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Havelland Michael Student wagt Neustart in Tangermünde
Lokales Havelland Michael Student wagt Neustart in Tangermünde
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06:45 13.08.2016
Michael Student in seiner Tangermünder Wohnung mit seinem neuesten Werk. Quelle: Foto: Markus Kniebeler
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Rathenow/Tangermünde

Also schlecht angetroffen hat er es nicht. Mit unverhohlenem Stolz führt Michael Student den Besucher durch den herrschaftlichen Garten und dann hinauf in seine Wohnung. Unterm Dach einer Fabrikantenvilla in der Arneburger Straße in Tangermünde wohnt er seit Anfang Mai zur Miete. Eine Wohnung mit Charme – nicht riesig groß, aber mit hohen Decken, großen Fenstern und dem gewissen Etwas. „Hier habe ich mich von der ersten Sekunde an wohl gefühlt“, sagt Student. Man glaubt ihm sofort.

Tangermünde also. Viele, die sich für havelländische Kultur interessieren sind, werden sich schon längst gefragt haben, wo Michael Student abgeblieben ist. Seit gut einem Jahr hat man von dem Mann nichts mehr gehört und gesehen. Was bei anderen Künstlern kein Grund zur Verwunderung wäre, erstaunt bei Michael Student um so mehr. Der heute 62-Jährige war – und das ist keine Übertreibung – das Gesicht der Rathenower Kunstszene. 1998 kam der gebürtige Ascherslebener, der in Döberitz aufgewachsen ist, nach Rathenow. Ein Jahr später gründete er den Rathenower Künstlerkreis. 2001 zog diese Gruppe, der zeitweise über ein Dutzend Mitglieder angehörten, in das Offene Atelier in der Schleusenstraße. Man traf sich einmal in der Woche – entweder zum Malen oder zum Gedankenaustausch. Und organisierte Aktionen, die das kulturelle Leben in der Stadt bereicherten – Ausstellungen, Workshops, Auktionen. Student hatte immer die Fäden in der Hand. Und egal, wann man an dem Raum neben der Bibliothek vorbeikam – meist sah man den Maler in seine Arbeit vertieft an der Staffelei stehen.

Doch schon bald bekam das harmonischen Miteinander erste Risse. Immer wieder verließen Mitglieder die Gruppe – manche resigniert, andere im Zorn. Nicht alle kamen mit dem Leitwolf gut zurecht. Die einen stießen sich an seiner bestimmenden Art, andere neideten ihm seinen Erfolg. Ein Streit landete sogar vor Gericht.

Seit diesem Tiefpunkt war der enthusiastische Geist der Gruppe, der anfangs so viele angesteckt hatte, dahin. Ein Teil der Mitglieder spaltete sich ab, und als 2012 das Offene Atelier aus seinem Domizil in der Schleusenstraße raus musste und eine Bleibe im Kulturzentrum fand, da war zu spüren, dass es mit dem Künstlerkreis zu Ende geht.

Student selbst kappte im vergangene Jahr das Band. Zog sich aus der Szene zurück und konzentrierte sich auf seine Malkurse an den Volkshochschulen in Rathenow, Stendal, Genthin – und Tangermünde. Die Reize der Stadt am Zusammenfluss von Elbe und Tanger wirkten schon seit einiger Zeit auf ihn ein. Und als dann der Absprung aus Rathenow beschlossene Sache wurde, war Tangermünde so etwas wie die logische Alternative.

„Das Kapitel Rathenow war irgendwann für mich abgeschlossen“, sagt er. Es seien aufregende und auch beglückende Jahre gewesen, aber irgendwann habe eben alles sein Ende. „Am Ende fehlte einfach die Lust, in Rathenow noch irgendwas zu machen. Da wusste ich, dass es Zeit war für einen Neuanfang.“

In Tangermünde lässt Michael Student es, was das Gemeinschaftliche angeht, etwas ruhiger angehen. Zwar ist er Mitglied im Kultur- und Museumsverein der Stadt, zwar ist er der Künstlergruppe Altmark freundschaftlich verbunden – aber die Zügel in die Hand nehmen, um bestimmen zu können, wo’s lang geht, will er nicht mehr. Stattdessen konzentriert er sich auf seine Arbeit und seine Kunst. Und auch dort beschreitet er neue Wege. Seit einiger Zeit trainiert – so muss man es nennen – er eine Malart namens Speed-Painting. Dabei geht es darum, dass der Maler in kürzester Zeit ein Bild auf die Leinwand bringt. Und zwar vor Publikum, dessen verblüffte Reaktion – wenn der Künstler sein Metier beherrscht – der Lohn für die Arbeit ist. „Das ist, wenn man das traditionelle Malen gewohnt ist, etwas ganz Neues“, sagt Student. „Anstrengend, kräftezehrend, eine extreme Herausforderung.“ Wenn schon Neuanfang, dann richtig, denkt man. Und kaum hat man’s gedacht, beendet Student die kleine Gesprächspause und sagt: „Wenn schon Neuanfang, dann richtig.“ Und lacht.

Von Markus Kniebeler

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