht. Die jetzt laufende 26. Brandenburgische Frauenwoche war Grund genug, um zwei noch ganz junge Frauen zu befragen, die es wissen müssen. Die aus Syrien stammenden Schwestern Marwa und Maram Kabbani sind vor zwei Jahren mit ihrer Familie nach Rathenow gekommen. Sie gehören mittlerweile zu den besten Schülern der Duncker-Oberschule. Die 17-jährige Marwa bekommt man nur mit Kopftuch zu sehen, ihre 15-jährige Schwester Maram dagegen nie.

Marwa wollte mit 15 das Kopftuch. Ihr Vater sagte, sie habe noch Zeit

Marwa erzählt, dass sie das Kopftuch seit zwei Jahren trägt. Warum? Damit die Männer ihre Haare nicht sehen und weil es Ausdruck ihres islamischen Glaubens ist, teilt sie mit. Ihr Vater habe damals gesagt, sie habe noch Zeit, mit 15 Jahren müsse sie das Kopftuch nicht tragen. „Nein“, habe Marwa da gesagt: „Ich möchte das jetzt.“ Und so tat sie es dann. Ihre Schwester Maram dagegen sagt: „Ich möchte nicht.“ Vom Alter her hätte sie dafür auch noch Zeit. Doch es klingt schon eher deutlich der ganzen Zukunft zugewandt, wenn sie sinniert: „Ich denke, ich nehme kein Kopftuch.“ Und der islamische Glaube? „Ja, ich bin eine Muslima“, bekräftigt Maram da. Den Fastenmonat Ramadan, den halte sie ein. Das tägliche Gebet, das sei für sie Pflicht. Allerdings, fünfmal am Tag, wie es die Vorschrift verlangt, das schaffe sie manchmal nicht.

Die beiden Kabbani-Schwestern haben Syrien zusammen mit Mutter, Vater und ihrer kleinen Schwester vor vier Jahren verlassen. Die Eltern gingen zunächst in den Libanon und kamen am 13. März 2014 in Deutschland an. Die Familie möchte hier bleiben, aus dem einfachen Grund, weil Frieden ist. Beide Schwestern wollen in Rathenow ihr Abi machen. Marwa weiß jetzt schon genau, dass sie so wie ihr Vater Chemie studieren will. Das zweite Fach sollte Englisch oder Spanisch sein und dann will sie Lehrerin werden. Maram möchte auch studieren und vielleicht Rechtsanwältin werden, aber das weiß sie jetzt noch nicht so genau.

Von Klasse 6 bis 12 gibt es für Mädchen und Jungen getrennte Schulen

Mal angenommen, es wäre nicht zum Krieg in Syrien gekommen: Wie anders würde das Leben der Kabbani-Schwestern dort sein? Sie erzählen, sie müssten Schuluniform tragen und dürften nicht anziehen, was sie wollen. Make-up in der Schule wäre verboten und ihr Haar dürften sie nicht offen tragen. Bis zur 5. Klasse gehen Mädchen und Jungen in gemeinsame Schulen. Von Klasse 6 bis 12 gibt es separate Schulen für Mädchen und Jungen. Universitäten können wieder gemeinsam besucht werden.

So etwa ein Viertel aller Frauen, erzählen Marwa und Maram, gingen damals in Syrien ohne Kopftuch aus. Einige wenige trugen Schleier. Frauen dürften dort auch ohne Begleitung auf die Straße gehen, selbst Auto fahren und alleine schoppen. Im Unterschied zu Deutschland könnten junge Mädchen dort schon mit 15 Jahren heiraten – aber nur, wenn sie es selber wollen. Für Maram und Marwa steht eine frühe Ehe aber derzeit gar nicht zur Debatte. Sie wollen erst mal studieren und danach weiter sehen.

Von Bernd Geske

Havelland Protest auf Rathenows Straßen - Wieder zwei Demos am Dienstag in Rathenow

Rund 1000 Menschen waren am 5. März in Rathenow auf die Straße gegangen. Die eine Hälfte aus Angst vor Islamisierung und Hass auf Fremde, die andere aus Protest gegen diesen Hass und aus Angst vor einem Rechtsruck in der Gesellschaft. Ein Ende der Kundgebungen in der havelländischen Kreisstadt ist noch immer nicht in Sicht.

11.03.2016

Dieter Musold vom Verein zur Förderung, Pflege und Erhaltung der optischen Traditionen in Rathenow hielt am Donnerstag im Kulturzentrum einen Vortrag über die Geschichte der Brillenglasfertigung. Das Datum 10. März war bewusst gewählt, weil am 10. März 1801 der Rathenower Johann Heinrich August Duncker das Patent für seine Vielschleifmaschine bekam.

11.03.2016
Polizei Unglaublicher Vorfall in Wustermark - Körperverletzung: Polizei sucht Frau mit Hut

Wegen eines unglaublichen Vorfalls in einem Bus in Wustermark (Havelland) sucht die Polizei nach einer mittelalten Frau mit Hut. Der Fall hat sich bereits im November ereignet, jetzt konnte ein Bild der Frau veröffentlicht werden. Die Polizei bittet um Hinweise, denn es geht um Körperverletzung.

11.03.2016
Anzeige