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Mit Techno in den Bundestag

Friesack Mit Techno in den Bundestag

Der Medizinstudent Martin Wandrey will für die Grünen in den Bundestag ziehen – der 24-Jährige setzt sich besonders für die Themen Umwelt, Verkehr und Gesundheit ein.

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Meist mit dem Rad anzutreffen: Martin Wandrey aus Friesack macht grüne Politik im Wahlkreis 56.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Friesack. In diesen Wochen werden die fast hüftlangen Haare hochgebunden. Keine Zöpfe im Wahlkampf, haben ihm die Parteifreunde geraten. Martin Wandrey fällt auch so auf. Etwa dadurch, dass der grüne Spitzenkandidat im Wahlkreis 56 seine Wahltour nicht mit einem Auto, sondern mit dem Fahrrad absolviert. Fast 200 Kilometer war er zwischen Nauen, Flecken Zechlin und Wittenberge per pedes unterwegs gewesen, um sich und grüne Inhalte den Bürgern nahe zu bringen. Er hat an Haustüren und auf Marktplätzen das Gespräch gesucht, hat auf Foren über Wölfe oder zu Geschlechterfragen teilgenommen.

Fahren mit dem Rad – das passt zu einem Kandidaten, der sich für grüne Politik einsetzt. Wobei die Liebe zum Fahrrad viel älter ist.

Von Friesack die Region erkundet

Martin Wandrey ist in Friesack aufgewachsen, einer Kleinstadt im flachen Land. Da wurde einfach viel mit dem Rad gefahren. Die Eltern arbeiten in der Landwirtschaft, der Vater ist begeisterter Ornithologe und nahm den Sohn oft mit in die Natur. Der Gülper See ist für Martin Wandrey bis heute einer der schönesten Stellen im Havelland.

Frühe Prägung durch Kosovo-Krieg

Aber Vogelkundler ist er nicht geworden. Er fing früh an, sich für politische Dinge zu interessieren. „Mit zehn Jahren habe ich Nachrichten geschaut“, erinnert er sich. Die Jahre des Kosovo-Krieges haben den heute 24-Jährigen geprägt. „Das hat mich als Kind sehr beschäftigt“, sagt er. Er wollte helfen, Dinge verändern, die Welt besser machen. Das war vielleicht damals die naive Kindersehnsucht nach einer heilen Welt. Aber sie hat ihn auf den Weg gebracht. Denn Martin Wandrey mischte sich ein, redete mit, machte sich Gedanken.

Zum Medizinstudium ging er nach Hamburg, wollte sich einbringen. Er landet bei einer grünen Studentenverbindung, aber die war ihm zu sehr auf Hochschulpolitik begrenzt, auch oft zu konservativ. „Ich wollte breiter wirken, die Dinge umfassender betrachten“, so führte ihn der Weg 2015 zur Partei von Bündnis 90/Die Grünen.

Promotion muss warten

Inzwischen hatte er sein Studium in Dresden fortgesetzt, an der Charité in Berlin hat er begonnen, an seiner Promotion zu arbeiten. Es geht um Cholesterinfraktionen und Auswirkungen auf Gefäße. Aber die Arbeit ruht derzeit. Denn der Student Martin Wandrey ist zum Wahlkämpfer Martin Wandrey geworden. Wenn er abschalten will, dann hält er zwischen Wandern und Technomusik die innere Balance.

Rechnet er damit, den Wahlkreis zu gewinnen? „Ehrlich gesagt. Nein“, sagt er. Aber er macht es trotzdem. Und er macht es mit Freude und Leidenschaft, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen und über grüne Politik zu reden. Der Erststimmenkampf ist eigentlich ein Zweitstimmenkampf. In Neuruppin haben die Grünen seit Jahren einen guten Stand, im flachen Land ist es schwerer für die Ökopartei. Dabei ist sich Martin Wandrey sicher, dass seine Partei auch für die Menschen dort richtige Antworten findet.

Suche nach mehr Gerechtigkeit

„Wir haben ein gutes Gerechtigkeitsprogramm“, ist er überzeugt und blickt auf die Ideen zur Armutsbekämpfung, zu Renten- und Krankenpolitik. „Ich bin für ein Ende der Zwei-Klassen-Medizin und für ein gemeinsames Krankenversicherungssystem“, sagt der angehende Arzt. Mit dem Nein zur Massentierhaltung und dem Ja zum Kohleausstieg nennt er wesentliche Ziele seiner Partei.

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Bundestagswahl 2017: Die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 56 (Prignitz – Ostprignitz-Ruppin – Havelland I)

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„Die demografische Entwicklung – im Westhavelland wie in der Prignitz – sagt immer weniger Menschen voraus, die dort leben werden. Immer weniger Menschen, aber es wird weiter betoniert, betoniert, betoniert“, ärgert er sich, deshalb ist er gegen den Ausbau der A 14. Er setzt sich für den Ausbau der Prignitz-Express’ ein, will, dass alle Dörfer per Bus erreichbar sind. Die Diesel-Debatte zeigt, dass eine intelligente Verkehrspolitik nötig ist, die nicht nur auf die Straße setzt. „Dazu gehören mehr und bessere Radwege, die dann aber nicht nur unter touristischen Aspekten gesehen werden sollen“, meint Martin Wandrey. Er ist überzeugt, dass künftig mehr Rad gefahren wird. Auch deshalb setzen sich die Grünen für eine Prämie beim Kauf von Elektrofahrrädern ein. „Die E-Bikes sind schon jetzt eine Erfolgsgeschichte“, sagt er und lacht: „Auch wenn ich sie noch nicht brauche.“

Von Marlies Schnaibel

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