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Mit „Honig im Kopf“ aus der Isolation

Zahl der Demenzerkrankungen steigt Mit „Honig im Kopf“ aus der Isolation

Zwar wird die Bevölkerung im Havelland – wie überall – immer älter. Doch das hat auch seine schlechten Seiten. Die steigende Zahl älterer Menschen lässt auch die Zahl der Demenzkranken ansteigen. Das Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH möchte dazu ermutigen, offener über diese Krankheit zu reden. Helfen soll die Vorführung des Films „Honig im Kopf“.

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Szene aus dem Film „Honig im Kopf mit Dieter Hallervorden.

Quelle: Warner Bros.

Rathenow. Die Zahl der Demenzkranken steigt und damit auch die Anforderungen an Verwaltung, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, sich damit auseinanderzusetzen. Inzwischen gibt es viele Initiativen, mit denen Familien geholfen wird, in denen demenzkranke Menschen betreut werden. Das Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH im Havelland setzt sowohl auf ehrenamtliche Helfer als auch auf professionelle Pflege. Ziel ist aber immer, den Betreuten so lange wie es nur geht in den eigenen vier Wänden oder zumindest einer gewohnten Umgebung zu lassen.

Im Havelland wird die Zahl der hochbetagten Bürger im gesamten Landkreis um durchschnittlich 95 Prozent immens zunehmen, heißt es dazu im Altenpflegebericht des Kreises. Im östlichen Havelland wird man das stärker bemerken, als im westlichen Teil. Einzig im Amt Friesack geht dieser Trend langsamer voran. Zu erkennen ist auch, dass ebenfalls die Anzahl der Jungen Alten vornehmlich in den Kommunen des östlichen Havellandes ansteigen wird, so in Dallgow-Döberitz bis zum Jahr 2020 um voraussichtlich 81 Prozent.

Im Westhavelland weniger „Junge Alte“

Im westlichen Havelland nimmt die Anzahl der Jungen Alten weniger stark zu, oder ist, wie in Premnitz mit einem Minus von sieben Prozent, sogar rückläufig. Dies führt zu einer Verschiebung im Gefüge zwischen Jungen Alten und Hochbetagten.

„Einen demenzkranken Menschen zu betreuen ist Schwerstarbeit“, sagt Beate Kämmerling. Sie ist Standortleiterin des Gemeinschaftswerkes Wohnen und Pflege, das aus dem Gemeinschaftswerk Soziale Dienste in Nauen hervorgegangen ist. In Rathenow soll Beate Kämmerling Aufbauarbeit leisten. Eine Tagespflege wird in der ersten Jahreshälfte am Standort Rathenow entstehen. Dazu kommt ambulante Pflege zuhause und die Koordinierung von ehrenamtlichen Helfern.

Demenzkranke benötigen viel Zuwendung – den ganzen Tag über

Demenzkranke benötigen viel Zuwendung – den ganzen Tag über.

Quelle: dpa-Zentralbild

Doch noch immer ist Demenz ein Tabuthema. Es wird nur selten offen darüber geredet. „Das wollen wir ändern“, sagt Beate Kämmerling. Um das zu schaffen, lädt das Gemeinschaftswerk für den 20. Januar ins Haveltor-Kino in Rathenow ein. Mit „Honig im Kopf“ ist im vergangenen Jahr ein Kinofilm entstanden, der das Thema in sehr berührender und auch humorvoller Weise umsetzt. Dieter Hallervorden und Til Schweiger sind die Protagonisten. „Honig im Kopf“ wird am 20. Januar um 13 Uhr kostenlos gezeigt.

Jedermann kann kommen und danach über das Thema diskutieren. Es werden Experten erwartet, die ragen rund um das Thema Demenz beantworten. Kreisverwaltung, die Alzheimer-Gesellschaft, Ärzte und Angehörige stehen für die Diskussion zur Verfügung. „Wir wollen deutlich machen, dass es keine Schande ist, wenn ein Mensch diese Krankheit bekommt“, sagt Beate Kämmerling. Die Situation, die sich daraus ergibt, sei für alle Beteiligten nicht schön. Aber man könne in Gemeinschaft mit anderen lernen, wie man die Situation gestaltet.

Betreuungsgruppe im Milower Land

Beate Kämmerling baut für das Gemeinschaftswerk derzeit auch eine Betreuungsgruppe im Milower Land auf. Es gibt bereits Tagespflegeeinrichtungen und so genannte niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote. Der Schwerpunkt Focus wird auf regional zugeschnittenen Angeboten liegen. Dabei stehen, so Beate Kämmerling, Beratung und Service im Mittelpunkt der Arbeit. Dazu komme die Überlegungen, wie Menschen, die Unterstützung benötigen, möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben können.

In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Alzheimergesellschaft gegenwärtig etwa 1,5 Millionen Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jahr für Jahr treten mehr als 300 000 Neuerkrankungen auf.

Über dem Bundesdurchschnitt

Daraus ergibt sich, dass die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Im Altenhilfeplan wird deutlich, dass die Zahl im Havelland über dem Bundesdurchschnitt liegt.

„Das ist eine Herausforderung“, sagt Beate Kämmerling. Und um dem zu begegnen, knüpft das Gemeinschaftswerk derzeit sein Netz. Um aber noch größeres Interesse zu wecken, steht nun erst einmal die Vorführung von „Honig im Kopf“ an.

Demenz und Alzheimer

Eine Demenz ist ein psychiatrisches Syndrom, das bei verschiedenen degenerativen und nichtdegenerativen Erkrankungen des Gehirns auftritt. Demenz umfasst Defizite in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten und führt zu Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen.

Vor allem ist das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik, bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Maßgeblich ist der Verlust bereits erworbener Denkfähigkeiten im Unterschied zur angeborenen Minderbegabung.

Heute sind Ursachen einiger Demenzen geklärt, bei vielen Formen gibt es jedoch noch keine klaren, unumstrittenen Erkenntnisse zu den Ursachen. Einige wenige Formen von Demenz sind reversibel, bei einigen anderen Formen sind in begrenztem Umfang therapeutische Interventionen möglich, die allerdings lediglich eine Verzögerung des Auftretens bestimmter Symptome bewirken können.

Die häufigste Form einer Demenz ist die Alzheimer-Demenz.

Von Joachim Wilisch

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