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Mit Tempo 100 vor der Schule

Rasern auf der Spur Mit Tempo 100 vor der Schule

Das dürfte so manchen Bürger aus dem Milower Land überraschen: An der Grundschule mit 30 km/h mehr als erlaubt vorbei zu fahren ist keine Ausnahme, sondern fast schon die Regel. Das ergab eine verdeckte Verkehrsmessung. Die Ergebnisse sind alarmierend.

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Guido Gericke fordert 30 km/h für die Ortsdurchfahrt Jerchel.

Quelle: Norbert Stein

Milower Land. Vor Schulen und erst recht vor Grundschulen fährt man langsam, 30 km/h und Obacht sind hier angebracht. Würde man eine Umfrage starten, wäre das vermutlich einhelliger Konsens. In der Realität sieht das aber ganz anders aus. Was Felix Menzel, Bürgermeister der Großgemeinde Milower Land, schon lange vermutet hat, liegt nun schwarz auf weiß vor. Das Ergebnis einer verdeckten Geschwindigkeitsüberwachung zeigt, selbst vor Schulen und Kindergärten wird ohne Rücksicht gerast. In einigen Bereichen liegen mehr als 80 Prozent aller Messungen über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. „Das Ergebnis ist erschreckend“, stellte Menzel in einer Sitzung des Ausschusses für Tourismus, Ordnung und Sicherheit in dieser Woche fest.

Ausgangspunkt für die verdeckte Messung waren Beschwerden der Bürger und wiederholten Ruf nach Geschwindigkeitsbegrenzungen. In Jerchel beispielsweise fordern die Einwohner bereits seit den 1990er-Jahren mit Unterschriftensammlungen und Anfragen an die Gemeinde ein innerörtliches Tempolimit von 30 km/h. Sämtliche Anträge, die an die untere Verkehrsbehörde der Kreisverwaltung Havelland gingen, wurden aber abgelehnt. „Wir hatten mehrfach das Aufstellen von 30-Schildern in bestimmten Bereichen beantragt. Es hieß aber stets, dort werde nicht gerast, es handelt sich nicht um einen Unfallschwerpunkt“, berichtet Menzel.

81 Prozent überschritten zulässige Höchstgeschwindigkeit

Nun kann die Gemeinde das Gegenteil beweisen und sich dabei auf die Polizei berufen. Die hatte die Messung mit dem neu angeschafften Seitenradarmessgerät durchgeführt. „Das Gerät ist in etwa so groß wie eine Stullenbüchse und für den Autofahrer nicht zu erkennen“, so Menzel. An neun Punkten im Milower Land wurde es aufgestellt und die Geschwindigkeit aller Verkehrsteilnehmer ermittelt, ohne zu ahnden. Die Messpunkte wählte man anhand von Bürgerbeschwerden aus. Über einen Zeitraum von mindestens sechs bis sieben Tagen stand das Messgerät in Bützer, Großwudicke, Jerchel, Knoblauch, Milow, Nitzahn, Schmetzdorf und Vieritz.

Thomas Dobkowicz, Autobahnpolizist und Verkehrsexperte hat die Daten ausgewertet und die Ergebnisse den Ausschussmitgliedern vorgestellt. Dabei ging er auf das Beispiel Milower Bahndamm ein. Gemessen wurde hier in der Zufahrtsstraße zur Milower Grundschule. Durchgangsverkehr gibt es hier nicht, die Straße wird ausschließlich von Anwohnern, Eltern und Lehrern genutzt. Umso überraschender ist das Ergebnis: Von 1455 Fahrzeugen (davon 1200 Pkw) überschritten 81 Prozent die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 59 km/h, ein Autofahrer raste hier mit 104 km/h durch. Dabei sei erwähnt, dass es in diesem Bereich keinen Fußweg gibt, Auto-, Radfahrer und Fußgänger müssen sich die Straße teilen. „Diese Geschwindigkeiten sind äußerst alarmierend“, warnte der Verkehrsexperte und empfahl schnellst möglich präventiv tätig zu werden.

Menzel will Seitenradarmessgerät für den Landkreis

Als kurzfristige Maßnahme seien Geschwindigkeitskontrollen sinnvoll. Mittelfristig könne hier nur noch eine Aufpflasterung helfen. Auch in Bützer wird deutlich zu schnell gefahren. Hier könnte eine Verkehrsinsel das Tempo rausnehmen. Noch sind nicht alle Daten um Detail ausgewertet, eines steht aber bereits fest: Die verdeckte Messung hat sich gelohnt und ist ein probates Mittel zur Einschätzung der Verkehrslage. Sie hat auch gezeigt, dass an manchen Stellen nicht so sehr gerast wird wie vermutet. Konkrete Maßnahmen sollen jetzt geplant und möglichst bald umgesetzt werden. Felix Menzel möchte dem Landkreis vorschlagen, ein Seitenradarmessgerät anzuschaffen. Dann könnten auch andere Kommunen davon profitieren und die Polizei würde entlastet.

Von Christin Schmidt

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