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Havelland Die Jugend leidet unter schlechten Busverbindungen
Lokales Havelland Die Jugend leidet unter schlechten Busverbindungen
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07:15 27.03.2018
Janina Müller (li.) und Gina Rettke kämpfen für bessere Busverbindungen vom Umland in die Stadt Rathenow. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Wer jung ist und im Rathenower Umland lebt, der hat, was die Mobilität betrifft, im Vergleich zu seinen Altersgenossen in der Innenstadt erhebliche Nachteile. Zu diesem Schluss kommen zwei Rathenower Schülerinnen, die im vergangenen Jahr eine umfangreiche Erhebung zum Busverkehr initiiert haben.

Janina Müller und Gina Rettke haben nun über 600 Fragebögen ausgewertet, in denen Rathenower Schüler den Busverkehr beurteilt haben. Ihr Fazit: Wer in einem der Rathenower Ortsteile oder einer Umlandgemeinde lebt, ist abgehängt. Es sei denn, er nimmt die Organisation von Fahrgelegenheiten selbst in die Hand.

Nach 16 Uhr fährt vielerorts kein Bus mehr

Das betrifft vor allem den Öffentlichen Personennahverkehr in den Nachmittags- und Abendstunden. Während die Busse zu den regulären Schulzeiten regelmäßig verkehren – hier wird sich eher darüber beklagt, dass die Busse zu den Stoßzeiten überfüllt sind – ändert sich die Situation ab dem späten Nachmittag radikal.

Janina Müller macht das am Ortsteil Grütz fest, den die beiden Schülerinnen im Rahmen ihrer Untersuchung genauer untersucht haben. Gegen 16 Uhr fährt wochentags der letzte Bus von Rathenow nach Grütz. „Junge Leute, die dort leben und an einer Schul-AG teilnehmen oder in einem Verein aktiv sein wollen, haben zwei Möglichkeiten“, sagt sie.

„Entweder sie kümmern sich privat um eine Fahrmöglichkeit. Oder sie verzichten auf das Angebot.“

Über 600 Fragebögen ausgewertet

Im Frühjahr 2017 wurden rund 1600 Fragebögen zur Qualität des Busverkehrs an Rathenower Schulen verteilt.

613 ausgefüllte Fragebögen wurden ausgewertet.

Das Gesamturteil auf der Skala von 1 („sehr zufrieden“) bis 5 („sehr unzufrieden“) lag bei 2,5.

Allerdings wurde die Hinfahrt zur Schule weit besser bewertet als die Rückfahrt. Die häufigsten Kritikpunkte: Lange Wartezeiten, lange Umwege, keine Busse nach dem Unterricht.

Am Wochenende sieht es noch schlechter aus. In vier der fünf Rathenower Ortsteile – Ausnahme Steckelsdorf – gibt es von Freitagnachmittag bis Montagmorgen keine einzige Busverbindung in die Stadt.

„Wer niemanden hat, der ihn fährt und das Rad nicht nutzen will oder kann, der hängt in seinem Wohnort fest“, sagt Gina Rettke. Sich mit Freunden im Café treffen, ins Kino gehen, shoppen – all diese selbstverständlichen Dinge werden für Kinder und Jugendliche von außerhalb zu einer logistischen Herausforderung.

„Das Leben in den ländlichen Gebieten kann wegen dieser eingeschränkten Mobilität zur echten Belastung werden“, so die Quintessenz der beiden Schülerinnen.

Studie an den Kreis weitergeleitet

Auf diese Benachteiligung haben Janina Müller und Gina Rettke den Kreis, der für die Organisation des Busverkehrs zuständig ist, in einem Schreiben hingewiesen.

„Wir wissen auch, dass für zwei Schüler aus Grütz, die abends nach Rathenow wollen, kein eigener Bus eingesetzt wird“, sagt Janina Müller. Trotzdem sei es wichtig, auf das Defizit aufmerksam zu machen und Verbesserungen einzufordern.

„Viel wäre gewonnen, wenn der aktuelle Bedarf dem Kreis als Träger des ÖPNV übermittelt würde“, sagt Rathenows Jugendkoordinator Tilo Windt, der die beiden Schülerinnen bei ihrer Studie zum Nahverkehr unterstützt hat. Denn die Erhebung könne nur ein Anfang sein.

Wünschenswert wäre eine ständig aktualisierte Bedarfsmitteilung. Windt schwebt eine App vor, mit deren Hilfe Menschen – nicht nur Schüler – dem Kreis und den Verkehrsunternehmen mitteilen können, wann sie wohin wollen.

Eine Analyse dieser Daten könne dazu führen, dass ab einer bestimmten Nachfrage dann doch ein Bus eingesetzt werde. Es müsse ja kein großer sein.

Eine solche App kann freilich nur von höherer Stelle ins Leben gerufen werden. Dafür will sich das Trio weiter einsetzen. Und hofft auf Verständnis bei den verantwortlichen Stellen. Bei einem Gespräch mit Landrat Roger Lewandowski im Frühjahr habe dieser sehr aufmerksam zugehört, sagt Janina Müller. Das sei schon mal besser als nichts.

Von Markus Kniebeler

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