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Havelland Mehr Lehrer braucht das Land
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00:19 15.01.2018
Die Oberschule Falkensee liegt Ute Jahnke besonders am Herzen. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Falkensee

Wenn’s drauf ankommt, dann singt Ute Jahnke einfach. Nicht, weil sie so eine begnadete Stimme hat, sondern weil sie das Lied „Deine Schuld“ von den Ärzten so mag. „Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Die Zeilen des Liedes sprechen ihr aus dem Herzen. Ute Jahnke ist keine, die irgendwo meckert und labert und dann wieder in ihren Alltagstrott verfällt. Sie will mitmachen, mitgestalten, mitreißen. Seit jüngstem auch als Vorsitzende des Havelländischen Kreisschulbeirates.

Die aufgeweckte Abiturientin studierte an der Freien Universität Berlin Betriebswirtschaft und sah sich dann erst mal die Welt an: jobbte in Kanada, zog mit Rucksack ein halbes Jahr durch Australien. Wieder in Deutschland arbeitete sie als Softwareberaterin und gründete später eine Familie. „Mein erster Sohn war neun Tage alt, da zogen wir nach Falkensee“, sagt sie. Und: „Ich kannte keinen.“

Das hat sich gründlich geändert, denn Ute Jahnke geht auf Leute zu. Heute ist sie vielseitig vernetzt. „Ich wollte mit den beiden Kindern nicht zuhause sitzen, ich wollte was machen im Ehrenamt“, erinnert sie sich an ihren eigenen Antrieb. Und da ging sie den ganz kurzen Weg: den zur Kita ihrer Kinder. Ute Jahnke half ehrenamtlich im Kitabüro, war die Excel-Königin der Einrichtung, gab den Erzieherinnen Einzel-Schulungen am Computer, half beim Organisieren des Sommerfestes, machte Telefondienst. Als die alte Kita „Burattino” in einen Hort umgewandelt wurde, folgte sie der ehemaligen Leiterin quer durch die Stadt in die Kita “Sonnenstrahl”, wo sie inzwischen ein gern gesehenes Mitglied des Teams ist. Ansonsten brachte sie sich eine Weile in der Bürgerinitiative Lindenweiher ein und ist seit drei Jahren als Wahlhelferin aktiv.

Als die Jungs zur Lessing-Grundschule kamen, dauerte es nicht lange und sie war Elternvertreterin, später stellvertretende Schulelternsprecherin und Mitglied der Schulkonferenz. Ähnlich war es, als der ältere Sohn an die Oberschule Falkensee im Poetenweg wechselte. Dort übernahm sie in den Gremien gleich die Führung.

„Das Wichtigste ist die Kommunikation“, sagt sie zu ihrer Arbeit. „Wenn ich was organisiere, dann klappt es auch.“ Energiegeladen bewältigt sie die Aufgaben, macht viel selbst, lernt das Delegieren und sorgt mit ihrem „Zack, zack“ für Tempo. Denn sie will etwas erreichen. Bei der Oberschule freut sie sich, dass die Einrichtung inzwischen ein viel besseres Image hat als vor Jahren. „20 bis 30 Prozent unserer Absolventen haben sehr gute Noten und damit die Möglichkeit, auf der Kant-Gesamtschule oder dem Nauener Oberstufenzentrum Abitur zu machen“, sagt sie, „das wissen viele nicht.“ Für Ute Jahnke ist „Oberschule“ eine Schule mit Chancen, keine Sackgasse. „Viele haben da völlig falsche Vorstellungen“, hat sie beobachtet und wird nicht müde für ihre Schule zu trommeln.

Dabei hat sie längst mehr im Blick als nur die Falkenseer Schulen. Nachdem sie im März vergangenen Jahres darum gebeten wurde, kommissarisch den Kreiselternrats-Vorsitz zu übernehmen, hat sie nach den Sommerferien zusätzlich für den Vorsitz des Kreisschulbeirates kandidiert. Niemand sonst wollte diese beiden Posten, die sie jetzt mit hochgekrempelten Ärmeln angeht. In dem Gremium sitzen jeweils acht gewählte Vertreter der Eltern, Lehrer und Schüler des Landkreises.

Oberschule stellt sich Sonnabend vor

Die Oberschule Falkensee lädt für Sonnabend, den 13. Januar, von 9 bis 13 Uhr alle Interessierten zum Tag der offenen Tür in den Poetenweg 30 (Ecke Drosselstraße) im Ortsteil Finkenkrug ein.

