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Havelland Milower wehren sich gegen Windkraft im Wald
Lokales Havelland Milower wehren sich gegen Windkraft im Wald
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15:25 08.07.2016
Finen Windpark gibt es bereits im Milower Land in Möthlitz. Quelle: Bernd Geske
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Rathenow

In westhavelländischen Anzeigenblättern informierte das Landesumweltamt kürzlich über den geplanten Bau von 13 Windkraftanlagen durch die Firma Enercon im Wald zwischen Schmetzdorf, Kleinbuckow, Groß- und Kleinwudicke. „Die Inbetriebnahme der Anlagen ist im Jahr 2016 vorgesehen“, heißt es in dem Schreiben. Dass eine solche Nachricht für Aufregung in der Gemeinde sorgt, ist verständlich, denn niemand hat damit gerechnet, dass sich hier schon in wenigen Monaten neue Rotoren drehen könnten.

Die Milower sind aufgebracht, weil sie die Flora und Fauna ihrer Heimat in Gefahr sehen. Unter anderem nistet ein Seeadler in dem betroffene Gebiet, es gibt dort eine Bienenaufzuchtstation und der Schwarzstorch wurde mehrfach gesehen. Außerdem fürchten Anwohner, dass sie bald nicht nur den Lärm von Truppenübungsplatz, ICE-Trasse und Bundesstraße ertragen müssen, sondern dazu noch Windräder rauschen hören.

Kritik am Regionalplan Havelland-Fläming

Das Thema Windenergie beschäftigt das Milower Land schon lange. Die Verwaltung bereitet gerade eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht zur Feststellung der Unwirksamkeit des Regionalplans Havelland-Fläming vor. Dieser weist nämlich das rund 640 Hektar großes Waldgebiet zwischen Schmetzdorf, Großwudicke und Kleinbuckow als Windeignungsgebiet aus. Jener Bereich in dem auch die 13 Windkraftanlagen gebaut werden sollen.

Bürgermeister Felix Menzel (l.) und der Vorsitzende der Gemeindevertreter im Milower Land, Wolfgang Gräfe, studieren die Unterlagen des Genehmigungsverfahrens. Diese können nun auch Bürger in der Gemeindeverwaltung einsehen. Quelle: Ch. Schmidt

„Wir wurden bei diesem Verfahren nie wirklich beteiligt. Es gibt zwar den Regionalplan, in dem alle Landräte und Bürgermeister von Kommunen mit mehr als 10 000 Einwohnern vertreten sind. Nun muss man sich aber die Frage stellen, wo werden Windkraftanlagen gebaut? Nicht in Städten, sondern im ländlichen Bereich. Dessen Vertreter sitzen aber nicht in diesem Gremium“, kritisiert Menzel. Seine Gemeinde hatte lediglich die Möglichkeit eine Stellungnahme einzureichen. Das tat sie auch. Doch auf den von der Verwaltung erarbeiteten Flächennutzungsplan, der ein 72 Hektar großes Gebiet zwischen Schmetzdorf und Sydow als geeignet ausweist, ging man nicht ein.

Die Gemeinde ist nicht generell gegen Windenergie

„Wir sind nicht gegen Windenergie, wir haben viel Zeit und Geld investiert, um ein geeignetes Gebiet auszuweisen. Allerdings halten wir den Bereich Wald und insbesondere den jetzt betroffenen Teil für absolut ungeeignet“, macht Wolfgang Gräfe, Vorsitzender der Gemeindevertreter, deutlich. Es ärgert ihn, dass jetzt aufgrund der Anzeige der Eindruck entsteht, Gemeindevertreter und Verwaltung hätten nichts getan und der Windpark sei so gut wie gebaut. „Das ist nicht der Fall“, stellt Felix Menzel klar.

An diesen Stellen im Waldgebiet bei Großwudicke sollen die Windräder stehen. Quelle: Enercon GmbH

Bis 28. Juli kann jeder den Genehmigungsantrag und die dazugehörigen Unterlagen wie die Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit in der Gemeindeverwaltung in Milow einsehen und bis 11. August persönlich seine Einwände gegen das Vorhaben formulieren. „Jetzt geht es darum, dass jeder seine Bedenken gegen die Anlage zu Papier bringt und einreicht. Je besser die Argumente, desto länger dauert die Abwägung und umso unmöglicher wird der Bau der Anlage“, betont Menzel.

Bürger wollen klagen

Wie er berichtet wollen einige Bürger sogar gegen das Vorhaben klagen. Sie fordern, dass das Unternehmen die Kosten für Lärmschutzfenster trägt. „Es gibt auch Privateigentümer, deren Flächen für das Vorhaben gebraucht werden, die diese aber nicht zur Verfügung stellen. Zudem haben wir als Gemeinde nicht das Ok für die Zuwegung gegeben und werden es auch nicht tun“, macht Menzel deutlich.

Damit dürften auf die Enercon GmbH weitere Hürden zukommen. Denn der Gemeinde gehören Kreuzungen und Waldwege, die zur Erschließung des Windparks erforderlich sind. Der Gegenwind ist also nicht zu unterschätzen.

Protestschreiben bis 11. August einreichen

Noch in diesem Jahr will die Enercon GmbH einen Windpark errichten und dafür 8,8 Hektar Wald umwandeln.

Bis 11. August kann jeder, nicht nur Bürger des Milower Lands, Einwendungen gegen das Vorhaben einreichen.

Das Landesumweltamt und die Gemeindeverwaltung nimmt die schriftlichen Widersprüche entgegen.

Am 18. Oktober sollen alle Einwendungen ab 10 Uhr im Kulturzentrum in Rathenow erörtert werden.

Von Christin Schmidt

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