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Havelland Mit Marx im Schatten der Mauer
Lokales Havelland Mit Marx im Schatten der Mauer
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16:49 20.09.2017
Mark und Lenin stehen im Garten des Museums vor einem Stück der Mauer, die Falkensee einst von Spandau trennte. Quelle: Brigitte Einbrodt
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Falkensee

Es ist ein Kunstname, Falkensee, der ab 1923 für die kleine berlinnahe Gartengemeinde galt. Falkenhagen und Seegefeld waren die Namensgeber. Getrennt waren die beiden Gemeinden durch einen Graben. Deshalb gibt es auch heute noch zwei Dorfkirchen. Doch was bedeutet Falkensee für die heute etwa 44000 Einwohner, von denen immer mehr Familien aus der großen City ins Grüne wollen? Nach der Wende hat sich die Einwohnerzahl fast verdoppelt.

Gartenstadt oder Schlafstadt?

„Kolonie, Gartenstadt, Dorf, Schlafstadt, Heimat, Landgemeinde“? Diese Auswahl steht auf einem Fenster in geschmackvollem Design geschrieben, um in der Dauerausstellung des Museums darüber nachzudenken. Und beim Rundgang durch die Zeitgeschichte wird viel an Wissen geboten, um das für sich zu entscheiden. Kaum zu glauben, in welcher Fülle und Themenvielfalt so ein altes Fachwerkhaus dazu in der Lage ist.

Das Museum in der Falkenhagener Straße. Quelle: Brigitte Einbrodt

Genauer genommen die Mitarbeiter des Museums in der Falkenhagener Straße 77, die dieses altehrwürdige Gebäude mit Hilfe eines modernen Designs farblich geschmackvoll, nicht überladen und auch dank der Piktogramme sehr übersichtlich gestaltet haben. So präsentiert seit der Wiedereröffnung im Jahr 2010.

Die Gedichte von Gertrud Kolmar begleiten den Besucher

Das eigentlich Besondere dieser Ausstellung aber sind die Schriftzüge, die sich jeweils über der Tür zu einem neuen Raum und einer anderen Thematik oder Zeitepoche befinden. Schlicht, unaufdringlich, aber nicht zu übersehen. Es sind Auszüge aus den Gedichten von Gertrud Kolmar, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen, die mit ihrer Familie von 1923 bis 1939 in Falkensee-Finkenkrug lebte und als Jüdin 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde. „Du hörst, was spricht. Vernimmst du auch, was fühlt?“ Dies sind die Verse des Eingangsgedichtes im ersten Raum. Im Museumskatalog ist jeweils dazu das gesamte Gedicht zu lesen. Die Verbindung, die Einladung der Lyrikerin, diese Stadt mit eigenen Augen zu sehen, reißt nicht ab bis hin zum Rosengarten hinter dem Museumshaus. Kolmars gesamtes Werk entstand damals im idyllischen Garten der Eltern und ihr Zyklus „Bild der Rose“ spricht vom „immer wieder kehrenden, im Vergehen und Werden beständigen, der Natur.“

Mammutknochen, uralte Einkaufsnetze und ein Grammophon

Der Rundgang mit Museumsleiterin Gabriele Helbig macht neugierig auf mehr Wissen und Details, weil sie Begeisterung weitergeben kann. Sie ist stolz auf ihre ganz besonderen Exponate. Das beginnt mit dem Hinweis auf die ausgestellten Mammutknochen. Die Funde bereichern seit 1976 den Bestand und sind Bindeglied zur Archäologie. Bei Arbeiten in einer Kiesgrube südlich der Spandauer Straße fand ein Baggerführer mehr als zwanzig Knochenreste und Zähne vom ausgestorbenen Wollhaarmammut.

Kontakt, Daten und Termine

Das Museum und die Galerie Falkensee liegen in der Falkenhagener Straße 77 in 14612 Falkensee. Das Haus ist erreichbar unter 03322/22288 oder Museum-galerie@falkensee.de

Im Internet unter museum-galerie-falkensee.de

Geöffnet ist es dienstags und mittwochs von 10 bis 16 Uhr sowie donnerstags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 1 Euro, ermäßigt 50 Cent. Führungen sind nach Vereinbarung möglich. Die Räume sind nur im Erdgeschoss barrierefrei.

Angebote für Schulen: Das Museum ist der ideale Ort, Zeitgeschichte lebendig zu erleben. Die Dauerausstellung ist der Ausgangspunkt zur „Spurensuche DDR“. Ansprechpartner für Führungen, Schülerrecherche und Zeitzeugengespräche ist Bert Krüger, Museumspädagoge.

