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Mit Bach und Branduardi

Gespräch mit Kantor Stephan Hebold Mit Bach und Branduardi

Musik und Weihnachten – die passen zusammen. Warum und wie, darüber sprach MAZ mit dem Finkenkruger Kantor Stephan Hebold. Er erklärt, warum für ihn neben Bach auch ein italienischer Liedermacher dazugehört.

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Lebt mit Musik: Stephan Hebold.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee/Rohrbeck. In Finkenkrug ist er Kantor, in Rohrbeck lebt er: Stephan Hebold stammt aus einer musikalischen Familie. Musizieren und Singen gehören zu seinem Alltag dazu. Der 48-Jährige sprach mit der MAZ über Musik und Weihnachten.

MAZ: Die Musik, die Sie aufgelegt haben, kenne ich irgendwie. Das ist noch mal...?

Stephan Hebold: Angelo Branduardi.

Ach ja, der italienische Liedermacher. Welch ungewöhnlicher Hintergrund für ein Gespräch über Weihnachten und Musik.

Hebold: Ich bekam die Platte vor mehr als 30 Jahren zu Weihnachten geschenkt. Meine Eltern hatten sie aus der Schweiz mitgebracht. Ich war beseelt von dem Geschenk. Und viele Jahre waren Angelo Branduardi und Weihnachten für mich akustisch eins. Aber das hat sich inzwischen gegeben. Jetzt ist es für mich Klang und Stimme der Achtziger Jahre.

Und was ist heute für Sie typisch weihnachtliche Musik?

Hebold: Ach, die alten Motetten, wenn ein Chor mehrstimmig a cappella singt, oder Choralkantaten von Prätorius, Schütz und anderen mit Instrumententalbegleitung, das ist in seiner Durchsichtigkeit so klar und einfach schön. Und natürlich “Jauchzet, frohlocket” aus dem Weihnachtsoratorium und alle anderen Advents- und Weihnachtskompositionen von Johann Sebastian Bach!

Gehören Weihnachten und Musik zusammen?

Hebold: Spontan würde ich sagen, Musik ist doch eigentlich immer da. Aber wenn ich eine Weile drüber nachdenke, sehe ich da doch eine besondere Beziehung. Weihnachten ist ein Fest der Liebe, des Lebens, der Freude, der Emotionen. Und all das lässt sich durch Musik transportieren. Martin Luther hat so schön über die Musik gesagt: „Nichts auf Erden vermag mehr, Traurige fröhlich, Fröhliche traurig, Verzagte beherzt zu machen, Hochmütige zur Demut zu reizen, Neid und Hass zu vermindern.“ Und Weihnachten gelingt das am besten.

Etwas Besonderes haben Sie und Ihre Frau, Therese Härtel, auch in Finkenkrug und Dallgow gewagt: Mit zwei Kirchenchören das Weihnachtsoratorium aufzuführen.

Hebold: Über viele Jahre habe ich gedacht, das Weihnachtsoratorium kann man doch überall hören, es gibt so viele schöne weihnachtliche Chor- und Instrumentalmusik. Aber der Reiz, dieses besondere Werk, das vielen Menschen Weihnachtsfreude bringt, aufzuführen, wuchs. Und so haben meine Frau und ich es gewagt, seit Januar wurde geprobt. Mit 50 Sängern und 20 Musikern haben wir das große Werk, zumindest drei Teile, aufgeführt. Meine Frau und ich sind hoch erfreut, dass wir eigene Bedenken überwunden und mit den Aufführungen einige Skeptiker überzeugt haben. Es war ein inneres Erlebnis, ich habe selten nach einer Aufführung so bedauert, dass es vorbei war. Ich glaube, die Musik verbindet, unabhängig von der Religion.

Ist ein Leben ohne Musik vorstellbar?

Hebold: Für mich nicht. Sie kann so viel Gutes mit uns machen, setzt im Unterbewusstsein Kräfte frei. Man muss kein Wissenschaftler sein, um das zu spüren, wie Glückshormone und Motivationshormone freigesetzt werden. Ich werde nie vergessen, wie einmal eine Mutter mit ihrem taubstummblinden Kind zu mir kam und mich bat, die Orgel zu spielen. Das Kind hat die Orgel angefasst und so gestrahlt. Es hat die Musik nicht gehört, aber es hat sie gespürt. Das zu sehen, war für mich eine unvergessliche Erfahrung. Ich glaube, Musik ist für alle gut.

MAZ: Kann es auch ein Zuviel an Musik geben?

Hebold: Es ist ein Zeichen unserer Zeit: von allem zu viel. Auch Musik, überall wird man berieselt und beschallt.

Mögen Sie die „Jingle Bells“ und „Rudi Rednose“ in der Einkaufspassage?

Hebold: Ehrlich gesagt nicht so. Die dudeln so vorbei. Die Tiefe erreicht bei mir nur Musik aus Renaissance und Barock.

Trotzdem sind Sie als Mann bekannt, der es auch modern mag?

Hebold: Ja, ich improvisiere gern, ich verjazze manch Stück, mag Rock, Pop, Gospel und Klezmer. All das ist schön. Aber Bach ist mir heilig. Das ist die Tiefe, von der ich sprach.

Weihnachten als Fest der Freude wird auch schnell mal zum Fest des Streites. Kann Musik da helfen?

Hebold: Weihnachten wird ja von Hoffnungen und Erwartungen oft überfordert. Aber Musik kann vielleicht helfen, einem drohenden Streit den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und wenn es dann noch gelingt, gemeinsam zu singen, dann kann sich auch Gemeinsamkeit einstellen. Denn dieses Singen bringt Nähe und Wärme. Und das ist etwas, was wir mit Weihnachten verbinden und was wir Menschen brauchen.

 

Von Marlies Schnaibel

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