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Havelland Migrationsberater stehen Flüchtlingen zur Seite
Lokales Havelland Migrationsberater stehen Flüchtlingen zur Seite
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02:15 20.02.2017
Björn Steinberg (links), Leiter der Migrationsberatungsstelle, mit Hassan Al Sharkawi, einem Flüchtling aus Syrien. Quelle: Bernd Geske
Rathenow

Die Freude ist nur schwer nachzuempfinden: Hassan Al Sharkawi, ein Bürgerkriegsflüchtling aus Syrien, konnte in dieser Woche nach einer schier endlosen Zeit des Wartens in Rathenow seine Frau und die fünf kleinen Kinder in Empfang nehmen. Der Familiennachzug hat endlich geklappt. Dieses freudige Ereignis bringt für die Migrationsberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) jede Menge Arbeit mit. Eine Wohnung muss beschafft werden, Kita- und Schulplätze sind zu finden, Arztbesuche zu organisieren, Formulare auszufüllen und so weiter und so weiter.

Die Migrationsberatung, die ihren Sitz in der Rosa-Luxemburg-Straße 3 in Rathenow hat, ist zuständig für alle anerkannten Geflüchteten im Landkreis Havelland. Ihr Verantwortungsbereich erfasst grundsätzlich alle erwachsenen Zuwanderer, also auch EU-Bürger, hier studierende oder hierher verheiratete Menschen. In der letzten Zeit erreicht der Anteil der Flüchtlinge an diesem Personenkreis aber mehr als 90 Prozent, wobei 95 Prozent von diesen wiederum aus Syrien stammen.

Zu 772 Fällen fanden insgesamt 3492 Beratungen statt

Wie Björn Steinberg, Leiter der Migrationsberatung, sagt, hatte seine Einrichtung im Laufe des vergangenen Jahres einen Anstieg der Beratungen um 78,2 Prozent zu verkraften. Insgesamt fanden 3492 Beratungen statt, die 772 Fällen zuzuordnen sind. Ein Fall kann eine Einzelperson, aber auch eine ganze Familie sein. Der Zustrom an Geflüchteten hat im vergangenen Jahr deutlich nachgelassen, wodurch auch die Zahl der anerkannten Flüchtlinge im Havelland sank.

„Bis März 2016 haben wir ganz viele Anträge auf Familiennachzug gestellt“, sagt Björn Steinberg. „Doch nachdem seit diesem Zeitpunkt nur noch subsidiärer Schutz gewährt wird, ist der Familiennachzug für zwei Jahre ausgesetzt.“ Das betreffe natürlich nicht die Fälle, in denen der Familiennachzug schon vorher beantragt worden ist.

Haben Geflüchtete ihre Anerkennung bekommen, stellt das Sozialamt seine Zahlungen ein. Darum ist die erste Aufgabe der Migrationsberatung fast immer die Existenzsicherung. In der Regel gehen die Menschen dann als Kunden an das Jobcenter über. Es gibt aber einige, die selbst Arbeit finden oder aufgrund ihrer eigenen finanziellen Möglichkeiten keine Leistungen des Jobcenters brauchen.

Die zweite Aufgabe ist meist das Beschaffen von geeignetem Wohnraum. Hier vermittelt die Migrationsberatung den Kontakt mit hiesigen Vermietern. Zunehmend wird sie auch bei Nachbarschaftskonflikten oder Mietangelegenheiten um Unterstützung gebeten. „Da werden mal die Türen zu laut geschlossen oder der Müll nicht richtig getrennt“, sagt Steinberg. „Dazu kommen Sprachprobleme, die Leute verstehen sich nicht.“ Oft könne in diesen Fällen mit einem vermittelnden Gespräch, manchmal mit Dolmetscher, geholfen werden.

Zu finden in der Rosa-Luxemburg-Straße 3

Die Migrationsberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist zuständig für alle erwachsenen Zuwanderer im Landkreis Havelland.

Sie hat ihren Sitz in der Rosa-Luxemburg-Straße 3 in Rathenow, Telefon 03385/ 51 99 18.

Sprechzeiten sind Montag von 9 bis 11.30 Uhr und 13 bis 16 Uhr, Donnerstag von 9 bis 11.30 Uhr und nach Vereinbarung.

Leiter der Migrationsberatung ist Björn Steinberg. Beraterin ist außerdem Thi Thuy Linh Vu. Als Sprachmittler tätig sind dort Luis Panikcia und Mohammad Abou Jabel. Um Verbraucherschutzfragen kümmert sich Marina Menzel.

Eröffnet wurde die Migrationsberatung am 1. Januar 2005. Die Zahl der zu bearbeitenden Fälle wuchs erstmals an, als ab 2014 Kontingentflüchtlinge aus Syrien eintrafen.

In Falkensee ist die Migrationsberatung einmal im Monat vertreten, an jedem 1. Montag eines Monats.

Beraten und geholfen wird u.a. bei: Existenzsicherung, Ausfüllen von Anträgen und Formularen, Schreiben von Bewerbungen und Lebensläufen, Wohnungssuche, Familiennachzug, Heirat oder Trennung.

Die Beratung ist vertraulich und kostenlos.

Große Probleme gibt es bei der Beschaffung von Kita-Plätzen für Flüchtlingskinder, denn in Rathenow sind keine mehr frei. Auch Plätze in Schulen sind hier so gut wie nicht mehr zu bekommen. Flüchtlingskinder werden nach Friesack, an die Kooperationsschule oder das Oberstufenzentrum verwiesen. Eine wichtige Aufgabe ist zudem, erwachsenen Flüchtlingen die Teilnahme an einem Integrationskurs zu vermitteln.

In letzter Zeit fordern bei den Beratungen die Verbraucherschutzangelegenheiten immer mehr Raum. Da bekommt jemand ein Handy angeblich „kostenlos“ zur Verfügung und sieht sich plötzlich doch einer Rechnung gegenüber. Einige Menschen gerieten auch in Schwierigkeiten, als sie einen günstigen Stromanbieter buchten, der dann plötzlich pleite ging.

Von Bernd Geske

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