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Mit dem Förster unterwegs

Winterwanderung durch Rathenower Stadtwald Mit dem Förster unterwegs

Mit Kopien von historischen Schriftstücken stapften am Samstag rund 30 Männer und Frauen durch den Rathenower Wald. Stadtförster Thomas Querfurth hatte aus dem Kreisarchiv in Friesack alte Dokumenten zusammen gesucht, um die Geschichte des Waldes zu präsentieren. Immerhin ist der Wald rund 700 Jahre alt.

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Thomas Querfurth (l.) und die Zuhörer.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. Samstagvormittag 10 Uhr, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Luft ist frostig. Am Parkplatz am Parkplatz am Ferchesarer Weg stehen 35 Männer und Frauen, einige eingemummelt in Schal, Mütze und Handschuhe. Sie alle wollen sich von Stadtförster Thomas Querfurth durch den Stadtwald führen lassen und dabei in die Geschichte dieses Fleckchens Erde eintauchen.

Seit wann ist dieser Wald Stadtwald, wer hat ihn zum Wald für die Bürger gemacht und wie ist man früher mit dem heute wohl beliebtesten Gebiet für Jogger und Spaziergänger umgegangen? All das weiß Querfurth, der seit 1994 im Amt ist und sich erst kürzlich sieben Stunden im Kreisarchiv in Friesack vergrub, um in alten Dokumenten zu stöbern und die Geschichte des Waldes zusammenzutragen. Seine Recherchen hat er in einem Vortrag aufbereitet, den er am Samstag zusammen mit Kopien historischer Schriftstücke in seinem Rucksack gesteckt hat. Neben den schriftlichen Gedankenstützen hatte sich Querfurth noch fachliche Verstärkung mitgebracht. Mario Grimmer, Revierleiter bei der Landeswaldoberförsterei Grünaue, nahm die eine Hälfte der Gäste mit, die anderen schwärmten mit Querfurth aus.

Thomas Querfurth

Thomas Querfurth.

Quelle: Schmidt

„Wir stehen hier in einem der ältesten und natürlichsten Teile des Stadtwaldes, einem Stieleichen-Hainbuchenwald“, erklärte Querfurth seinen aufmerksamen Zuhörern, zu denen auch ein Hund gehörte. Etwa 200 Jahre ist dieser Teil des Waldes alt. Wäre das Havelland nicht besiedelt, würde es vermutlich genau so in weiten Teilen aussehen. Noch einmal fast 500 Jahre mehr auf dem Buckel hat der Stadtwald als solcher. 1319 schenkte Markgraf Waldemar den Bürgern den Hof Rodenwalde samt Ländereien. So kam Rathenow zur 7000 Morgen großen Bürgerheide, dem heutigen Stadtforst. Warum der Markgraf seine Bürgern den Wald schenkte, der bis heute nicht in Landes, sondern in Stadtbesitz ist, ist nicht sicher. Querfurth wusste zwei verschiedene Geschichten zu berichten. Er persönlich bevorzuge die, in der die gesamte Verwandtschaft des Markgrafen am Genuss vergifteten Rathenower Weins krepiert.

Im Gänsemarsch durch den Wald

Im Gänsemarsch durch den Wald.

Quelle: Schmidt

Es ging rau zu damals, auch im Wald selbst. Bis 1612 nahm sich jeder aus dem Stadtforst, was er brauchte. Die Leute holten Streu für ihre Ställe und trieben ihr Vieh in den Wald. Die Natur litt bis ein Statut erlassen wurde – eine Kopie des Originals reichte Querfurth herum – das die Abgeordneten verpflichtete, sich an Regeln zuhalten. Erst einhundert Jahre später wurde der Begriff der Nachhaltigkeit geprägt, der heute längst in sämtlichen Lebensbereichen Einzug hält. Aha-Ausdruck in den Gesichtern der Zuhörer, die sich an einer sonnigen Lichtung aufwärmten bevor sie dem Förster mit dem grünen Hut zur nächsten Station folgten.

Erster Etat für den Forst

„1772 plante die Stadt erstmals einen Forstetat im Haushalt ein und 1812 wurde Wilhelm Brandt als erster Stadtförster eingestellt“, erzählte Querfurth. Er berichtete von Waldemar-Festen zu Ehren des Markgrafen und von Pferdekadavern, die man im Wald ablud, um der Wildschweinplage auf den Semliner Feldern Herr zu werden. Auch vom ehemaligen Forsthaus, dass einst am Waldrand stand, dort wo heute die Goethestraße auf den Friedrich-Eber-Ring trifft. Etwa drei Kilometer ging es mal über schmale, von Frost überzogene Pfade, mal auf breiten hellen Wegen durch den Wald. Die Sonne funkelte durch die Wipfel der Bäume. Hier und da stoppte Querfurth um aktuelle Vorhaben im Stadtwald zu erklären und schnell war klar, das ist sein wahres Metier.

Nach fast zwei Stunden herrlicher Waldluft endete die Wanderung im Forsthaus Riesenbruch, wo Wildschweinbratwurst und Glühwein zum Aufwärmen für die Gäste serviert wurden.

Anmeldung notwendig

Die Teilnahme an den geführten Wanderung durch den Stadtwald ist kostenlos. Aufgrund der großen Nachfrage ist eine Anmeldung notwendig. Die zweite Tour im Februar ist allerdings bereits ausgebucht. Querfurth plant deshalb weitere Touren im Mai und im Oktober. Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Von Christin Schmidt

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