Eingeladen sind vor allem Schüler der 5. und 6. Klassen sowie deren Eltern, die sich persönlich einen Eindruck von der Schule verschaffen wollen.

Die Besucher werden in Kleinstgruppen durch Schüler herumgeführt. In den verschiedenen Fachräumen (Chemie, Physik, Biologie, Musik) ist Anfassen ausdrücklich erlaubt, und Lehrer beantworten gerne alle Fragen.

Gegen 10 Uhr wird Rektorin Kerstin Bachmann in der Cafeteria einen Vortrag über Struktur und Organisation der Schule halten, der sich eher an die Eltern richtet. Anschließend bietet die Küche kleine Kostproben an.

Die Oberschule ist eine Ganztagsschule, das Gebäude wurde im Schuljahr 2008/2009 komplett saniert. Die Schule stammt aus DDR-Zeiten, in der sie die Polytechnische Oberschule „Erich Weinert“ war.

Am 1. September 2009 begann das Zeitalter der Oberschule Falkensee. Sie war ein Zusammenschluss der beiden Oberschulen „Erich Weinert“ und „Friedrich Engels“.

Die Eltern kommen aus dem Kreiselternrat, in dem jede der 45 Schulen des Havellandes vertreten ist. „Wir zeigen Probleme auf, suchen nach Verbesserungsmöglichkeiten, stellen Forderungen und geben Empfehlungen“, sagt Ute Jahnke. „Und wenn der Landkreis oder das Schulamt in einer wichtigen Sache nicht zuständig ist, dann geben wir nicht auf, sondern wenden uns eine Ebene höher an den Landeselternrat.” Dort springt sie bei Bedarf selbst ein, falls die ständigen Abgesandten des Havellands verhindert sind.

Besonders wichtige Themen sind die Seiteneinsteiger bei den Lehrern und das Abitur nach 13 Jahren. „Viele Eltern wollen das Abitur erst in der 13. Klasse, was einer der Gründe ist, weshalb die Nachfrage nach Gesamtschulen so hoch ist“, sagt Ute Jahnke. Wenn über Schulstrukturen geredet wird, sollte auch über sogenannte Gemeinschaftsschulen nachgedacht werden, in denen Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet werden, sagt die 49-Jährige, die kein Anhänger des deutschen Föderalismus in Bildungsfragen ist. Und die Seiteneinsteiger sehen die Eltern mit gemischten Gefühlen, es gibt Schulen mit bis zu 50 Prozent Seiteneinsteigern.

„Wir haben zu viel Ausfallstunden, wir brauchen mehr Lehrer“, sagt sie, aber diese sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt Mangelware. „Solange die fehlenden Lehrerstellen nicht mit umfassend ausgebildeten Lehrern besetzt werden können, sind Seiteneinsteiger eine Notlösung. Manche sind hervorragend für den Beruf geeignet, manche weniger. Was nützt einem das beste Wissen, wenn man es nicht an die Schüler weitergeben kann? Hierfür wird ein Großteil des Lehramtsstudiums verwendet. Seiteneinsteiger bekommen dagegen erst nach Arbeitsbeginn einen kurzen Pädagogik-Crashkurs. Hier sehe ich noch Verbesserungspotenzial.” Und bei Sonderpädagogen hält sie Seiteneinsteiger für unmöglich, Psychologen vielleicht ausgenommen. Insgesamt setzt sie sich für mehr Personal ein: „Das heißt eine Umverteilung auf mehr Schultern und dadurch weniger Stress und Krankheiten, weniger Unterrichtsausfall, bessere Bildung für die Kinder. Wer eine gute Bildung genossen hat, bekommt eher einen gutbezahlten Job und zahlt mehr Steuern, anstatt vom Staat Sozialleistungen zu benötigen. Wenn der Staat also jetzt mehr in Bildung investieren würde, könnte er am Ende sogar mehr Geld wieder herausbekommen.“

Bei all dem will Ute Jahnke mitreden und mitmachen. Und wenn es sein muss, mitsingen: „Du musst nicht akzeptieren, was Dir überhaupt nicht passt, wenn du deinen Kopf nicht nur zum Tragen einer Mütze hast.“

Von Marlies Schnaibel

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