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Havelland „Mehr Jäger würden mehr Tiere zur Strecke bringen“
Lokales Havelland „Mehr Jäger würden mehr Tiere zur Strecke bringen“
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02:15 08.02.2018
Auch Schweinezüchter im Havelland fürchten sich vor der Afrikanischen Schweinepest. Quelle: Fotolia
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Havelland

Die Schweinepest macht sich breit. Auch die Angst davor. Amtstierärztin Dörte Wernecke spricht mit der MAZ über Anreize für Jäger, höhere Hygienestandards und die Ausbreitungswege der Tierseuche.

Ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die Afrikanische Schweinepest auch im Havelland ausbricht?

Dörte Wernecke: Die Ausbreitung erfolgt jedenfalls sehr schnell. In wenigen Jahren hat sich das Virus über Russland und Osteueropa ausgebreitet und mittlerweile Tschechien und Polen erreicht. Jedes Jahr kommt es ein paar 100 Kilometer näher.

Lässt sich abschätzen, wann die Seuche das Havelland erreicht?

Das kann man überhaupt nicht sagen. Das kann in diesem Sommer passieren, in fünf Jahren oder vielleicht auch gar nicht.

Wie äußert sich die Krankheit bei den Wildschweinen?

Die Tiere werden schläfrig, fangen an, mit den Beinen zu rudern, können sich nicht mehr richtig bewegen und sterben sechs bis zehn Tage nach Ausbruch der Krankheit. Bei Hausschweinen färbt sich auch die Haut bläulich.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Die Tiere stecken sich untereinander an. Die Übertragung erfolgt über Körperflüssigkeiten, insbesondere Blut. Auch der Mensch trägt wesentlich zur Ausbreitung der Krankheit bei, etwa wenn Lkw-Fahrer kontaminierte Wurst- und Fleischreste in der Landschaft liegen lassen, die dann von Wildschweinen gefressen werden. Je größer die Wildschweinpopulation desto schneller die Ausbreitung.

Wie hoch sind die Wildschweindichten im Havelland?

Der Durchschnitt liegt bei 8 bis 12 Tieren auf 100 Hektar. Nördlich von Potsdam sogar bei mehr als 20 Tieren. Zum Vergleich: In Bayern leben nur 0 bis 4 Schweine auf 100 Hektar. Ein gut verträglicher Bestand wäre bei etwa 2 Tieren je 100 Hektar erreicht.

Ist das Virus auch für Menschen oder andere Arten gefährlich?

Nein, die Afrikanische Schweinepest ist eine reine Schweinekrankheit.

Was sagen Sie zu der vagen Vermutung, der Wolf könnte für die Verbreitung des Virus mitverantwortlich sein?

Da darf man die Dinge nicht vermischen. Die Übertragungswege sind ja bekannt. Die Krankheit wird von Schwein zu Schwein übertragen oder indirekt durch den Mensch. Dass der Wolf Überträger sein könnte, halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Als Argument wird auch vorgebracht, dass sich der Wolf und die Schweinepest beide in kurzer Zeit von Osten kommend ausgebreitet haben. Was sagen Sie dazu?

Wenn man sich die Ausbreitungswege anguckt, gibt es eigentlich kaum Überschneidungen: Die Afrikanische Schweinegrippe hat sich aus dem Schwarzmeerbereich Richtung Norden ausgebreitet und nähert sich jetzt vom Baltikum, Polen und Tschechien her der deutschen Grenze. Die Wölfe aus Deutschland stammen von einer lokalen Wolfspopulation in Polen ab. Auch der Zeitraum der Ausbreitung passt nicht zueinander.

Was können Schweinehalter tun, um ihre Bestände zu schützen?

Auch für kleine Schweinehalter ist es empfehlenswert stärkere Hygienesicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Also die Schuhe wechseln, wenn man in den Schweinestall geht und einen Wild sicheren Zaun ums Grundstück ziehen. Wenn die Schweine draußen gehalten werden, braucht man einen doppelten Zaun, um einen direkten Kontakt zwischen Wildschweinen und Hausschweinen auszuschließen.

Wie viele Hausschweine gibt es überhaupt im Landkreis?

Die meisten Schweine leben im Westhavelland. Größere Schweinebetriebe gibt es bei Hohennauen, Zollchow, Bützer und Rhinow. Insgesamt sind es rund 30 000 Tiere.

Damit die Seuchengefahr sinkt, müssten die Wildschweinbestände deutlich zurückgehen. Haben die Abschüsse schon spürbar zugenommen?

Die Jäger tun, was sie können. Einen exponentiellen Anstieg der Abschüsse gibt es aber nicht. Wegen der milden Winter und der guten Futtersituation wächst die Schweinepopulation weiter.

Welche Anreize gibt es für die Jäger mehr Schweine zu schießen?

Mit dem im April beginnenden Jagdjahr 2018/2019 zahlt das Land 50 Euro für jedes Wildschwein, das zusätzlich zur Jagdstrecke vom Vergleichsjahr 15/16 erlegt wurde.

Welche Möglichkeiten sehen Sie noch, den Schwarzwildbestand deutlich zu verringern?

Die Jägerschaft versucht, junge Jäger auszubilden. Mehr Jäger würden auch mehr Wildschweine zur Strecke bringen können. Am effektivsten sind Treib- und Drückjagden. Falls die Seuche ausbricht, würden wir auch große Lebendfallen aufstellen, in denen die Schweine dann erlegt werden müssen. Im Seuchenfall könnten auch Berufsjäger die Jäger in der Region unterstützen.

Um den Jagdanreiz zu erhöhen, wünschen sich Jäger den Wegfall der Kosten von 5 Euro für die Fleischbeschau. Und – bei Bedarf – die Übernahme der Kosten für die Kadaverentsorgung von bis zu 40 Euro. Was halten Sie davon?

Mit der 50-Euro-Prämie gibt es schon einen Anreiz von Landesseite. Zudem hat der Landkreis bereits 2017 die Kosten für die Trichinuntersuchung von 10 auf 5 Euro gesenkt. Die Übernahme weiterer Kosten für Fleischbeschau oder Kadaverentsorgung ist zur Zeit nicht angedacht.

Von Ralf Stork

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