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Millionen Ferngläser können repariert werden

Duncker Geräteservice Rathenow Millionen Ferngläser können repariert werden

Die Firma Duncker Geräteservice hat sich ein Tätigkeitsfeld erschlossen, das so richtig zu Rathenow als Stadt der Optik passt. Dort können alle Ferngläser, die je unter dem Namen Carl Zeiss Jena hergestellt wurden, repariert und restauriert werden. Rund fünf Millionen Gläser dieser Marke sind noch im Umlauf. Am Jahresanfang ging’s offiziell los.

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Heidi Rieschel beim Justieren eines Fernglases.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Viele der guten alten Fernglas-Experten haben sich zur Ruhe gesetzt oder sind schon gestorben. Besitzer von Gläsern, die einst in der DDR unter dem Namen Carl Zeiss Jena hergestellt wurden, können nun aufatmen: Die neue Rathenower Firma Duncker Geräteservice ist jetzt in der Lage, alle Probleme zu lösen, falls Ferngläser der genannten Marke nicht mehr so funktionieren oder aussehen, wie sie sollten. André Schwolow, Geschäftsführer der Firma mit dem traditionsreichen Namen Duncker, hat ermittelt, dass von Carl Zeiss Jena insgesamt 7 246 000 Ferngläser produziert worden sind. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass heute noch immer rund fünf Millionen dieser Geräte im Umlauf sind.

Die einzige Firma mit Zugriff auf das originale Ersatzteillager

André Schwolow erklärt: „Wir sind die einzige Firma in Deutschland, die diesen Service anbietet und dabei Zugriff auf das originale Ersatzteillager von Carl Zeiss Jena hat.“ Wie er erzählt, hat er sich schon immer für Ferngläser interessiert und vor 20 Jahren begonnen, welche zu sammeln. Vom in Rathenow allseits bekannten Experten Ernst Krause habe er sich zeigen lassen, wie man Zeiss-Jena-Gläser repariert. Leider sei dieser im vergangenen Jahr gestorben. Vor nunmehr acht Jahren hatte ihm ein Fachmann aus Kühlungsborn seine Werkstattausrüstung angeboten, weil er sich zur Ruhe setzen wollte. Der Rathenower griff zu und bekam so das richtige Werkzeug, einige Ersatzteile und die richtigen Geräte zum Prüfen und Justieren.

Vor einem Jahr deutete sich dann der große Wurf an. Der Inhaber der hauseigenen Carl-Zeiss-Jena-Kundenservice-Werkstatt in Eisfeld (Thüringen), wo einst auch die Ferngläser produziert wurden, wollte sich zur Ruhe setzen. „Von dort habe ich eine riesige Menge von Original-Ersatzteilen bekommen“, schwärmt André Schwolow, „damit können wir für immer und ewig Carl-Zeiss-Jena-Ferngläser reparieren.“ Einen 7,5-Tonnen-Laster voll habe er aus Eisfeld geholt. Über jede Menge Gehäuse, Deckel, Triebe, Augenmuscheln und andere Teile verfüge seine Firma nun. Niemand sonst könne auch nur annähernd über einen so gewaltigen Fundus verfügen. Optische Baugruppen können übrigens normal gekauft werden, sie werden immer noch hergestellt.

Ingo Widiger mit einem Fernglas, das komplett auseinandergenommen ist

Ingo Widiger mit einem Fernglas, das komplett auseinandergenommen ist.

Quelle: Bernd Geske

Als die Schließung des Essilor-Standortes am Hasenweg in Rathenow ihn letztes Jahr in die Lage versetzte, zwei qualifizierte Arbeitskräfte von dort einzustellen, war es für André Schwolow klar, dass der Fernglas-Service nun zu gründen ist. Drei Beschäftigte sind gegenwärtig dort tätig. Seit Beginn des neuen Jahres macht der Duncker Geräteservice verstärkt auf sein Dienstleistungsangebot aufmerksam. Auf der großen Branchenmesse Opti vom 15. bis 17. Januar in München sind alle Augenoptiker informiert worden.

Carl-Zeiss-Jena-Ferngläser gibt es überall in der Bundesrepublik. Wohl fast die Hälfte der Exemplare befindet sich sogar in den westlichen Ländern, weil sie zu DDR-Zeiten begehrte Devisenbringer waren. Da 1991 die Produktion eingestellt worden ist, werden die jüngsten Teile jetzt 25 Jahre alt. Die weitaus meisten Aufträge kommen von Jägern, dabei geht es in der Regel um eine normale Wartung. Die Erfahrung sagt, dass alle 20 Jahre so ein Glas mal auseinander gebaut und gereinigt werden muss. Dass das alles gelingt, und nach dem Zusammenbau eine fachgerechte Justierung dafür sorgt, dass wieder gute Bilder zu sehen sind – dafür sorgt der Duncker Geräteservice. Ganz am Anfang gehen gegenwärtig rund 50 Ferngläser im Monat durch die Hände der Rathenower Fachleute. Sie rechnen aber damit, dass es bald viel mehr werden.

Von Bernd Geske

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