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Menschliche Abgründe im Museum Falkensee

Neue Ausstellung Menschliche Abgründe im Museum Falkensee

Man darf Gabriele Helbig gratulieren. Mit der ersten Ausstellung in diesem Jahr ist der Leiterin des Museums Falkensee ein Volltreffer gelungen. Das Haus präsentierte auf der Vernissage am Freitag zum Auftakt der Frauenwoche im Havelland faszinierende Arbeiten der Künstlerin Vanessa von Wendt. Auf den Bildern ist nichts so, wie es auf den ersten Blick erscheint.

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Vanessa von Wendt vor ihrem Gemälde „Zwischenzeitlich II“.

Quelle: Hans-Peter Theurich

Falkensee. Man darf Gabriele Helbig gratulieren. Mit der ersten Ausstellung in diesem Jahr ist der Leiterin des Museums Falkensee ein Volltreffer gelungen. Das Haus präsentierte auf der Vernissage am Freitag zum Auftakt der Frauenwoche im Havelland faszinierende Arbeiten der Künstlerin Vanessa von Wendt. Die Schau firmiert unter dem Titel „Unser zwischen uns“. Mit ihrer eigenwilligen Bildersprache gelingt es der 31-Jährigen, menschlichen Befindlichkeiten und seelischen Verwerfungen nachzuspüren.

Die meist großformatigen Werke zeigen ausgebreitete Arme, Umrisse von Körpern, die sich offenbar nahe kommen wollen und doch nicht zueinander finden. Die eindrucksvoll gestalteten Beziehungskisten erlauben Einblicke in die Psyche des modernen Menschen, der rastlos einer ungewissen Liebe hinterher hechelt und in sehnsüchtiger Isolation verharrt.

Das riesige Klapp-Triptychon „Stand ich, immer ohne dich“ von 2015 versammelt mehr als ein Dutzend nackter Leiber. Von Weitem eine grafisch aufgemöbelte Orgie, die sich bei näherer Betrachtung als optischer Alptraum entpuppt. Scheele Blicke, verkrampfte Umarmungen – und kopfüber stürzt ein Baby aus dem Himmel. Nichts ist so bei Vanessa von Wendt, wie es auf den ersten Blick erscheint.

„Zwischenzeitlich II“ – eine Arbeit von 2014. Ein nackter Frauenkörper ragt in einen Glasbehälter hinein, wie auch ein Sessel mit Kissen. Über dem Ensemble lastet eine dunkle Fläche und verleiht der Szenerie etwas Bedrückendes. Sieht so unser Dasein aus, unser Seelenhaushalt? Die Gemälde drängen auf Antworten, die sich jeder Betrachter selber geben muss.

Vanessa von Wendt wäre sicher eine ausgezeichnete Psychologin geworden. Aber sie hat lieber an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert. „Ich wollte mich nie beirren lassen“, sagt sie bei einem Rundgang durch ihre Ausstellung. Kein Wunder, dass der berühmte Maler Markus Lüpertz sie als Meisterschülerin akzeptierte. „Von ihm habe ich gelernt, selbstständig klarzukommen, meinen eigenen Weg zu gehen.“

Der Erfolg gibt ihr recht: zahlreiche Ausstellungen in ganz Deutschland, ob in Dortmund oder Hamburg. Im vergangenen Jahr zeigte die renommierte Galerie Pohl in Berlin-Pankow Werke von ihr. Und nun Falkensee.

„Das Triptychon bedeutet eine wichtige Vorstufe für meine neuen Bilder von 2016“, erzählt Vanessa von Wendt. Damit meint sie die Serie „Alles ist gut“. Von wegen: gut! Auf diesen Gemälden tauchen barocke Posen und Erinnerungen an Gestalten der Renaissance auf – das einzig Verbindende ist die jeweils dunkel gehaltene, weite Fläche: das Leben. Sämtliche Figuren, jede Silhouette eines Körperteils – alles schwebt wie in einem Traum vor sich hin. Bilder als Therapie für jene, die ihre Illusionen vom Glück hegen und pflegen.

Muss man sich Sorgen machen um eine junge Künstlerin, die dauernd psychische Abgründe erforscht und stumme Schreie nach Liebe auf Leinwänden verewigt? „Ich lebe mit meinem Mann und zwei Kindern in Falkensee, hier fühlen wir uns wohl“, sagt Vanessa von Wendt.

Von Hans-Peter Theurich

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