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Havelland Merkel, Teufel, Mozart – alle unter einem Dach
Lokales Havelland Merkel, Teufel, Mozart – alle unter einem Dach
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10:55 13.02.2018
Der Künstler an seiner Staffelei - Ludvik Glazer-Naudé erschafft faszinierende  Illustrationen und Gemälde in seinem Atelier in Falkensee. Quelle: Hans-Peter Theurich
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Falkensee

Götter, Engel oder Teufel – beim Falkenseer Illustrator Ludvik Glazer-Naudé sind sie alle im Atelier. Ihre Abbilder hängen zwischen den Dachbalken, an den Wänden oder liegen auf großen Stapeln. Besonders eindrucksvoll: Ein gehörntes Wesen mit boshaftem Blick und spitzen Mister-Spock-Ohren lässt einen großen Ring lässig um den manikürten linken Zeigefinger kreisen – Arroganz in Reinkultur. Der elegante Bösewicht war 1996 auf einem Titel der Zeitschrift Spiegel zu sehen, zum Thema „Lust am Bösen – der göttliche Teufel“.

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Götter, Engel oder Teufel – bei Illustrator Ludvik Glazer-Naudé aus Falkensee (Havelland) sind sie alle im Atelier zu finden. Ihre Abbilder hängen zwischen den Dachbalken, an den Wänden oder liegen auf großen Stapeln. Der Künstler, der einst gar ein Titelbild des Magazins „Der Spiegel“ gestaltete, erschafft faszinierende Illustrationen und Gemälde.

Ludvik Glazer-Naudé steht entspannt in seinem lichtdurchfluteten Atelier in Falkensee-Falkenhöh. Mehrere Bildschirme flackern, aber auch eine Staffelei gibt es am Fenster. Wenn ein Auftrag montags für ein Titelblatt kommt, ist es vorbei mit der Ruhe. Dann hat der Illustrator Zeit bis Donnerstag, maximal am Freitag ist Deadline, „Todeslinie“, also Termin der Abgabe. In diesen paar Tagen entstehen die Idee, der Entwurf und die Ausführung, meist am Computer mit Photoshop. Dabei werden die Figuren auf verschiedenen Ebenen gemalt und schließlich in das Bild eingefügt.

Ludvik Glazer-Naudé fühlt sich als Auftragskünstler: „Ich brauche ein Thema, ein Signal. Dann starte ich durch.“ Ist ein Job da, hat er große künstlerische Freiheit. Gern arbeitet er abends in der Dunkelheit, wenn nur der Bildschirm leuchtet. Das ist auch entspannend, sobald der Flow kommt, das große Fließen, wenn es flutscht. Dann sind Stress und Abgabetermin vergessen. Bis der Bote kommt, um den Entwurf abzuholen.

So kann es schon mal 35 Stunden ohne Schlaf gehen. Dabei entsteht ein Blatt etwa wie der Mozart-Titel „Das himmlische Kind“, ebenfalls für den Spiegel. Der kleine Wolfgang Amadeus steht mit seiner Geige auf der Mondsichel, über sich einen Himmel voller Noten wie bei Schinkels berühmtem Bühnenbild mit der Königin der Nacht für die Oper „Die Zauberflöte“.

„Wichtig ist für ein Titelblatt, dass die Geschichte mit ein paar Elementen aus dem kollektiven Gedächtnis angefüttert wird“, sagt der Maler. Leider muss es immer schneller gehen für die Kunden. Am liebsten würde er nur an der Staffelei malen und auf den Computer als Hilfsmittel ganz verzichten. „Die Eile in diesem Metier ist sehr frustrierend.“

Die Welt der Bilder

Ludvik Glazer-Naudé erinnert sich: „Ich war vielleicht sieben Jahre alt, als meine Mutter mir mit wenigen Strichen eine phantastische und surreale Schneelandschaft auf ein Briefpapier zeichnete.“ Seither betrachte er die Welt der Bilder mit „bewussteren Augen“, schreibt das Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

Von 1982 bis 1984 studierte er an der Fachhochschule für Visuelle Kommunikation in Hildesheim, dann an der Universität der Künste in Berlin. Seitdem ist er selbstständig für Theater, Buchverlage, Magazine, Zeitungen und Werbeagenturen tätig.