Eine Sonderausstellung läuft noch bis 26. November „Einkehr und Aufruhr – 500 Jahre Reformation – zeitgenössisch reflektiert“. Gabriele Mucchi, Ingo Kuzia, Jörg Menge, Stephan J. Möller, Helge Warme – Zeichnung, Foto, Malerei, Skulptur und Objekt.

Beim Aktionstag „Feuer und Flamme für unsere Museen“ am 28. Oktober 2017 ist das Museum dabei. Dann hat es von 13 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Um 15 und 17 Uhr führt Museumsleiterin Gabriele Helbig durch das Depot.

Oder sie verweist auf die Sammlung von Schwarz-weiß Aufnahmen des in den 50er-Jahren bekannten Fotografen Heinz Krüger. Man lächelt über die beiden Frauen mit ihren Einkäufen. Aber drunter ist eine Erklärung, die auf eine Einmaligkeit hinweist. Das älteste Tragenetz der Welt aus Weidenbast wurde vor 10 000 Jahren bei Friesack, also ganz in der Nähe gefunden. Gabriele Helbig erklärt die Philosophie der Exposition: „Die Fotos von gestern, die Schaukästen darunter von vorgestern.“

Exponat in der aktuellen Sonderausstellung. Quelle: Hans-Peter Theurich

Interessante Zeiteinblicke gibt es auch zur Entstehung der Gartenstadt und damit verbunden der ersten Musterhaussiedlung. Berlin war nah, und schon damals gab es das Bedürfnis der Großstädter, sich im Grünen, aber nicht zu weit entfernt, niederzulassen.

Ausgelassen wird aber auch nicht die Zeit des Nationalsozialismus. Falkensee profitierte wirtschaftlich von der Berlinnähe und somit ging es vielen Familien gut. Deshalb arrangierten sich viele mit der Rüstungsindustrie und mit dem Regime. Der Zulauf in die NSDAP war dadurch in Falkensee überdurchschnittlich hoch. Auch ein Außenlager des KZ Sachsenhausen wurde im Ort errichtet.

Viel Wissenswertes aus der lokalen Geschichte. Quelle: Marcel Blank

Sorgsam, ehrlich und anhand vieler Details wird die DDR-Zeit vor und nach dem Mauerbau 1961 im Museum erzählt. Dazu gibt es konkrete Projektangebote an die Schulen. Gabriele Helbig zeigt nicht nur mit einem leichten Schmunzeln auf die Schrankwand und die damals in der Stadt hergestellten Konsumgüter. Sie legt auch eine alte Schallplatte auf das noch funktionierende Grammophon. „Auferstanden aus Ruinen“ scheppert es und ist doch wichtig. Vor allem einmal auf den Text der DDR-Nationalhymne zu achten.

Die Menschen, die in Falkensee wohnen, kommen gern ins Museum

Trotz der alten Gegenstände – viele befinden sich im Depot – ist das Museum kein Sammelsurium an Raritäten. Modern, übersichtlich, nicht zu voll gepackt, auch anhand von Filmen können sich die jungen Leute informieren. Fragen stellen. Vor allem die Schüler, das junge Publikum soll sich angesprochen fühlen.

Im Jahr kommen so etwa 6000 Besucher in das Haus an der stark befahrenen Straße. „Wir sind kein Touristenort“, sagt Gabriele Helbig, „große Busse halten hier kaum. Es gibt keinen Dom, kein historisches Stadtzentrum.“ Dafür hat sich die Leiterin, die seit 1995 hier tätig ist und nach der Wende eine Ausbildung zur Museumsmanagerin erfolgreich abschloss, ein anderes Konzept überlegt. Und das scheint zu funktionieren. Die Menschen aus Falkensee kommen gern.

Das Mammut von Falkensee. Quelle: Brigitte Einbrodt

Auch, weil es im Erdgeschoss wechselnde Ausstellungen gibt und Sonderveranstaltungen wie das Backofenfest und weil interessante Vorträge auf dem Jahresprogramm stehen. In der Galerie sind derzeit Arbeiten von fünf Künstlern zu sehen, die sich auf ungewöhnliche Weise mit dem Thema „500 Jahre Reformation“ auseinandersetzen.

Museumsleitern Gabriele Helbig. Quelle: Tanja M. Marotzke

Die drei Mitarbeiter des Hauses, neben der Leiterin Gabriele Helbig sind das Bert Krüger, Archäologe und Museumspädagoge sowie Heide Reuter - haben jetzt alle Hände voll zu tun, um nächste Aktionen vorzubereiten: so am 7. Oktober den Tag der brandenburgischen Orts- und Regionalgeschichte und den Aktionstag „Feuer und Flamme für unsere Museen“ am Sonnabend, 28. Oktober.

Von Brigitte Einbrodt

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