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Havelland Mit Blaudruck auf dem Weg in die Weltkultur
Lokales Havelland Mit Blaudruck auf dem Weg in die Weltkultur
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15:06 06.12.2017
So schön kann Blaudruck sein. Hartmut Thielemann-Tonne mit einer selbst hergestellten Tischdecke. Quelle: Bernd Geske
Wolsier

Kein Witz: Wolsier ist auf dem Weg in die Weltkultur. Hartmut Thielemann-Tonne (55 Jahre), der dort an der Hinteren Dorfstraße wohnt, hat die amtlichen Schreiben vorzuliegen und man kann es auch an den einschlägigen Stellen in den Medien lesen: Die alte Handwerkskunst Blaudruck ist von der Deutschen Unesco-Kommission im Dezember 2016 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Die Zeichen stehen außerdem günstig, dass das Verfahren 2018 auch in das Weltkulturerbe aufgenommen wird.

Hartmut Thielemann-Tonne ist angesichts der Erfolge von Stolz erfüllt und er hofft darauf, aufgrund dieser Anerkennung in naher Zukunft mit Fördermitteln der öffentlichen Hand rechnen zu können, damit er auf seinem Grundstück eine Werkstatt nach allen Regeln der Kunst einrichten kann. Gegenwärtig ist bei ihm alles noch ein bisschen beengt, trotzdem hat er alle Materialien und das Wissen parat, um fachgerecht den Blaudruck auszuführen.

Kunstvoller Model. Mit ihm wird auf weißen Stoff ein Harz aufgedruckt, das nach dem Färben herausgewaschen wird, wo dann die weißen Stellen bleiben. Quelle: Bernd Geske

Dieses Verfahren soll es in fernen Ländern schon zu Zeiten von Christi Geburt gegeben haben. In Europa hat es sich erst nach 1700 ausgebreitet. Vorher gingen Versuche daneben, weil die Technik spezielle Kenntnisse und viel Fingerspitzengefühl verlangt. Hartmut Thielemann-Tonne erklärt: Für Blaudruck können nur Stoffe auf rein pflanzlicher Basis verwendet werden. Leinen, Baumwolle, Hanf. Das Färben an sich erfolgt mit einer Flüssigkeit, die den alten Farbstoff Indigo enthält. Der Wolsierer hat zu dem Zweck eine 2,50 Meter tiefe Küpe (so der Fachbegriff) aus Brunnenringen gebaut, die die Farblösung enthält, wo die Stoffe hineingetaucht werden.

Einfaches Blaufärben ist aber nicht das, was die Kunst ausmacht. Mit Hilfe von teils filigran ausgeführten Modeln (Foto rechts), die der Laie vielleicht als Druckplatten bezeichnen darf, wird zu Beginn auf den jungfräulichen weißen Stoff ein spezielles Harz aufgebracht. Das kann eine ganze Dorfansicht nebst Segelboot und Mühle sein, ein hübsches regelmäßiges Muster oder auch stilisierte Kuchen, Hörnchen, Blüten, Ähren, Zwiebeln und so weiter.

Wo das Harz auf dem Stoff klebt, kommt beim Färben das Indigo nicht ran. Nach dem Färben und dem Auswaschen des Harzes – und noch einigen anderen geheimnisvollen Verrichtungen – bleiben hübsche weiße Bildchen auf einem leuchtend blauen Stoff zurück. Weil es sich um ein Oxidationsverfahren handelt, erklärt Hartmut Thielemann-Tonne, sei die Färbung sehr dauerhaft und bleibe nach wiederholtem Kochen stabil.

Aus der Geschichte des Blaudrucks

Blaudruck ist ein altes Färbeverfahren, bei dem ein weißes Muster auf blauem Grund entsteht.

Färbetechniken dieser Art sollen schon vor über 2000 Jahren in Ägypten, Indien und auf Java verwendet worden sein.

In Europa breitete sich der Blaudruck erst ab 1678 aus.

Erste Blaudruck-Erzeugnisse wurden in deutschen Landen 1689 in Augsburg hergestellt. Danach verbreitete sich die Technik schnell.

Hartmut Thielemann-Tonne hat den Blaudruck von seiner Ehefrau Angelika Thielemann gelernt. Sie starb im vergangenen Jahr.

Aus Blaudruck-Stoffen werden heute oft Decken und Tischläufer gemacht. Auch Vorhänge, Jacken und Kleider sind möglich. Ganz billig sind die Erzeugnisse nicht, weil es sich um eine sehr zeitaufwendige Handwerkskunst handelt. Er habe auch schon mal ein Kleid für 1000 Euro verkauft, berichtet der Mann aus Wolsier und verrät: Für einen Quadratmeter blaubedrucktes Leinen sei man mit rund 60 Euro im Geschäft. Am 16. und 17. Dezember ist er mit seinen Erzeugnissen auf der „Biedermeier-Weihnacht“ in Werben bei Havelberg mit dabei und am 22. und 23. Dezember kann man ihn bei der Rathenower Mühlenweihnacht am Schwedendamm antreffen.

„Blaudruck ist heute viel Pionierarbeit“, sagt Hartmut Thielmann-Tonne. Er arbeite daran, dass das alte Handwerk nicht untergeht, dass es besser bekannt wird und dass er vielleicht einmal davon leben kann.

Von Bernd Geske

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