Bevorzugt arbeitet er mit Zeichenfeder, Tusche und Künstleracryl.

Aus der Zuneigung zu Mozarts Musik entstand ein Bilderbuch über die „Zauberflöte“. Liebenswürdige Bilder erzählen die Geschichte des Prinzen Tamino auf der Suche nach seiner Pamina. Das ist nur eines einer langen Reihe von Büchern, die Ludvik Glazer-Naudé illustriert hat. Ein Märchenbuch, ein Liederbuch, die Weihnachtsgeschichte und die Bibel gehören dazu. Darin fängt ein geradezu rührend besorgt aussehender Wal den armen Jonas auf, um ihn vorm Ertrinken zu retten.

Im Buch „Helden, Götter, Ungeheuer – die Welt der griechischen Mythen“ zeigt sich Ludvik Glazer-Naudés Nähe zu den Präraffaeliten, einer Künstlergruppe um 1845, die sich an der italienischen Renaissance orientierte und sehr duftige, romantische Bilder schuf. Die Bücher sind echte Bestseller und wurden zum Teil in acht Sprachen übersetzt. Die Galerie im Museum Falkensee zeigt die neuesten Bilder jeweils in einer Ausstellung.

1961 geboren in der slowenisch-österreichischen Grenzstadt Maribor, liebte er als Kind die Heiligenbildchen und Ikonen seiner Großmutter. Sie prägen ihn bis heute. „Mein Stil ist der magische Realismus bis hin zum Surrealismus.“ Wie in bunten Träumen fliegen Menschen durch die Luft, oder Frau Merkel schaut in den Spiegel und sieht Oskar Lafontaine. Von den holländischen Barockmeistern lässt sich der Falkenseer zu Landschaften inspirieren.

Ludvik Glazer-Naudé studierte in Hildesheim und Berlin, wo er seine Frau, die Opernsängerin Kristina Naudé, kennenlernte. Nach Falkensee zog die Familie mit Sohn und Tochter, weil die Sehnsucht nach der Natur in der Berlin-Kreuzberger Wohnung zu groß wurde. Beide Kinder gehen auf das Vicco-von-Bülow-Gymnasium. Sie haben das künstlerische Talent der Eltern geerbt. Die Tochter singt im Chor, der Sohn gestaltet die Plakate für die Auftritte.

„Ich liebe die Berge, und hier in Falkenhöh fühle ich mich zuweilen an das Heimatdorf meiner Großmutter erinnert. Es gibt in der Nachbarschaft sogar einen Hahn. Ich freue mich immer, wenn er kräht.“ Das weitläufige Atelier des Künstlers nimmt den größten Teil vom Obergeschoss des selbstgebauten schwedischen Holzhauses ein. Als Student bewunderte der Künstler den Illustrator und Porträtisten Michael Mathias Prechtl. „ Zu zeichnen wie er, war mein Ziel.“ Inzwischen wurden seine Werke gemeinsam mit Bildern von Prechtl ausgestellt.

Ludvik Glazer-Naudé arbeitet für alle großen Zeitschriften und Zeitungen, etwa Zeit, Cicero, Playboy und Wallstreet-Journal; für Film, Theater und Werbung. Der ehemalige Präsident des Deutschen Herzzentrums Berlin, Hubertus Moser, ließ sich von dem Künstler por-trätieren. Ludvik Glazer-Naudés Bilder waren in großen Ausstellungen zu sehen, etwa im Museum of American Illustration, New York, im Museum Deichtorhallen, Hamburg, in der C/O Galerie Berlin, im Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt/Main, oder in der Pinakothek der Moderne, München.

Exemplare seiner Plakate befinden sich in der Sammlung der Kunstbibliothek Berlin. Wenn er nicht malt, unterrichtet er Zeichnen und Grundlagen der visuellen Gestaltung an einer Köpenicker privaten Kunsthochschule. Oder er geht in Falkensee spazieren.

Von Judith Meisner

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